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„Es gibt Männer, die schlafen nicht mehr mit ihrer geimpften Frau“: Irrer Mythos macht deutschen Arzt sprachlos

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Symbolfoto: Ein Impfskeptiker demonstriert gegen die Corona-Politik.
Symbolfoto: Ein Impfskeptiker demonstriert gegen die Corona-Politik. © IMAGO / BildFunkMV

Es ist weiterhin schwer, einige Menschen von der Impfung zu überzeugen. Ein Arzt erzählte nun, was für fatale Mythen er sich schon anhören musste.

München - Die Impfkampagne gegen das Coronavirus* in Deutschland ist schon über ein Jahr alt. Trotzdem kursieren insbesondere in einigen abseitigen Medien Meldungen und „gefühlte Fakten“, die es teilweise unmöglich machen, Gegner der Vakzine von einer Schutzimpfung* zu überzeugen. Besonders Ärzte, die sich eigentlich auf Fachebene mit Impfskeptikern unterhalten sollten, müssen sich in den Diskussionen vor allem emotionale Argumente anhören.

Die Skepsis ist in großen Teilen auf Ängsten gestützt. Politische Ängste vor einer sogenannten Elite, die das Volk angeblich mit der Impfung kontrollieren und beherrschen will. Gesundheitliche Ängste vor dem eigenen Körper, der die Impfung womöglich nicht vertragen könnte und Ängste vor der Impfung selbst, die angeblich nicht gut genug und lang genug erforscht wurde. Sich gegen die abstrusesten Argumente zu erwehren und gleichzeitig die Ängste der Patienten während der Pandemie* ernst zu nehmen, ist also enorm schwierig.

Coronavirus: Arzt berichtet von abstrusen Geschichten

Dr. Gunther Quinkler aus Köln kann da ein Lied von singen. Der Chef der Fachabteilung für Innere Medizin und Intensivmedizin des St. Agatha Krankenhauses berichtete gegenüber dem Express, wie diese Gespräche ablaufen können. „Das ist sehr frustrierend und ermüdend. Man redet relativ lange, aber man findet keine gemeinsame Ebene“. Es sei auch von Freiheit die Rede, die Menschen würden sich nichts vorschreiben lassen wollen.

Für den Intensivmediziner sei das Thema Impfen aber weniger hochtrabend, sondern eher eine Banalität: So erläutert er, dass die Corona-Impfung lediglich die Produktion eines Eiweißstoffes anregt. Darauf wird allerdings der Mythos entgegnet, es gäbe durch die Impfung eine „Genmutation“. In diesem Zusammenhang berichtet Quinkler von einem Mann, der ihn tatsächlich mal sprachlos machte: „Es gibt Männer, die schlafen nicht mehr mit ihrer geimpften Frau, weil sie nicht dieses ‚Genzeugs‘ in sich hereinkriegen wollen. Das ist ja kranker Unfug. Das sind Storys, da kann man nur mit dem Kopf schütteln, da kann man nichts zu sagen.“ 

Coronavirus: Individuelle Entscheidung über den eigenen Körper

Der Job der Ärzte ist es jedoch, wie Quinkler weiß, die Patienten zu beraten und auf Wunsch zu behandeln. Wer eine Corona-Erkrankung nicht ernst nimmt und glaubt, das sei alles erlogen und eine Behandlung ablehnt, ist am Ende des Tages selbst Schuld.

Trotzdem sei das Ablehnen der Impfung unsolidarisch. „Das ist ungerecht gegenüber der Mehrheit. Aber es entspricht dem Zeitgeist: Ich, ich, ich. Man fragt sich nur, wie viele solcher Menschen die Gesellschaft aushält“, meint der Kölner Chefarzt. Jeder muss seine eigene Entscheidung treffen – es wäre nur hilfreich, wenn man sich im Zuge der Diskussionen auf wissenschaftliche Fakten stützen könnte, als ein Jahr nach Start der Impfkampagne noch auf gefühlte Fakten zu setzen. (ta) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA

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