DIM und Covimo

Corona-Impfquote nicht korrekt? RKI bestätigt Diskrepanz

Das RKI informiert über Diskrepanzen bei den Corona-Daten zu Erstimpfungen. (Symbolbild) Informationen über die Impfung werden im Impfpass eingetragen.
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Das RKI informiert über Diskrepanzen bei den Corona-Daten zu Erstimpfungen. (Symbolbild)

Die Zahlen der Corona-Erstimpfungen in Deutschland sind nicht exakt. Das Robert Koch-Institut berichtet über Diskrepanzen zwischen den Erhebungssystemen.

Kassel – Eine „gewisse Unsicherheit“ gebe es bei der Interpretation der Impfdaten. Darüber hat das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag (10.08.2021) informiert. In einem Report zu den bisherigen Corona*-Impfungen und der Impfbereitschaft schrieb das RKI, dass die Daten im digitalen Impfquotenmonitoring (DIM) zu Covid-19-Impfungen vermutlich unterschätzt würden.

Die Unstimmigkeiten bestünden vor allem bei den Impfdaten junger Erwachsenen und Erwachsenen im mittleren Alter. In dieser Kategorie könnten schon mehr Menschen eine erste Impfung erhalten haben als offiziell verzeichnet.

Meldungen zu Corona-Impfungen sammelt das RKI von folgenden Stellen:

  • Impfzentren
  • Krankenhäusern
  • Mobilen Impfteams
  • Betriebsmediziner
  • Niedergelassenen Ärzte
  • Privatärzten

Daten zu Corona-Erstimpfungen in Deutschland bei Covimo „um einiges höher“

Diese Corona-Impfdaten werden ins DIM eingespeist, im sogenannten Impfdashboard zusammengefasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darüber hinaus veröffentlicht das RKI eine weitere Erhebung: das Covid-19 Impfquoten-Monitoring in Deutschland (Covimo).

Während das DIM die Daten aus offiziellen Meldungen bezieht, werden die Impfquoten bei der Covimo-Erhebung anhand von Befragungen hochgerechnet. Die zuletzt erhobenen Daten von Covimo decken den Zeitraum vom 28.06.2021 bis zum 13.07.2021 ab. In dieser Zeitspanne wurden rund 1000 Erwachsene befragt. Dabei habe sich eine deutliche Diskrepanz zum DIM ergeben.

„Um einiges höher“ - so fiel die Quote der mindestens einmal Geimpften aus. Dies zeigte sich besonders in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen. Bei der Befragung gaben 79 Prozent an, dass sie geimpft sind. Im Meldesystem waren es hingegen nur 59 Prozent. Die Zuständigen des RKI schrieben in diesem Zusammenhang, die tatsächliche Impfquote liege voraussichtlich zwischen den Werten beider Quellen.

„Keinen wesentlichen Unterschied“ habe es hingegen „in Bezug auf die Impfquoten zu vollständig Geimpften“ gegeben, hieß es in der Erhebung. Außerdem sei eine gewisse Untererfassung in solchen Überwachungssystemen für Fachleute durchaus erwartbar.

Volker Bouffier, der Ministerpräsident von Hessen, sprach vor dem Bund-Länder-Gipfel davon, dass die Impfquote erhöht werden müsse, da nur das „ausreichend Schutz gegen eine Infektion“ biete. Laut dem Beschluss des Corona-Gipfels am Dienstag (10.08.2021) wird es vor allem für Ungeimpfte Änderungen geben.

Video: Corona-Fallzahlen in Deutschland am Mittwoch (11.08.2021)

Corona in Deutschland: Impfbereitschaft liegt auf hohem Niveau

Nach den aktuellen Corona-Fallzahlen in Deutschland am Mittwoch (11.08.2021) zählt das RKI seit Beginn der Pandemie-Aufzeichnungen 3.799.425 nachgewiesene Infektionen mit Sars-Cov-2. 62,5 Prozent der Menschen in Deutschland gelten als einmal geimpft. Eine vollständige Impfung haben 55,1 Prozent erhalten.

Über die Corona-Impfbereitschaft in Deutschland schreibt das RKI im Covimo-Bericht: „Die Covid-19-Impfbereitschaft der Bevölkerung liegt auf einem hohen Niveau.“ Demnach seien 91,6 Prozent der Befragten entweder bereits geimpft oder für eine Impfung bereit. Offizielle RKI-Daten zeigen, wie gut eine Corona-Impfung vor schweren Verläufen schützt.

Corona-Impfungen in Deutschland: Diskrepanz der Daten zwischen DIM und Covimo

Wie es zu den Diskrepanzen zwischen den DIM- und Covimo-Daten komme, sei nicht abschließend geklärt. Es gebe aber unterschiedliche Erklärungsansätze. Ein Aspekt könne die Erfassung der Corona-Impfungen mit Johnson & Johnson sein, da sie nur eine Impfung für den vollständigen Impfschutz brauchen. Das Problem könne demnach daraus resultieren, dass zum Beispiel Vertragsärzte diese Immunisierung ausschließlich als zweite Impfdosen melden. Ferner sei eine Zuordnung zwischen Impfstoff und Altersgruppe derzeit nicht möglich.

Hinzu komme, dass nur etwa die Hälfte der beim Meldesystem registrierten Betriebsärzte Impfungen über die Webanwendung meldeten. „Dies könnte ein Hinweis auf eine Untererfassung der Impfquoten durch DIM sein“, hieß es im RKI-Report.

Diskrepanz der Corona-Impfdaten: RKI-Fachleute suchen nach Erklärung

Weitere Einflussfaktoren könnten laut RKI auch die potenziellen Verzerrungen in der Befragung sein. Diese könne zu einer Überschätzung der Quote führen. So sei etwa anzunehmen, dass Menschen, die Corona-Impfungen befürworten, eher mitmachen als Verweigerer.

Auch Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse hätten nicht an den Interviews teilnehmen können. Für beide Aspekte geben die Autoren aber zu bedenken, dass dann auch bei den vollständig Geimpften eine größere Abweichung zwischen den Quellen hätte auftreten müssen.

Nach Veröffentlichung des Covimo-Reports wurde bei den DIM-Daten ein Hinweis zu den möglicherweise auftretenden Diskrepanzen hinzugefügt. Die Bevölkerung wird nun darüber informiert, dass die Impfquoten der mindestens einmal geimpften Erwachsenen nach Altersgruppe „systematisch zu niedrig ausgewiesen“ werden. (jey/dpa) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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