Gegen den Corona-Blues

Neue Roboter sagen Corona-Isolation den Kampf an - doch eine erhebliche Gefahr bleibt

Soziale Roboter sollen während der Corona-Krise dabei helfen, das Wohlbefinden von Menschen in Isolation zu steigern.
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Soziale Roboter sollen während der Corona-Krise dabei helfen, das Wohlbefinden von Menschen in Isolation zu steigern.

Viele Menschen sind im Zuge der Corona-Pandemie seit Monaten sozial isoliert. Oft sind Depressionen die Folge. Neue Roboter sollen jetzt Abhilfe schaffen.

  • Die Corona-Pandemie hat ein hohes Maß an sozialer Isolation mit sich gebracht.
  • Einsamkeit und sogar Depressionen sind die Folge.
  • Soziale Roboter sollen jetzt Abhilfe leisten.

Kassel - Es ist offensichtlich: Die Corona-Pandemie hat die Welt aus den Angeln gehoben. Im März 2020 war sie im Herzen Europas angekommen. Seitdem breitet sie sich immer weiter aus. Im Zuge der zweiten Welle steigt die Zahl der Neuinfektionen erneut rapide an und auch die Todesfälle werden von Tag zu Tag mehr.

Die Folgen sind verheerend und die Maßnahmen dagegen offenbaren Nebenwirkungen. Dem wirtschaftlichen Sinkflug wird mit Kurzarbeit und Corona-Soforthilfen begegnet, der Ausbreitung des Coronavirus mit Kontaktverboten. Das hat Konsequenzen. Denn die daraus entstandene Isolation vieler Menschen wird zum Folge-Problem.

Ein Beispiel: Die amerikanische Ärztin Sondra Crosby berichtet in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ über ihre vierwöchige Covid-19-Erkrankung, die von quälender Angst, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, ja sogar von Halluzinationen begleitet wurde. Und sie ist nicht die einzige. Auch Personen ohne eigene Corona-Erkrankung leiden unter der sozialen Isolation im Zuge der Kontaktbeschränkungen. Eine Lösung sollen nun neue soziale Roboter sein.

Roboter gegen Isolation während Corona-Pandemie? Vier Typen sollen helfen

Soziale Roboter, die die psychischen Folgen der durch die Corona-Pandemie ausgelösten sozialen Isolation mildern? Genau dazu haben Forscher unter Mitarbeit der Universität Hohenheim in Stuttgart eine Typologie aufgestellt. Mithilfe dieser Typologie sollen Roboter entwickelt werden, die psychisch anfällige Menschen insbesondere in Zeiten wie in der Corona-Krise unterstützen und somit psychischen Krankheiten vorbeugen.

Wie das „Deutsche GesundheitsPortal“ berichtet, werden vor allem ältere Menschen und Kinder von der Isolation hart getroffen. Um diese zu unterstützen, sollen die Roboter wichtige Funktionen übernehmen. Weil die Entwicklung derartiger Roboter jedoch noch wenig ausgeprägt ist, unterstützt nun das Forscherteam in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim Nutzer und Anbieter sowie Entwickler beim Einsatz und Design sozialer Roboter.

Dazu hat das Forscherteam eine Studie im „Journal of Service Management“ veröffentlicht. Darin haben die Forscher vier soziale Roboter-Typen aufgestellt:

  • Unterhalter
  • Sozialer Wegbereiter
  • Mentor
  • Freund

Wie die sozialen Roboter gegen Corona-Isolation funktionieren

Die Studie zu den Corona-Robotern befasst sich mit den Anforderungen, aber auch den Hindernissen und Negativ-Effekten von sozialen Robotern. Marah Blaurock, Doktorandin am Institut für Marketing und Management in Hohenheim, erklärt dazu bei „Deutsches GesundheitsPortal“: „Wir möchten gerne verstehen und Anregungen geben, wie soziale Roboter das Wohlbefinden schutzbedürftiger Personen verbessern können, wenn diese sich in sozialer Isolation befinden – nicht nur während der Corona-Pandemie, sondern auch aufgrund anderer Umstände. Dafür sind in unsere Arbeit Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen eingeflossen: Dienstleistungsforschung, soziale Robotik, Sozialpsychologie und Medizin.“

Von den vier Typen der sozialen Roboter Unterhalter, sozialer Wegbereiter, Mentor und Freund sind die beiden Letzteren noch nicht kommerziell erhältlich. Während der Unterhalter-Typ vor allem kurzfristig Langeweile vertreibt und den Menschen amüsiert, soll der soziale Wegbereiter einem authentisch sozialen Kontakt nahekommen. Und das funktioniert so: Über einen Bildschirm kann die betroffene Person mit Freunden, Familie oder auch Dienstleistern in Kontakt treten. Das Wohlbefinden soll so auch langfristig beeinflusst werden.

Mentor und Freund: Soziale Roboter gegen Isolation in Corona-Krise

Der Mentor-Roboter hingegen soll Aufgaben übernehmen, die normalerweise die Anwesenheit eines professionellen Dienstleisters wie etwa in der Psycho- und Physiotherapie erfordern. Ältere Menschen etwa können durch körperliche Aktivitäten mit dem Mentor-Roboter länger mobil bleiben. Laut „Deutsches GesundheitsPortal“ wird dieser Typ Roboter bisher jedoch nur in der Forschung eingesetzt.

Der wohl komplexeste Roboter-Typ gegen die Corona-Isolation ist laut der Studie der Freund. Hier ist von „quasi-sozialen“ Interaktionen die Rede, die mit Fürsorge und emotionalem Trost sowohl kurz- als auch langfristig das Wohlbefinden fördern. Der Studie nach hätten erste Untersuchungen ergeben, dass Kinder und ältere Erwachsene Prototypen solcher Roboter tatsächlich als soziale Wesen wahrnehmen könnten.

Soziale Roboter gegen Corona-Isolation: Eine Gefahr bleibt

Blaurock bezeichnet die Typologie der Roboter als Unterstützung gegen Isolation während der Corona-Pandemie als „Grundlage für die zukünftige Forschung in diesem Bereich“. Doch es gibt auch Nachteile solcher Roboter. So wird auch der Aspekt untersucht, inwiefern der Einsatz von sozialen Robotern negative Effekte mit sich bringt, betont Blaurock. Man stelle sich die Frage, inwieweit Roboter den menschlichen Kontakt überhaupt ersetzen kann.

Es herrscht die Befürchtung, dass der Ersatz von etwa Pflegekräften durch einen sozialen Roboter die Einsamkeit nur noch verstärken könnte - als genau das Gegenteil vom gewünschten Effekt. Es ist ein schmaler Grat.

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