„Dramatische Entspannung der Situation“

Corona-Pandemie bald vorbei? Diese Szenarien sind in den kommenden Monaten möglich

Vier Corona-Szenarien hält ein Forschungsteam für realistisch. Ein deutscher Immunologe geht aber davon aus, dass die Pandemie im Frühjahr vorbei ist.

Kassel – Wann ist die Corona*-Pandemie endlich vorbei? Eine Frage, die sich in den vergangenen rund anderthalb Jahren wohl beinahe jeder Mensch schon einmal gestellt hat. Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die heißersehnte Antwort nun jedoch tatsächlich gefunden haben. Als möglicher Zeitpunkt steht das Frühjahr 2022 im Raum.

So ist etwa der US-amerikanische Immunologe Anthony Fauci davon überzeugt, dass dann mehr Normalität herrschen werde: „Ich denke, wir können einen gewissen allgemeinen Schutz der Gemeinschaft erreichen“, erklärte Fauci gegenüber dem Nachrichtensender CNN. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die überwiegende Mehrheit der Amerikaner impfen lassen müssten. Dazu sei gesagt, dass in den USA aktuell mit circa 51 Prozent der Bevölkerung etwas weniger Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind als hierzulande.

In der Bundesrepublik geht die Fachwelt davon aus, dass das Virus nicht komplett ausgerottet werden kann, aber mehr und mehr seinen Schrecken verlieren dürfte. Während dabei praktisch feststeht, dass der Erreger weiter zirkulieren und mutieren wird, bleibt die Frage, wie stark sich das Virus künftig verändert. Daher werden vier mögliche Szenarien als realistisch eingeschätzt.

Pandemie-Szenario 1: Neue Corona-Variante ist tödlicher und erfordert Impfbooster

In einem Bericht beschreibt die britische Scientific Advisory Group of Emergencies (SAGE) ein erstes Szenario, in dem sich eine Corona-Variante durchsetzt, die bei einem Großteil der Infizierten häufiger schwere Erkrankungen verursacht. Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten dürften die Impfstoffe jedoch weiterhin vor schweren Verläufen schützen – auch wenn mehr Erkrankte und eine höhere Sterblichkeit ebenso zu erwarten wären.

In einem solchen Fall müssten sogenannte Impfstoffbooster entwickelt und verimpft werden, damit der Impfschutz weiterhin anhält. Weiter wären Maßnahmen wie das Einhalten von Abständen, Maskenpflicht und regelmäßiges Testen unbedingt nötig. Ein möglicher Ausweg wären zudem wirksame Medikamente und Therapien.

Pandemie-Szenario 2: Corona-Impfstoffe verlieren ihre Wirksamkeit gegen neue Varianten

Ein wahres Worst-Case-Szenario würde im Fall eines Antigen-Shifts eintreffen. Dazu müssten zwei verschiedene Viruslinien aufeinandertreffen und ihre genetischen Informationen miteinander austauschen. Auch wenn sich das Virus dadurch nicht zwangsläufig tödlicher entwickeln würde, wären die Impfstoffe allerdings wenig bis gar nicht mehr wirksam. Dann bräuchte es neue Vakzine inklusiver einer neuen Impfkampagnen, was natürlich viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

Pandemie-Szenario 3: Medikamente ersetzen langfristig Corona-Impfstoffe

Doch auch Medikamente könnten in den nächsten Monaten noch besonders wichtig werden. Die spielten in der bisherigen Pandemie zwar eine eher ungeordnete Rolle, allerdings könnten sie umso wichtiger und nötiger werden, falls die Corona-Impfstoffe aufgrund von neu auftretenden Mutationen ihre Wirksamkeit verlieren. Doch auch zur Behandlung von Long-Covid-Symptomen werden verschiedene Medikamente bereits eingesetzt.

Während ein britisches Forscherteam mehrere mögliche Corona-Szenarien für möglich hält, legt sich ein deutscher Immunologe auf einen Zeitraum für das Pandemie-Ende fest: Frühjahr 2022.

Es könnte also sein, dass künftig Medikamente an Stellen genutzt werden, an denen die Vakzine nicht weiterhelfen. Expertinnen und Experten empfehlen Forschungsteams daher, das Entwickeln verschiedener Arzneimittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zu erforschen, sodass in einem Notfall unterschiedliche Optionen zur Verfügung stehen.

Pandemie-Szenario 4: Die Entwicklung zur abgeschwächten Corona-Epidemie

Das optimistischste Szenario, von dem auch der Immunologe Anthony Fauci spricht, geht hingegen davon aus, dass Varianten möglicherweise übertragbarer werden, die Menschen nach einer Infektion allerdings weniger erkranken. Sollten Menschen durch eine überstandene Infektion oder eine Impfung immun dagegen werden, würde sich die Corona-Pandemie also zu einer Epidemie entwickeln.

Da sich eine Epidemie viel besser kontrollieren lässt und SARS-CoV-2 in diesem Szenario nach und nach nur noch milde Symptome auslösen würde, könnten dementsprechend auch auf Maßnahmen wie das Tragen einer Maske verzichtet werden. Laut dem Bericht aus Großbritannien ist dieses Szenario zumindest kurzfristig unwahrscheinlich, langfristig aber sehr wohl möglich. Bis dahin empfehlen die Expertinnen und Experten weiterhin die verstärkte Forschung nach Medikamenten und gegebenenfalls Impfstoffen.

Epidemiologe: Corona-Pandemie ist im Frühjahr 2022 vorbei

Der Epidemiologe Klaus Stöhr ist allerdings davon überzeugt, dass die Corona-Pandemie in Deutschland nach dem Winter vorbei ist*. „Ab dem Frühjahr werden wir eine dramatische Entspannung der Situation erleben“, erklärte Stöhr gegenüber dem Münchner Merkur am Samstag (28.08.2021). Die Pandemie sei dann vorbei, „trotz einiger Infektionen“, so der Epidemiologe, werde wieder „absoluter Normalzustand herrschen“.

Die steigenden Covid-19-Infektionszahlen seien zwar „eine erwartbare Entwicklung“, würden allerdings „kein Grund zur Aufregung“ darstellen. Vor dem Winter dürfte sich laut Stöhr aber noch die Frage stellen, ob man über 60-Jährige noch ein weiteres Mal gegen das Coronavirus impft. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte zuletzt, dass man eine dritte Corona-Impfung langfristig sämtlichen Menschen in Deutschland anbieten wolle. (Nail Akkoyun) *hna.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Imago

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