„Müssten prioritär geimpft werden“

Corona-Impfung für Schwangere: Bislang keine STIKO-Empfehlung - Doch Experten äußern nun andere Meinung

Im Hintergrund steht eine schwangere Frau mit Mund-Nasen-Schutz. Im Vordergrund wird eine Impfdosis in einer Spritze aufgezogen.
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Bislang empfiehlt die STIKO Corona-Impfungen nicht für Schwangere. Experten wollen nun, dass sich das ändert. (Symbolbild)

In Deutschland werden Corona-Impfungen für Schwangere bislang nicht von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Experten fordern, die Empfehlung nach neuen Erkenntnissen anzupassen.

Jena - In einigen Ländern der Welt - unter anderem in Frankreich und Israel - werden schwangere Frauen priorisiert gegen das Coronavirus geimpft. In Deutschland hat die Ständige Impfkommission (STIKO) hingegen eine Corona-Impfung in der Schwangerschaft bislang nicht empfohlen. Dabei zeigen Studien ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe bei schwangeren Frauen.

Corona: Studie zeigt erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe bei Schwangeren

Unter der Leitung von Ärzten der School of Medicine der University of Washington und der University of Oxford wurden zwischen April und August des vergangenen Jahres erhobene Daten von mehr als 2100 schwangeren Frauen aus 43 Entbindungskliniken in 18 Ländern untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass Schwangere kein höheres Risiko haben, an Covid-19* zu erkranken.

„Aber wenn sie es bekommen, werden sie wahrscheinlicher schwer krank und benötigen mit höherer Wahrscheinlichkeit Intensivpflege, Beatmung oder erleben eine Frühgeburt und Präeklampsie“, erklärte Dr. Michael Gravett von der University of Washington, einer der leitenden Autoren der Studie, in einer Mitteilung der Einrichtung. Die Ergebnisse der Studie wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht.

Auf der Grundlage der Studienergebnisse sagte Gravett in einer Mitteilung der University of Washington weiter: „Ich würde wärmstens empfehlen, dass alle schwangeren Frauen Corona-Impfungen erhalten.“ Die gleiche Auffassung vertritt Ekkehard Schleußner. Er ist Professor für Geburtshilfe an der Universität Jena und Direktor der dortigen Frauenklinik. „Es ist mittlerweile sehr klar, dass das gesundheitliche Risiko für die Schwangere deutlich erhöht ist durch Covid-19*“, sagte er gegenüber dem ARD-Magazin „Kontraste“.

Corona-Impfung für Schwangere: Aktuell keine STIKO-Empfehlung - Ausnahme bei Vorerkrankungen

In Deutschland wird die Corona-Impfung* von Schwangeren derzeit nicht empfohlen. Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (RKI)* heißt es dazu: „Zur Anwendung der COVID-19-Impfstoffe (mRNA-Impfstoffe oder Vektor-basierter Impfstoff) in der Schwangerschaft liegen aktuell keine Daten vor, daher empfiehlt die STIKO die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht.“

Es gibt allerdings Ausnahmen. „Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung kann in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden“, schreibt das RKI weiter.

Corona-Impfung für Schwangere: Experte mit klarer Meinung - „Müssten prioritär geimpft werden“

Schleußner berichtete im ARD-Magazin „Kontraste“, er erhalte jede Woche zahlreiche Anfragen von „verzweifelten Schwangeren“, die sich gerne gegen das Coronavirus* impfen lassen würden. Der Professor für Geburtshilfe äußerte seine klare Meinung: „Schwangere müssten, sofern sie es wollen, prioritär geimpft werden“.

Auch Claire-Anne Siegrist, Vakzinologin an der Universität in Genf und Leiterin des Kollaborationszentrums für Impf-Fragen der WHO, findet: „Jede Schwangere sollte die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen“. Eine generelle Empfehlung könne man derzeit allerdings noch nicht abgeben. „Dafür brauchten wir Daten zur Sicherheit der Impfstoffe von sehr vielen Schwangeren, und die haben wir noch nicht“, stellte Siegrist gegenüber beobachter.ch klar.

Corona-Impfung für Schwangere: Bislang nur wenige Daten - Neue Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung

Bislang gibt es noch keine abgeschlossenen, kontrollierten Zulassungs-Studien zur Sicherheit von Corona-Impfstoffen* bei schwangeren Frauen. Vorläufige Ergebnisse einer Studie, die am Mittwoch (21. April) in der Fachzeitschrift The New England Journal of Medicine veröffentlich wurde, geben Anlass zur Hoffnung.

Es ist die bisher größte Untersuchung zur Sicherheit der Corona-Impfstoffe bei Schwangeren und basiert auf den Daten von mehr als 35.000 Schwangeren. Die Ergebnisse legen nahe, dass es durch die mRNA-Impfstoffe, wie beispielsweise von Biontech/Pfizer* und Moderna*, keine schwerwiegenden Risiken für Schwangere gibt.

Corona-Impfung für Schwangere: Experten plädieren für STIKO-Empfehlung

„Ausgehend von diesen Daten würde ich erwarten, dass die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung bezüglich der Impfung von Schwangeren überarbeitet und die Impfung auch für diese Personengruppe empfiehlt“, erklärte Professor Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zeigte sich gegenüber dem RND erfreut über die zunehmenden wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse zur Corona-Impfung bei Schwangeren. „Unter Berücksichtigung des aktuellen Wissenstandes würden wir uns auch für Deutschland eine Impfempfehlung für Schwangere wie beispielsweise in Israel, UK und Luxemburg durch die STIKO wünschen“, teilte sie mit. (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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