Hoffnung für den Sommerurlaub

Corona in Österreich: Kurz erklärt Lockdown-Lockerungen - doch Mutationen breiten sich rasend schnell aus

Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärt in einem Interview die Lockerungen des Corona-Lockdowns in Österreich und fordert einen europäischen Impfpass. Währenddessen breiten sich die Mutationen rasend schnell aus.

  • Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat in einem Interview die Lockerungen des Corona-Lockdowns erklärt (siehe Erstmeldung).
  • Kurz fordert einen europäischen Impfpass und macht Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität im Sommer (siehe Erstmeldung).
  • Währenddessen breiten sich die Corona-Mutationen rasend schnell aus. (siehe Update vom 26. Februar).
  • Dieser News-Ticker zur Corona-Pandemie in Österreich ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 1. März finden Sie hier.

Update vom 26. Februar 2020: Als besonders ansteckend gelten die Corona-Mutationen und tatsächlich breiten sich die Mutanten in Europa rasend schnell aus. In Österreich ist laut Gesundheitsministerium inzwischen etwas mehr als Hälfte aller Neuinfektionen auf eine der grassierenden Corona-Varianten zurückzuführen. „Die Mutationen, da sie stärker sind, scheinen sich sehr schnell durchzusetzen“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag.

Österreich sei das einzige Land in Europa, das alle positiven PCR-Testergebnisse auf etwaige Virusvarianten überprüfe. Als Erfolg wertete der Minister, dass die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen kurz vor dem Abschluss stünden. Dadurch seien weniger schwere Krankheitsverläufe zu befürchten. Österreich sieht sich obendrein neben der Slowakei als das Land in Europa, das am meisten testet. Binnen 24 Stunden wurden laut Anschober zuletzt 223.000 Antigen-Schnelltests und PCR-Tests gemacht.

Corona in Österreich: Gastro-Öffnung evtl. möglich - Entscheidung am Montag

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen war nach deutlichem Anstieg zuletzt auf 2093 gefallen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei rund 145 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert derzeit bei rund 63. Am Montag will die österreichische Regierung entscheiden, ob nach dem Handel und den körpernahen Dienstleistungen in den nächsten Wochen auch die Hotels und die Gastronomie wieder öffnen dürfen. In diesem Fall wären negative Corona-Tests eine Voraussetzung für den Lokalbesuch.

Corona in Österreich: Kurz erklärt Lockdown-Lockerungen - und fordert EU-weiten Impfpass

Update vom 25. Februar, 16.50 Uhr: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat seine Forderung nach einem Corona-Impfpass am Donnerstag nochmals unterstrichen. „Wenn es keine europäische Lösung gibt, dann müssen wir dieses Projekt national umsetzen“, sagte er unmittelbar vor dem EU-Gipfel. Man würde in diesem Fall Abkommen mit anderen Ländern anstreben.

Ein digitaler grüner Pass für Geimpfte, Getestete und Genesene wäre der richtige Schritt, ein großes Stück Normalität zurückzugewinnen, so Kurz. „Das Ziel dessen ist, dass wir nicht im Dauer-Lockdown verharren wollen (...) Wir wollen, dass Menschen wieder Veranstaltungen, Gastronomie, Kultur, Sport und vieles andere mehr genießen und erleben können.“

Als Vorbild für eine solche Lösung nannte Kurz Israel. Dort dürfen Personen, die eine Corona-Impfung nachweisen können, beispielsweise wieder Fitness-Studios besuchen. Er erwarte sich zumindest eine Verpflichtung der EU, eine solche Lösung zu entwickeln, sagte Kurz. Im Frühling müsse das dann umgesetzt werden. Seine Forderungen nach einem europäischen Impfpass äußerte der österreichische Bundeskanzler auch im Merkur-Interview.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz nimmt per Video am EU-Gipfel zur Corona-Pandemie teil.

Corona in Österreich: Gastronomie und Hotels fordert Öffnungen

Update vom 25. Februar, 15.10 Uhr: Vor den Beratungen der Regierung um Kanzler Sebastian Kurz am kommenden Montag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie, hat die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Donnerstag einen „Öffnungsgipfel“ veranstaltet. Die Branchen, die bislang geschlossen bleiben mussten, beispielsweise die Gastronomie und Hotellerie, haben dabei ihre Konzepte vorgestellt. Aktuelle Corona-Tests, Abstand und Maskenpflicht sollen Voraussetzung für Öffnungen sein.

Die Teilnehmer fordern von der Regierung nun einen klaren Stufenplan für erste Öffnungsschritte, am besten ab dem 15. März. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) erklärte in einer Mitteilung: „Für mich sind Eintrittstests eine Grundvoraussetzung dafür, weitere Öffnungsschritte zu ermöglichen, sobald das Infektionsgeschehen es zulässt“. Ohne Eintrittstests seien weitere Öffnungen „illusorisch“, sagte sie.

Die Zahl der Neuinfektionen steigt in Österreich derweil weiter an. Nachdem am Mittwoch erstmals seit über einem Monat mehr als 2000 neue Corona-Fälle gemeldet wurden, waren es am Donnerstag 2391 bestätigte Neuinfektionen. Zudem wurden 23 neue Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

Corona in Österreich: „Lockdown hat nach sechs Wochen seine Wirkung verloren“

Erstmeldung vom 25. Februar: Wien - Das ursprünglich gesetzte Lockdown-Ziel von weniger als 700 täglichen Corona-Neuinfektionen wurde in Österreich nicht erreicht. In Tirol hat man weiterhin mit der Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation zu kämpfen. Am Mittwoch (24. Februar) wurden in der Alpenrepublik erstmals seit über einem Monat mehr als 2000 neue Corona-Fälle vermeldet. Die 7-Tage-Inzidenz lag laut AGES-Dashboard bei einem Wert von 139,1 - in Deutschland lag der Wert laut RKI am Donnerstagmorgen mit 61,7 weniger als halb so hoch. Dennoch hat die Regierung um Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP)* den harten Lockdown vor mehr als zwei Wochen gelockert. Seit dem 8. Februar haben in Österreich Handel, Schulen und körpernahe Dienstleister geöffnet.

Das Nachbarland setzt massiv auf Corona-Tests*. In einem Gespräch bei Bild Live erklärte Kurz, dass sein Land wöchentlich mehr als 2,5 Millionen Tests durchführt - das entspreche rund einem Viertel der Bevölkerung. „Das ist natürlich kein Allheilmittel. Das Virus gibt es trotzdem. Es wächst auch, aber wir schaffen es dadurch, das Wachstum zu bremsen und die Öffnungsschritte vorsichtig vorzunehmen“, so der österreichische Bundeskanzler.

Vor den Lockerungen habe man neben den Corona-Fallzahlen* auch auf die objektive Situation in der Bevölkerung geschaut, sagte Kurz weiter. „Und die objektive Situation war in Österreich schlicht und ergreifend, dass nach sechs Wochen der Lockdown seine Wirkung verloren hat.“ Die Menschen hätten sich immer weniger an die Regeln gehalten. „Ein Lockdown, wo keiner mitmacht, der hat natürlich auch wenig Sinn“, stellte Kurz klar.

Corona in Österreich: Kurz hat Verständnis für Frust - „Jedem reicht‘s schon langsam“

Der Bundeskanzler erklärte, er verstehe den Frust in der Bevölkerung. „Jedem reicht‘s schon langsam. Jeder möchte endlich sein normales Leben zurück.“ Man sei in Österreich an einem Punkt gewesen, an dem der Lockdown* an Kraft verloren hat. Daher habe es keinen Sinn gemacht, die Maßnahmen „ins Unermessliche zu verlängern“, so Kurz. Knapp drei Wochen nach den Lockerungen seien die Corona-Infektionszahlen* zwar gestiegen, allerdings nicht explosionsartig sondern im erwarteten Rahmen, bilanzierte der 34-Jährige.

Einen erneuten Lockdown könne man dennoch nicht ausschließen. „Wir erleben, dass diese Pandemie in Wellen verläuft“, erklärte Kurz. Aktuell rolle die dritte Welle auf Österreich und Europa zu. Die entscheidende Frage sei, wie hoch und schnell die Infektionszahlen steigen. „Ich kann nur sagen, ein Lockdown macht dann Sinn, wenn die Menschen mitmachen.“

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärt die Lockerungen des Corona-Lockdowns. (Archivbild)

Corona-Strategien in Österreich und Deutschland „sehr ähnlich“ - Kurz mit Lob für Spahn

Die Strategien im Kampf gegen die Corona-Pandemie* seien in Österreich und Deutschland „sehr ähnlich“, so Kurz. „Wir versuchen mit Lockdowns die Zahlen so weit wie möglich nach unten zu bringen und dann das Infektionsgeschehen ab einer Öffnung so gut wie möglich und so lange wie möglich stabil oder niedrig zu halten.“

Er stehe im ständigen Austausch mit Jens Spahn (CDU). „Er hat natürlich eine extreme Expertise und insofern profitiere ich auch immer sehr davon, mich mit ihm zur Pandemie gemeinsam zu beraten und auszutauschen“, lobte Kurz den deutschen Gesundheitsminister.

Corona in Österreich: Kurz fordert europäischen Impfpass - Rückkehr zur Normalität im Sommer

Zudem sprach sich der österreichische Bundeskanzler im Interview mit Bild Live für einen europäischen Impfpass aus. „Ich setze mich dafür ein, dass wir europaweit einen grünen Pass zusammenbringen, ähnlich wie es einen in Israel gibt. Am besten digital am Handy, wo jeder wieder alle Freiheiten zurück hat, die wir so sehr schätzen“, sagte Kurz.

Er forderte „volle Freiheit“ für Corona-Geimpfte*, aber auch für gerade Genesene und negativ Getestete. Durch einen EU-Impfpass sei eine Rückkehr zur Reisefreiheit in Europa möglich. „Für den Sommer bin ich persönlich sehr optimistisch“, machte Kurz Hoffnung. Die Durchimpfungsrate werde hoch sein. „Wir werden zur Normalität zurückkehren können und ich freue mich schon auf viele Menschen aus Deutschland“, so der Bundeskanzler der Alpenrepublik. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © photonews.at/Georges Schneider via www.imago-images.de

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