Nur bei Kindern?

Studie zur Corona-Mutation offenbart: Bisherige Maßnahmen reichen wohl nicht aus

Die ersten Berichte über die Mutation des Corona-Virus in England gingen bereits im vergangenen Jahr um die Welt. Nun offenbart eine Studie erschreckendes.

  • Corona* in Deutschland: In Großbritannien und Südafrika wurden Mutationen des Virus entdeckt.
  • Erste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Corona-Mutation B117 in England veröffentlicht.
  • Studie bestätigt die erste Annahme, der leichteren Verbreitung der Variante des Corona-Virus.

London - Zum Ende des vergangenen Jahres gab es verschiedene Meldungen über Mutationen des Corona-Virus. Besonders erschreckend waren Meldungen über eine Mutation in England.

Diese als Virus-Variante B117 bekannte Mutation, soll um ein vielfaches ansteckender sein als die bisherige Variante des Corona-Virus. Doch Zahlen hierzu gab es bisher nicht. Nun wurde eine erste Studie zur Verbreitung der Mutation veröffentlicht.

Corona-Mutation in England: So ansteckend ist B117 wirklich - eine neue Studie bestätigt jetzt, dass sich die Virus-Mutation tatsächlich schneller verbreitet. (Symbolbild)

Corona-Mutation aus England: Vermutungen vorerst bestätigt

Eine am 31. Dezember 2020 veröffentlichte Studie untersuchte, wie hoch die Ansteckungsgefahr bei Corona-Mutation B 1.1.7 ist. An der Studie waren verschiedenste Forschungsinstitute in Großbritannien beteiligt.

Erste Befürchtungen, dass die neue Variante des Corona-Virus sich schneller ausbreitet, wurden durch die Studie zunächst bestätigt. Denn der R-Wert ist bei der Mutation um 0,4 bis 0,7 höher als bei dem bisher bekannten Corona-Virus.

Bei einem R-Wert von 1 steckt ein Infizierter im Schnitt eine weitere Person mit dem Corona-Virus an. Um die Ausbreitung unter Kontrolle zu bringen, muss der R-Wert unter 1 liegen.

Corona-Mutation: Anscheinend nicht nur Kinder betroffen

Anfänglich wurde angenommen, dass sich die neue Mutation aus England vor allem bei Kindern schneller verbreitet. Für diese anfängliche Annahme scheint es jedoch eine einfache Erklärung geben. Denn die neue Studie zu den Corona-Mutationen* widerspricht dieser Annahme.

Die ersten Zahlen zur Verbreitung des mutierten Corona-Virus wurden im November 2020 gesammelt. Zu dieser Zeit waren die Schulen geöffnet. Das Leben der erwachsenen Bevölkerung sei im Gegensatz dazu stark eingeschränkt gewesen, sagte Axel Gandy vom Londoner Imperial College gegenüber der BBC.

„Dies ist die schwerwiegendste Veränderung des Virus seit Beginn der Epidemie.“

Axel Gandy (Londoner Imperial College) gegenüber BBC

Gandy wirkte selbst an der aktuellen Studie mit. Da die Studie darauf hindeutet, dass die Ansteckungsgefahr in allen Altersgruppen erhöht ist, könnten die geöffneten Schulen ein Grund für die anfängliche Fehleinschätzung sein.

Corona-Virus: Mutation könnte weitere Maßnahmen notwendig

Im November 2020 trat in England ein Lockdown in Kraft. Dieser konnte die Ausbreitung der Corona-Mutation nicht stoppen, darauf verweist Jim Naismith von der Universität Oxford gegen der BBC. Der Wissenschaftler warnte zudem vor höheren Infektionszahlen, steigenden Krankenhausaufenthalten und einem Anstieg der Todesfälle, wenn am Vorgehen nichts geändert wird.

In Deutschland wurde die mutierte Variante des Virus B117 bisher nur vereinzelt festgestellt - unter anderem gab es Infizierte mit der Virus-Mutation in Niedersachsen. Doch auch Forscher in Deutschland halten eine steigende Zahl der Infektionen durch die Mutation für wahrscheinlich.

„Ich halte eine Senkung der Fallzahlen grundsätzlich für eine nachhaltige Infektionskontrolle für notwendig. Wenn die Daten zur erhöhten Ansteckungsfähigkeit der neuen Variante stimmen - und davon gehe ich aus - dann wird die Aufgabe sicherlich schwieriger“, sagte Virologe Jörg Timm von der Uniklinik Düsseldorf gegenüber der dpa.

Corona-Mutation: Nicht nur in England veränderte sich das Corona-Virus

Neben der Corona-Mutation B117 in England, gibt es derzeit eine weitere Mutation in Südafrika. Mutationen sind nichts Ungewöhnliches, aber die Mutation, die in Südafrika entdeckt wurde, könnte wohl ein noch größeres Problem als die Corona-Mutation B117 werden, so der britische Gesundheitsminister Matt Hancock gegenüber BBC Radio.

Studien zu der Virus-Mutation aus Südafrika gibt es noch nicht. Großbritannien hat am Montag jedoch den Flugverkehr mit Südafrika auf Eis gelegt.

Corona in Deutschland: Mutation auch hier ein Thema in der Politik

Nicht nur in der britischen Politik ist die Mutation des Corona-Virus ein Thema. Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident des Saarlandes, forderte kurz vor dem Corona-Gipfel am Dienstag (05.01.2021), „keine weiteren Risiken einzugehen, insbesondere mit Blick auf die neue Virus-Mutation B117 mit ihrer erhöhten Ansteckungsgefahr“.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begründete seine Forderungen nach einer stärkeren Reduktion der Infektionszahlen, mit der Virus-Mutation, die ansteckender ist als die bisher in Deutschland verbreitete.

Bund und Länder haben bei ihrem Corona-Gipfel am Dienstag (05.01.2021) auch die Virus-Mutation als einer der Gründe genannt, warum der Lockdown in Deutschland bis Ende Januar verlängert wird und die Kontaktbeschränkungen noch einmal deutlich verschärft werden. (Lucas Maier) *hna.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

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