Corona in Niedersachsen

Impfskandal mit Kochsalzlösung: Krankenschwester soll auch Impfpass gefälscht haben

Nachdem eine Krankenschwester in Niedersachsen Corona-Impfstoff mit Kochsalzlösung ausgetauscht haben soll, soll sie nun auch ihren Impfpass gefälscht haben.

Jever – Ein Impfskandal im Kreis Friesland in Niedersachsen sorgte für Schlagzeilen. Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums soll bereits im April die Corona*-Impfungen von Biontech gegen eine Kochsalzlösung ausgetauscht haben. Das soll fast 9000 Menschen betreffen.

„Es geht um insgesamt 8.557 Menschen, die womöglich ganz oder teilweise keinen Impfschutz erhalten haben, obwohl sie davon ausgehen“, erklärte Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) bei einer Pressekonferenz am Dienstag (10.08.2021) in Jever. Doch das ist noch nicht alles. Nun soll die 40-jährige Krankenschwester auch noch ihren Impfpass gefälscht haben. Das berichtet NDR-Niedersachsen.

Die Polizei in Niedersachsen ermittelt gegen eine Mitarbeiterin, die bei fast 9000 Impfungen den Corona-Impfstoff durch Kochsalzlösung ersetzt haben soll. Auch ihren Impfpass soll sie gefälscht haben. (Symbolbild)

Corona in Niedersachsen: Anwalt der Beschuldigten weist Vorwürfe zurück

Demnach wird der Frau neben der mutmaßlichen Manipulation von Corona-Impfungen auch Urkundenfälschung vorgeworfen. Dazu will sich die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Donnerstag (12.08.2021) äußern. Nach derzeitigem Ermittlungsstand gehen die Behörden von einer politisch motivierten Tat aus. Dass die mutmaßliche Täterin eine Impfgegnerin sein soll, wies ihr Anwalt zurück. Es gehöre zur Meinungsfreiheit, kritische Kommentare im Netz zu verbreiten.

„Unsere Mandantin handelte weder aus einer politischen Motivation heraus, noch hat sie Impfwilligen lediglich Kochsalzlösung verabreicht“, erklärte der Anwalt der Beschuldigten. Die 40-Jährige soll dem Anwalt zufolge nur versucht haben, verschütteten Corona-Impfstoff mit Resten aus anderen Ampullen auszugleichen.

Corona-Impfskandal in Niedersachsen: Betroffene sollen sich erneut impfen lassen

Der niedersächsische Landkreis hat inzwischen dazu aufgerufen, dass die Betroffenen sich erneut impfen lassen sollen. Etwa 3600 Menschen haben bisher einen Impftermin vereinbart. „Die Bürgerinnen und Bürger reagieren sehr besonnen“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Mittwoch (11.08.2021) in Hannover.

Betroffen seien vor allem Menschen über 70 Jahren, die zwischen dem 5. März und 20. April im Impfzentrum Friesland geimpft wurden. Aber auch Mitarbeitende von Pflegediensten, Erzieherinnen und Erzieher sowie Ärztinnen und Ärzte könnten betroffen sein.

Wie viele Spritzen tatsächlich manipuliert waren, ist ungewiss. „Es mag sein, dass nur jede dritte Spritze manipuliert war, es mag sein, dass es keine weiteren Fälle gibt“, erklärte der Leiter des niedersächsischen Corona-Krisenstabs Heiger Scholz. Zunächst waren die Behörden nur von sechs Fällen ausgegangen. Die strafrechtlichen Ermittlungen laufen derzeit auch nur in den sechs ursprünglichen Fällen.

Hinsichtlich der Impfungen tauchen immer wieder Skandale in Deutschland auf. Als Anfang des Jahres der Impfstoff noch knapp war, sollen zwei Klinikleiter in Hessen Corona-Impfstoff für sich genutzt haben, ohne die Impfreihenfolge zu beachten. (kas) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christopher Neundorf/dpa

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