„Pandemie der Ungeimpften“

Corona-Lage in den USA verunsichert: Bald auch in Deutschland mehr Kinder in Kliniken?

Die Zahl der Krankenhausfälle mit einer Corona-Infektion nimmt bei Kindern und Jugendlichen zu. Das Virus sei zu einer Pandemie der Ungeimpften geworden, heißt es.

Kassel – Die Corona*-Fallzahlen in Deutschland steigen – und das schon seit Ende Juni. Laut wöchentlichem Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag (12.08.2021) sind vor allem junge Menschen betroffen. Seit Anfang Juli ist ein Anstieg der Inzidenz in den Altersgruppen der Zehn- bis 34-Jährigen zu verzeichnen.

Laut RKI hat der Altersmedian aller Corona-Fälle pro Woche seit Jahresbeginn kontinuierlich abgenommen. Anfang des Jahres lag der Wert noch bei 49 Jahren, Anfang August dann bei 28. Auch im Krankenhaus wurden die Covid-19-Patientinnen und -Patienten immer jünger.

„Die Jungen haben sich über ein Jahr lang zurückgenommen, um die Älteren zu schützen, mit dem Ergebnis, dass sie sich danach alle selbst anstecken“, erläutert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* die Situation.

Corona: „Das Virus ist zu einer Pandemie der Ungeimpften geworden“

Das schreibt auch die Los Angeles Times: „Das Virus ist zu einer Pandemie der Ungeimpften geworden – und Kinder unter zwölf Jahren, für die die Impfstoffe noch nicht zugelassen sind, machen einen großen Teil dieser Gruppe aus.“ Laut Medienberichten aus den USA sollen die Fallzahlen infolge der Delta-Variante vor allem bei Kindern steigen.

Die Leiterin der Intensivstation am Klinikum Leer bereitet ein Intensivbett für einen Corona-Patienten vor. Könnten in Deutschland künftig mehr Kinder in Krankenhäusern liegen?

Zuletzt erreichten die Vereinigten Staaten einen neuen Rekord bezüglich der Hospitalisierung von Kindern. 1902 Kinder wurden am Samstag (14.08.2021) aufgrund einer Corona-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert. Das berichtet die Gesundheitsbehörde CDC.

„Alle sind ein wenig nervös, dass die Delta-Variante tatsächlich für Kinder etwas gefährlicher sein könnte“, erklärt Dr. Richard Malley gegenüber der New York Times. Malley ist Arzt für Infektionskrankheiten am Boston‘s Children Hospital. Eine wissenschaftliche Datengrundlage gibt es dazu allerdings noch nicht.

Stationäre Behandlung von Kindern seit Pandemie-Beginn1700
Davon auf Intensivstation behandelt5 Prozent
Quelle: Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Stand: 15.08.2021

Grund für Corona-Infektionen bei Kindern könnten fehlende Impfungen sein

Grund für die steigende Hospitalisierungszahl unter Kindern könnten die fehlenden Impfungen sein. Kinder unter zwölf Jahren werden in den USA und auch in Deutschland nicht geimpft. Zumindest werden laut neusten Beschlüssen hierzulande Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren empfohlen.

Könnte die Lage künftig also in Deutschland ähnlich aussehen wie in den USA? Vor allem mit Blick auf das neue Schuljahr gibt es Bedenken, da hier Kinder und Jugendliche wieder mehr Kontakte haben werden. Nach Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), gibt es noch „keine signifikant ansteigenden Zahlen, was die stationäre Aufnahme von Kindern angeht.“ Dennoch verlagere sich das Infektionsgeschehen auf die jüngeren Generationen, da die älteren Altersgruppen in der Regeln geimpft sind.

Auch wenn zwischen 15 und 24 Jahren schwere Covid-19-Verläufe selten sind, zeigt eine Studie aus Großbritannien, dass junge Menschen bei einer Einlieferung ins Krankenhaus ein fast genauso hohes Risiko für Komplikationen haben wie über 50-Jährige. Dennoch bedrohe eine steigende Inzidenz in dieser Altersgruppe „die Auslastung der Intensivbetten erst mal nicht“, sagt Epidemiologe Hajo Zeeb gegenüber dem ZDF. (kas) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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