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Sind ständige Impf-Updates nötig? Drastischer Anstieg der Fallzahlen im Sommer droht

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Von: Karolin Schäfer

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Die Infektionen mit den Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5 nehmen zu. Der US-Pharmakonzern Moderna bringt einen angepassten Corona-Impfstoff auf den Weg.

Frankfurt – Angesichts der Ausbreitung weiterer Omikron-Sublinien rechnet das Robert Koch-Institut (RKI) mit einem Anstieg der Corona-Infektionen in Deutschland. „Das aktuell stärkste Wachstum zeigt der Anteil der Sublinien BA.4 und BA.5“, schrieb das RKI im wöchentlichen Bericht am Donnerstag (9. Juni). Dementsprechend könnten laut RKI die Corona-Fallzahlen bereits im Sommer steigen.

Saisonale Effekte, die das Virus eigentlich ausbremsen, könnten die Verbreitung dieser Varianten nicht kompensieren, wenn Verhaltensregeln nicht mehr beachtet werden, informierte das RKI. Untersuchungen zufolge verdoppeln sich die Infektionen mit BA.5 und BA.4 von Woche zu Woche.

Corona-Variante: Moderna stellt angepassten Omikron-Impfstoff vor

Dementsprechend gehen Expertinnen und Experten davon aus, dass vor allem die Omikron-Variante BA.5 die bisher vorherrschende Variante BA.2 hierzulande ablösen und das Infektionsgeschehen dominieren könnte. Obwohl bereits ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland geimpft oder genesen ist, stellt sich die Frage, ob die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe überholt sind und stattdessen auf die jeweilige Variante zugeschnitten werden sollten.

Das US-Unternehmen Moderna hat einen angepassten Omikron-Impfstoff entwickelt.
Das US-Unternehmen Moderna hat einen angepassten Omikron-Impfstoff entwickelt. © Jörg Carstensen/dpa

In der vergangenen Woche hat der US-Pharmakonzern Moderna erste Ergebnisse seines neuen Omikron-Impfstoffs mRNA-1273.214 vorgelegt. Dabei testete der Hersteller eine Auffrischungsimpfung, die an die Omikron-Variante BA.1 angepasst wurde. Das Unternehmen erwarte einen „dauerhafteren Schutz gegen besorgniserregende Varianten mit mRNA-1273.214, was ihn zu unserem Hauptkandidaten für eine Auffrischung im Herbst 2022 macht“, sagte CEO Stéphane Bancel in einer Erklärung am Mittwoch (8. Juni). Die Impfstoffversion wurde nach eigenen Angaben gut vertragen, während die Nebenwirkungen mit dem vorherigen Moderna-Impfstoff vergleichbar wären.

Corona-Variante Omikron: „Virus ist schneller als Impfstoffentwicklung“

Wie der Omikron-Impfstoff gegen die Virusvarianten BA.4 oder BA.5 wirkt, ist nicht bekannt. „Natürlich ist das Virus mal wieder schneller als die Impfstoffentwicklung“, erklärte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). Dennoch sei der Unterschied zwischen BA.1 und BA.5 „deutlich kleiner als der Unterschied zwischen dem Originalimpfstoff und BA.5. Daher macht auch ein an BA.1 angepasster Impfstoff noch viel Sinn.“

Bezüglich der neutralisierenden IgG-Antikörper im Blut sei der „angepasste Impfstoff besser als das Original“, bestätigte auch Andreas Radbruch, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin (DRFZ). Dennoch arbeite das Vakzin ähnlich wie der bisherige Moderna-Impfstoff. „Der Schutz vor Infektion wird ähnlich gering und kurzfristig sein“, betonte Radbruch. Der Schutz vor einer schweren Corona-Erkrankung werde aber „weiterhin sehr gut sein, ob er bei dem binären Impfstoff besser sein wird, wird die Zeit zeigen, es wäre aber nicht überraschend, wenn er auch nicht besser wäre.“

Omikron-Variante: Impfung und Infektion bieten besten Schutz

Dennoch liefern die Daten über den angepassten Corona-Impfstoff von Moderna bereits wichtige Informationen. „Die Daten von Moderna zeigen, dass Personen, die die vierte Impfung mit dem bivalenten Impfstoff bekommen haben, mehr neutralisierende Antikörper gegen Omikron im Blut haben als Personen, die die vierte Impfung mit dem herkömmlichen Impfstoff bekommen haben“, sagte Watzl. Eine Impfung mit dem angepassten Omikron-Impfstoff werde zwar den Schutz vor einer Infektion verbessern, dem Immunologen zufolge aber „noch nicht so gut sein wie der Schutz gegenüber einer Infektion mit den früheren Varianten“. Die Kombination aus Impfung und Infektion biete Watzl zufolge langfristig den besten Schutz.

Corona: Sind ständige Impf-Updates nötig?

Das wirft die Frage auf, ob sich bei der Entwicklung der Impfstoffe regelmäßige Anpassungen der Präparate anbieten würden, ähnlich wie bei den Grippeschutz-Impfungen. „Aus meiner Sicht gar nicht“, bezog Radbruch dazu eindeutig Stellung. „Bisher hat es noch keine SARS-CoV-2-Variante geschafft, der Immunität komplett zu entkommen (Immunflucht), der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibt konstant hoch, auch gegen BA.5.“

Carsten Watzl geht davon aus, dass sich gesunde Personen unter 60 „ihre Immunität wahrscheinlich alle paar Jahre mit einer Infektion auffrischen. Wer natürlich gar keinen Kontakt mit dem Virus haben will, kann sich auch jährlich im Herbst impfen lassen und bei hohen Inzidenzen zusätzlich Hygienemaßnahmen et cetera beachten.“ Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie Personen über 60 würde sich aber eine jährliche Auffrischung im Herbst anbieten. „Also genau wie bei der Grippeschutz-Impfung“, erklärte Watzl.

Sebastian Ulbert zufolge, Abteilungsleiter für Impfstoffe und Infektionsmodelle am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig, könne die Frage nach einem ständigen Impf-Update noch nicht beantwortet werden. „Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Dazu muss sich erst herausstellen, inwieweit Varianten-spezifische Impfstoffe einen Vorteil im Pandemiegeschehen bieten“, erklärte der Mediziner. „Außerdem setzt ein System wie das bei Influenza eine gewisse Regelmäßigkeit und zeitliche Begrenzung im Auftreten des Virus voraus. Und das ist bei SARS-CoV-2 noch nicht abzusehen.“ (kas)

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