Niedersachsen

Impf-Skandal weitet sich aus: Kochsalzlösung statt Impfstoff - Zahl der Betroffenen steigt drastisch

Die Polizei ermittelt gegen eine Mitarbeiterin des Impfzentrums Friesland. Sie soll bei vielen Impfungen den Corona-Impfstoff durch Kochsalzlösung ersetzt haben.

Update vom Freitag, 13.08.2021, 14.14 Uhr: Die Zahl der vom Corona-Impfskandal im Friesland in Niedersachsen betroffenen Menschen hat sich auf 10.183 erhöht. Am Freitag (13.08.2021) sagte Landrat Sven Ambrosy (SPD), dass die Zahlen noch einmal genau überprüft worden seien. Bislang waren die Behörden von 8557 Betroffenen ausgegangen. Er bedauere zutiefst, dass so viele Menschen unter dem Fehlverhalten einer einzelnen Person leiden müssten.

Beschuldigt wird eine 40-jährige Krankenschwester, die im April in mindestens sechs Fällen im Impfzentrum Schortens-Roffhausen Covid-19-Impfstoff gegen eine Kochsalzlösung ausgetauscht haben soll. Als Grund gab sie laut den Ermittlern an, dass ihr eine Ampulle mit dem Vakzin zerbrochen sei. Aus Angst vor einer Entlassung habe sie die Spritzen anschließend mit Kochsalz aufgefüllt.

Betroffene Menschen müssen sich nachimpfen lassen. Ambrosy erklärte, dass bisher bereits 5047 Termine für Nachimpfungen vergeben worden seien. Pro Tag seien zwischen 200 und 400 nachträgliche Impfungen vorgesehen. Dem SPD-Politiker zufolge seien etwa 10,3 Prozent der Gesamtbevölkerung beziehungsweise jede siebte geimpfte Person im Landkreis von dem Skandal betroffen. Das Vertrauen in die Impfkampagne sei nachhaltig erschüttert. Menschen, die sich nicht mehr im Impfzentrum immunisieren lassen wollen, sollen daher auf Hausärzte und Hausärztinnen ausweichen.

Der Corona-Impfskandal in Niedersachsen weitet sich aus: Scheinbar sind noch mehr Personen von falschen Impfungen betroffen als bislang angenommen.

Impfskandal in Niedersachsen: Anwalt der Beschuldigten äußert sich

Update vom Donnerstag, 12.08.2021, 16.25 Uhr: Rund 9000 Menschen sollen Kochsalzlösung statt den Corona-Impfstoff von Biontech bekommen haben. Diese Vorwürfe werden zumindest gegen eine 40-jährige Krankenschwester formuliert, die in einem Impfzentrum in Niedersachsen gearbeitet hat.

Die Vorwürfe von Polizei und Landkreis Friesland weist der Anwalt der Beschuldigten Christoph Klatt am Donnerstag (12.08.2021) zurück. Seine Mandantin habe keine Spritzen mit Kochsalzlösung aufgezogen, erklärt er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Vielmehr soll sie nach eigener Aussage Impfstoffreste aus übrigen Ampullen genutzt haben. Zuvor war ihr eine Ampulle zerbrochen. Den restlichen Impfstoff wollte sie auffangen. Aus Angst, ihren Job zu verlieren, wollte sie das allerdings vertuschen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigte, dass die Frau die geschilderten Angaben gemacht habe. Warum diese zuvor nicht mitgeteilt wurden, blieb zunächst offen.

Corona-Impfskandal in Niedersachsen: Krankenschwester soll Impfpass gefälscht haben

Wie die Polizei berichete, könne nach Zeugenaussagen aber nicht ausgeschlossen werden, dass die Frau die Spritzen mit Kochsalzlösung aufgezogen habe. Demnach könnte einige Personen keinen ausreichenden Corona-Impfschutz haben. Deshalb sollen nun 8557 Bewohner, die das Impfzentrum in Friesland besucht haben, nachgeimpft werden.

Zudem bestehe laut Staatsanwaltschaft Oldenburg der Verdacht, dass die Krankenschwester aus Niedersachsen ihren Impfausweis sowie ein Ersatzdokument manipuliert haben könnte. Der Anwalt der Beschuldigten widerspricht allerdings auch an dieser Stelle. Seine Mandantin sei nach eigener Aussage gegen Covid-19 geimpft.

Corona in Niedersachsen: Mitarbeitern vertauscht Impfstoff mit Kochsalzlösung?

Erstmeldung vom Dienstag, 10.08.2021: Jever - Ein Impf-Skandal im Kreis Friesland in Niedersachsen sorgte im April für große Schlagzeilen. Nachdem eine Mitarbeiterin des Impfzentrums Friesland eingeräumt hatte, sechs Spritzen statt mit dem Biontech-Impfstoff mit Kochsalzlösung gefüllt zu haben, geht die Polizei in Niedersachsen nun davon aus, dass deutlich mehr Menschen als zunächst angenommen betroffen sein könnten.

Das Ausmaß des Skandals ist nun zu erahnen: „Es geht um insgesamt 8.557 Menschen, die womöglich ganz oder teilweise keinen Impfschutz erhalten haben, obwohl sie davon ausgehen“, sagte Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) bei einer Pressekonferenz am Dienstag (10.08.2021) in Jever.

Es betreffe 9.673 Impfungen, die im Zeitraum vom 5. März bis zum 20. April 2021 gespritzt wurden. Alle Betroffenen werden nun vom Landkreis Friesland angeschrieben, um die möglicherweise fehlende Impfungen nachzuholen.

Nach Corona-Impfung mit Kochsalzlösung: Mitarbeiterin schweigt zu den Vorwürfen

Ende April hatte die Mitarbeiterin bereits gestanden, dass sie sechs Spritzen statt mit dem Biontech-Impfstoff mit Kochsalzlösung gefüllt hat. Als Grund hatte sie laut Polizei genannt, dass ihr zuvor beim Anmischen ein Fläschchen mit dem Vakzin heruntergefallen sei, was sie anschließend vertuschen wollte.

Als das bekannt wurde, sind mehr als 100 Menschen, die an diesem Tag geimpft wurden, zunächst mit Antikörpertests überprüft worden, um den Impfschutz zu überprüfen. Deshalb steht laut Polizei der Verdacht weiterer Fälle im Raum. Betroffen seien vor allem Gruppen der Priorität zwei und Menschen über 70 Jahre.

Corona in Niedersachsen: Motiv des Skandals um Kochsalzlösung-Impfungen noch unklar

Auch der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, Peter Beer, bestätigte bei der Pressekonferenz am Dienstag, dass nach Zeugenaussagen „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ davon ausgegangen werden kann, dass innerhalb des Zeitraumes weitere Menschen anstelle des Impfstoffes Kochsalzlösungen erhalten haben. „Wir haben den begründeten Verdacht für eine Gefahr“, sagte Beer. Mittlerweile schweigt die Mitarbeiterin zu den Vorwürfen.

Auch das genaue Motiv ist noch unklar. Beer bestätigte allerdings bereits bekannt gewordene Berichte, wonach die Beschuldigte vor dem Skandal im Internet Beiträge teilte, in denen Corona-Maßnahmen der Regierung kritisiert wurden. Zudem habe die Mitarbeiterin über einen Chat „corona-kritische Informationen“ verteilt, sagte Beer. (Carolin Eberth und Karolin Schaefer mit dpa)

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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