„Unterschätzes Phänomen“

Corona-Doppelinfektion: Frau (90) stirbt nach Alpha- und Beta-Infektion

Weil zu selten auf genaue Corona-Varianten getestet wird, sei bislang noch unklar, wie selten Doppelinfektionen sind.
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Weil zu selten auf genaue Corona-Varianten getestet wird, sei bislang noch unklar, wie selten Doppelinfektionen auftreten.

Nachdem eine Patientin in Belgien positiv auf zwei Varianten des Coronavirus getestet worden ist, wollen Forschende dem Phänomen einer Ko-Infektion nachgehen.

Brüssel – Schon mehrfach haben Wissenschaftler:innen bei der Untersuchung von Proben Corona*-Infizierter festgestellt, dass beim Coronavirus und seinen Varianten sogenannte Ko-Infektionen auftreten können. Dabei erkrankten einzelne Betroffene an mehreren Varianten des Virus gleichzeitig. Im Rahmen des online stattfindenden Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID) haben Forschende aus Belgien dieses Thema nun aufgegriffen und betont: Die Forschung hat in dieser Frage noch eine Menge Arbeit vor sich.

Die Leiterin der zugrundeliegenden Studie, Molekularbiologin Anne Vankeerberghen vom OLV-Krankenhaus in Aalst westlich von Brüssel, betonte, dass noch nicht ausreichend auf Varianten getestet werde. Daher sei nicht klar, wie häufig Ko-Infektionen auftreten und wie die Doppelansteckung sich auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Auch wenn es bisher keine in Fachzeitschriften veröffentlichten Beiträge gab, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen, sagte Vankeerberghen, dass es aufgrund der seltenen Untersuchung von Varianten, wahrscheinlich sei, dass es sich bei den Ko-Infektionen „um ein unterschätztes Phänomen“ handele.

90-Jährige stirbt nach doppelter Corona-Infektion mit Alpha- und Beta-Variante

Auslöser für die Studie war der Fall einer 90-Jährigen aus Belgien, die sich im März 2021 offenbar innerhalb weniger Tage bei zwei verschiedenen Personen mit dem Coronavirus ansteckte, mit der Beta sowie der Alpha-Variante.* Nach mehreren Stürzen kam die Dame in ein Krankenhaus in Aalst, wo noch am selben Tag ein Corona-Test positiv ausfiel. „Beide Varianten zirkulierten zu der Zeit in Belgien, daher ist es wahrscheinlich, dass die Dame mit verschiedenen Viren von zwei verschiedenen Personen ko-infiziert war“, erklärte Vankeerberghen

Anfangs sei die Sauerstoffsättigung ihres Bluts noch gut gewesen, dann habe sich der Zustand der ungeimpften Patientin aber rasch verschlechtert und sie sei binnen fünf Tagen gestorben, schildern die Forscher den Krankheitsverlauf der 90-Jährigen. Ob diese Ko-Infektion für die rasche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der alten Dame verantwortlich war, sei schwer zu sagen, erklärte Vankeerberghen.

Kritischer Corona-Verlauf durch Doppelinfektion: Forschung braucht weitere Studien

Im Januar 2021 hatten Forschende aus Brasilien berichtet, dass zwei Menschen gleichzeitig mit zwei verschiedenen Stämmen des Coronavirus infiziert worden waren, aber auch diese Studie wurde noch nicht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht.

Die belgische Studie mache deutlich, „dass weitere Studien notwendig sind, um festzustellen, ob eine Infektion mit mehreren bedenklichen Varianten den klinischen Verlauf von Covid-19 beeinflusst und ob dies in irgendeiner Weise die Wirksamkeit von Impfungen* beeinträchtigt“, erklärte der Virologe Lawrence Young von der Universität von Warwick. (ska/AFP) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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