Infektionszahlen steigen rapide

Corona in Niedersachsen: Massives Hilfspaket für besseren Corona-Schutz an Schulen

Trotz des Lockdowns steigen die Infektionszahlen in Niedersachsen immer weiter. Jetzt will das Land viel Geld in besseren Corona-Schutz an Schulen investieren.

  • Trotz Lockdown steigen auch in Niedersachsen die Infektionszahlen deutlich an.
  • Lehrer- und Elternverbände fordern verschärfte Corona*-Maßnahmen auch in der Schule.
  • Die Landesregierungen sollen bis Ende November Vorschläge zur Verschärfung der Regelungen an Schulen vorlegen.

Update vom Dienstag, 17.11.2020, 16.36 Uhr: Das Land Niedersachsen will 45 Millionen Euro in den Corona-Schutz an Schulen investieren. Das kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) an. Verbände und Gewerkschaften hatten das Festhalten an einem uneingeschränkten Präsenzunterricht kritisiert, dass sich alleine auf ein Konzept des regelmäßigen Lüftens stüzte.

Jetzt sollen in Niedersachsen unter anderem 5000 Hilfskräfte an Schulen eingestellt werden, darunter auch Studenten. Die Hilfskräfte sollen ab Dezember für etwa ein halbes Jahr auf 450-Euro-Basis eingestellt werden. Jede Schule soll mindestens eine Entlastungskraft erhalten. Sie sollen die Lehrkräfte bei der Pausenaufsicht, der Beaufsichtigung von Kleingruppen sowie bei anderen Tätigkeiten abseits des Unterrichts entlasten, sagte Tonne. Lehramtsstudenten sollen auch im Unterricht helfen.

Corona in Niedersachsen: Hilfspaket für Schulen

Für das Einstellen der Hilfskräfte sollen laut NDR 25 Millionen Euro des Hilfspakets zur Verfügung gestellt werden. Für den Infektionsschutz an Schulen in Niedersachsen, zu dem unter anderem Plexiglasschutzwände, Wechselmasken, sowie gegebenenfalls FFP2-Masken für Lehrkräfte und Luftfilter gehören, sollen weitere 20 Millionen Euro investiert werden.

„Die Schulen sind keine Orte der Infektionsverbreitung“, betonte Niedersachsens Kultusminister Tonne. Ein Wechsel zu „Szenario B“, in dem Klassen geteilt in der Schule und im Homeschooling unterrichtet werden, sei nicht das, wovon die Regierung derzeit ausgehe.

Es drohen verschärfte Regeln für Schulen in Niedersachsen - Was jetzt gilt

Erstmeldung vom Montag, 16.11.2020: Göttingen - Bis Mitte November haben sich in Niedersachsen über 55.000 Menschen mit Corona infiziert - Tendenz steigend. Restaurants, Theater und Fitnessstudios sind dicht. Aber die Kinder müssen weiterhin die Schulbank drücken. Der Lockdown Light in Niedersachsen bringt einen großen Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens zum Erliegen. Dagegen geht der Unterricht an der Schule im Vergleich zum ersten Lockdown im April weiter. Doch die Zeichen stehen auf eine baldige Verschärfung der Corona-Maßnahmen an den Schulen.

Auch in Niedersachsen tragen immer mehr Kinder eine Maske im Unterricht. Für besseren Corona-Schutz an Schulen will Niedersachsen viel Geld investieren.

Die Landeschefs und die Bundesregierung waren sich beim Start des Lockdowns im November noch einig. Die Schulen und Kitas sollen so lange möglich offen bleiben – der Unterricht soll weitergehen. Die Gesetzgeber legen den Fokus klar auf die Bildung. Das scheinen sie auch rund zwei Wochen nach dem Start des Lockdowns durchzuziehen.

Corona in Niedersachsen: Keine neuen Beschlüssen für die Regeln an der Schule

Wie vorab angekündigt, berieten am Montag, 16.11.2020, die Landeschefs und die Bundesregierung per Videokonferenz über die Fortdauer des Lockdowns. Auch Pläne für verschärfte Regeln an der Schule sollten dabei ein Thema sein. Ein Punkt soll die Ausweitung der Maskenpflicht an der Schule gewesen sein. Bei zu kleinen Räumen sollten die Klassen geteilt werden. Bislang ist die Teilung der Klassen und die Maskenpflicht im Unterricht nur bei einem Inzidenzwert von über 100 in der jeweiligen Region vorgeschrieben.

Wegen Corona muss in den Schulen auch im Winter während des Unterrichtes regelmäßig das Fenster zum Lüften geöffnet werden. Weitere Regeln könnten bald an den Schulen in Niedersachsen gelten.

Doch nach der Konferenz Ernüchterung. Ein Beschluss für die Regeln an Schulen ist aus dem Programm der Videokonferenz geflogen. In der folgenden Woche sollen die Landesregierungen Vorschläge zum verstärkten Infektionsschutz in den Schulen vorlegen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dürfte diese Entscheidung begrüßen. Er plädierte im Vorfeld für mehr Vorbereitungszeit für neue Corona-Regelungen. „Wir sollten heute die gesamte Bandbreite diskutieren, auch die Vorschläge, die das Bundeskanzleramt offenbar ja schon zu Papier gebracht hat, aber Beschlüsse, glaube ich, sollten dann Teil eines Gesamtkonzepts in einer Woche oder in zehn Tagen sein“, sagte er dem Radiosender NDR Info am 13. November.

Schule in Niedersachsen: Corona-Lockdown zu lasch?

Ideen für drastische neue Corona-Maßnahmen gibt es jeder Menge*. Sowohl auf Bundes- als auch Landesebene mehren sich in der zweiten Hälfte des Novembers die Stimmen, die die derzeitigen Lockdown-Maßnahmen für nicht ausreichend halten. Auf Bundesebene plädierte Gesundheitsexperte Experte Karl Lauterbach (SPD) für eine Fortsetzung des Schulunterrichts: „Aber die Art und Weise, wie die Schulen jetzt betrieben werden, ist nicht sicher genug“

Auf Landesebene nutzte der Elternrat Niedersachsen weitaus deutlichere Worte: „Bisher wird in der Schule der geringstmögliche Gesundheitsschutz angewandt, das ist nicht nachvollziehbar“, sagte die Vorsitzende des Landeselternrats, Cindy-Patricia Heine am 13. November. Sie forderte unter anderem Plexiglaswände in den Schulklassen, damit die Kinder im Unterricht keine störenden Masken mehr tragen müssen. Außerdem sei die Situation im öffentlichen Nahverkehr nicht hinnehmbar. In Bussen und Schulen werde die Abstandsregel nicht eingehalten.

Scharf kritisierte der Elternrat die Aussage von Vertretern von Bund und Ländern, dass Schulen keine Infektionstreiber seien. Auch Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) äußerte diese Einschätzung. „Das ist lediglich eine These ohne irgendeinen Nachweis, wird aber immer wieder als Hinweis und Bestätigung vorgetragen“, antwortet Cindy-Patricia Heine darauf.

Niedersachsen im Corona-Lockdown: Bund und Länder debattieren über Verschärfungen an Schulen

Die Lehrer stimmen in die Kritik der Eltern mit ein. Die Lehrergewerkschaft GEW Niedersachsen forderte den Kultusminister auf, Räume von Kultureinrichtungen für den Schulunterricht freizugeben. Die Anzahl der Schüler im Schulgebeäude solle verringert werden und stattdessen in Festsälen unterrichtet werden, berichtete der NDR. Dringend werde auch mehr Personal benötigt. Viele Lehrer fehlen, weil sie zu Risikogruppen gehören.

Immer mehr Schüler in Nidersachsen mit Corona infiziert

In Niedersachsen gibt es rund 2640 öffentliche Schulen mit rund 848.800 Schülern (Schätzung der Landesregierung von 2019), sowie 68.507 hauptamtliche Lehrer. Mitte November waren in Niedersachsen 14 Schulen aufgrund eines Corona-Ausbruchs geschlossen. Von 330 Schulen wurden Schüler in den Heimunterricht geschickt, wie die Landesregierung Niedersachsen auf Anfrage der HNA bestätigte. Deutschlandweit sind 106 Schulen wegen eines Corona-Ausbruchs geschlossen.

Niedersachsen im Lockdown: Die geltenden Corona-Regeln in der Schule

Kritik an den Corona-Maßnahmen entzündet sich derweil an der Tatsache, dass die Bestimmungen der Gesundheitsbehörden in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich sind. Wer nach einem Corona-Ausbruch an einer Schule in Quarantäne muss, ist teilweise sogar zwischen den Landkreisen unterschiedlich geregelt. Mal müssen nur die direkten Sitznachbarn eines Klassenkameraden in Quarantäne. In anderen Kreisen wird bei einem Corona-Fall die ganze Klasse in Quarantäne geschickt.

Bundesweit gibt es einheitliche Empfehlungen für die Schulen auf denen die Vorschriften aller Bundesländer aufbauen.

  • Regelmäßiges Lüften: Die Landesregierung Niedersachsen betont diese Maßnahme als „entscheidenden Baustein beim Gesundheits- und Infektionsschutz“. Empfohlen wird in Niedersachsen das System „20-5-20“: Etwa in der Hälfte der Unterrichtsstunde (nach rund 20 Minuten) soll 5 Minuten stoßgelüftet werden. Auch zwischen den Unterrichtsstunden und in Pausen werden die Fenster geöffnet. Dazu hat die Landesregierung rund 50.000 Plakate und weitere 50.000 Fensterhänger an Schulen verteilt.
  • Mobile Luftfilteranlagen: Haben Klassenräume keine Fenster oder ausreichende Belüftung, können mobile Luftfilter helfen, Aerosole aus der Luft zu entfernen, so das Bundumweltamt. Doch in Niedersachsen ist dafür kein Geld da. Schon vor dem Lockdown bestätigte ein Sprecher der Kultusministeriums gegenüber der NDR: „Vor diesem Hintergrund stehen zurzeit seitens des Landes keine Finanzmittel für den Kauf von Luftreinigungsmitteln zur Verfügung“.
  • FFP2-Masken: Während Bayern für seine Lehrer die flächendeckende Beschaffung von FFP2-Masken plant, hält sich die Niedersächsische Landesregierung zurück. FFP2 und FFP3-Masken haben eine Ventil und sind nur für den Schutz der Trägerin gedacht. Die Landesregierung bittet Bürger sogar auf das Tragen solcher Masken zu verzichten. Denn die Vorräte sind begrenzt und sie werden von medizinischen Personal in Krankenhäusern dringend gebraucht. Die Lehrergewerkschaft GEW Niedersachsen fordert derweil vehement die Beschaffung der FFP2-Masken für Lehrer.
  • Geteilte Klassen: Nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts werden auch in Niedersachsen die Klassen in Risikogebieten aufgeteilt. In diesem Wechselmodell (genannt Szenario B) werden im Kreis die Klassen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 für 14 Tagen auf mehrere Gruppen für den Präsenz- und Heimunterricht gesplittet. Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts pocht auf diese Maßnahme. „Wir wissen, dass Kinder ab der Pubertät genauso viel Virus ausscheiden können, wie Erwachsene.“ Kulturminister Tonne schließt eine generelle Umstellung des Schulunterrichts auf das Wechselmodell in Niedersachsen in Zukunft nicht aus.

Die Landesregierung Niedersachsen hat auf der Basis der Empfehlungen der Bundesregierung zusätzliche Regelungen aufstellt: Steigt die 7-Tage-Inzidenz in einem Kreis über 50 empfiehlt die Landesregierung das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes im Unterricht. Ausgeschlossen sind Schüler der Grundschulen. Außerdem ist es für Schüler deren Angehörige zu einer Risikogruppe gehören möglich, vom Präsenzunterricht befreit zu werden.

Niedersachsen im Corona-Lockdown: Kein Beschluss für die Schulen

Nach zwei Wochen Corona-Lockdown ist eine Überprüfung der geltenden Maßnahmen geplant. Am 16.11.2020 besprachen die Landeschefs und die Bundesregierung in einer Videokonferenz mögliche Änderungen für die Zukunft. Dabei wurde ein möglicher Beschluss für verschärfte Regelungen in der Schule zunächst auf Eis gelegt.

Doch auch weiterhin stehen die Zeichen auf härtere Maßnahmen. Bis zur Woche vom 23. bis 29. November sollen die Bundesländer Vorschläge unterbreiten, wie Ansteckungsrisiken in der Schule weiter verringert werden können. An Vorschlägen mangelt es nicht.

Niedersachsen im Corona-Lockdown: Vorschläge für die Schule

Nordrhein-Westfalen hat unter anderem Vorgeschlagen, die Weihnachtsferien vorzuziehen. Der Präsenzunterricht soll um zwei Tage früher als üblich, bereits am 18. Dezember beendet werden. Dies soll den Familien genügend Zeit geben, sich für Weihnachten zu isolieren. Auch Baden-Württemberg spielt mit dieser Idee.

Niedersachsen und andere Landesregierungen sehen diesen Vorschlag eher skeptisch. Denn zwischen dem letzten Schultag und Heiligabend liegen auch bei vorgezogenen Ferien lediglich fünf Tage. Die Inkubationszeit für Corona beträgt 7 Tage. Außerdem stünden Eltern in diesem Fall vor einem Betreuungsproblem. (Philipp Zettler und Sarah Neumeyer) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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