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Wenn Corona die Familie zerstört: Selbsthilfegruppe für Angehörige von Leugnern gestartet

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Von: Lukas Zigo

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Coronavirus - Verschwörungsanhänger
Ein Mann geht durch eine Eisenbahnunterführung, an deren Wand „Corona-Lüge“ geschrieben steht. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die Corona-Debatten machen nicht vor Familie und Beziehung halt und können schwere Auswirkungen auf das Zusammenleben haben. Eine Münchner Gruppe will dagegenhalten.

München – Die nun seit zwei Jahren andauernde Corona-Krise hat zu oftmals polarisierten Meinungen, beispielsweise über Maßnahmen oder die Impfung geführt. Vor allem in der Weihnachtszeit sahen sie viele durch Familie und Freunde unterschiedlichen Auffassungen zur aktuellen Situation ausgesetzt. Dies kann zu konstruktiver Diskussion über politische Entscheidungen und Kurse führen – oder das Weihnachtsessen zu einem Kriegsschauplatz voll Unverständnis und Missbilligung werden lassen.

Viele, deren Beziehungen gar unter solchen Diskussionen litten, haben nun erstmals eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Corona-Leugnern, Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern gegründet. Am Donnerstag (03.02.2022) trifft sich die neu gegründete Münchner Selbsthilfegruppe zum ersten Mal.

Corona-Selbsthilfe: Beziehungen gingen an Impfmeinung zugrunde

Die Gruppe wurde von einer 59-jährigen Münchnerin ins Leben gerufen, deren Beziehung wegen der Corona-Pandemie zwischenzeitlich zerbrach. „Mein Partner hatte Angst vor der Impfung, ich hatte Angst vor Corona“, sagte die Gründerin der Gruppe, die für das Interview mit dem evangelischen Pressedienst (epd) anonym bleiben wollte. Irgendwann habe sich ihre Beziehung nur noch um Corona und ihre unterschiedlichen Ansichten zu dem Thema gedreht.

Daraufhin hätten sie sich getrennt, inzwischen seien sie jedoch wieder ein Paar, weil sie sich zusammengesetzt und sich die Corona-Meinungen des anderen angehört hätten, berichtet die Gründerin: „Heute können wir die Argumente des anderen hören, ohne sie gleich in die Tonne zu treten.“

Das heiße nicht, dass sie die Seiten gewechselt habe und etwa die Impfung infrage stelle, betonte sie. Allerdings hätten sie und ihr Partner erkannt: „Wenn ich respektvoll behandelt werden will, dann muss ich mein Gegenüber auch respektvoll behandeln.“ Anderen Betroffenen rate sie daher zum Dialog.

München: Selbsthilfegruppe will „neue Perspektiven eröffnen“

Die „Selbsthilfegruppe für Angehörige von Coronaleugnern, Coronaverharmlosern, Verschwörungsüberzeugten“ im Selbsthilfezentrum München ist eine der ersten ihrer Art in ganz Deutschland. In Erlangen oder in Bochum gibt es bereits ähnliche Gruppen.

Die Resonanz sei groß, so die 59-Jährige: „Ich glaube fest an die kraftspendende Wirkung des Austausches von Gleich betroffenen und wir werden feststellen, dass wir nicht alleine sind, und uns gegenseitig neue Perspektiven eröffnen“, sagte sie in der Selbstbeschreibung ihrer Gruppe. (lz/epd)

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