Studie der Uni Bremen

Corona-Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen besonders hoch

Die Corona-Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen ist besonders hoch, wie eine Studie der Uni Bremen ergab. Foto: Marcel Kusch/dpa
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Die Corona-Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen ist besonders hoch, wie eine Studie der Uni Bremen ergab. Foto: Marcel Kusch/dpa

Covid-19 ist für Menschen in Pflegeheimen besonders gefährlich. Nach einer Studie ist die Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen mehr als 50 Mal höher als im Rest der Bevölkerung. Auch Pflegekräfte haben ein erhöhtes Risiko.

Bremen (dpa) - Pflegebedürftige Menschen sind in Deutschland durch die Corona-Pandemie besonders stark gefährdet.

Nach Hochrechnungen von Forschern der Universität Bremen waren in Deutschland 60 Prozent aller Covid-19-Verstorbenen Menschen, die stationär in Pflegeheimen oder ambulant von Pflegediensten betreut wurden.

Von allen bundesweit mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 Infizierten habe diese Gruppe einen Anteil von 8,5 Prozent, teilte die Universität Bremen am Mittwoch mit. "Pflegeheime sind der wichtigste Ort in Bezug auf Covid-19-Verstorbene, obwohl nur ein Prozent der Bevölkerung in dieser Wohnform lebt", betont Ko-Autor Heinz Rothgang in der Mitteilung. Die Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen sei mehr als 50 Mal so hoch wie im Rest der Bevölkerung.

Für die Studie befragte das Forscherteam online bundesweit 824 Pflegeheime, 701 Pflegedienste und 96 teilstationäre Einrichtungen. Wie repräsentativ die Angaben sind, war zunächst unklar.

Studienleiterin Karin Wolf-Ostermann verwies darauf, dass auch Pflegekräfte ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko haben. Demnach ist der Anteil infizierter Beschäftigter in ambulanten Pflegediensten doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung, in stationären Einrichtungen sogar sechs Mal so hoch. Dass drei Fünftel der Pflegedienste und drei Viertel der Pflegeheime bislang keinen Corona-Fall verzeichnen, spricht aus Sicht der Forscher für erfolgreiche Schutzmaßnahmen.

Da Infektionen in Pflegeeinrichtungen gravierende Folgen haben können, müsse das Einschleppen des Virus konsequent vermieden werden. Der Studie zufolge ist es möglich, eine Ausbreitung in Heimen einzudämmen. Demnach wiesen mehr als die Hälfte der Einrichtungen mit infizierten Mitarbeitern keine infizierten Bewohner aus.

In der Online-Befragung berichtete jeder vierte Pflegedienst und jede sechste stationäre Einrichtung von Engpässen bei Schutzmaterialien. Demnach war es teilweise auch schwer, an Tests zu kommen. "Die Übermittlung der Ergebnisse erfolgt erst nach drei bis vier Tagen – zu spät, um ihr Potenzial als Teil eines wirkungsvollen Schutzkonzeptes voll zu entfalten", bemängelt Wolf-Ostermann. Erforderlich seien Reihentests mit schneller Übermittlung der Ergebnisse.

Um die tägliche Versorgung der Pflegebedürftigen nicht zu gefährden, brauche es mehr Unterstützung für Pflegedienste und Pflegeheime. Nötig seien bundesweite Handlungsempfehlungen, ausreichend Schutz- und Desinfektionsmittel, systematische und regelmäßige Tests von Pflegebedürftigen und Personal, eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte sowie mehr Personal, betont das Team.

Angesichts der Studie bemängelt die Deutsche Stiftung Patientenschutz, Bund und Länder hätten sich zunächst zu stark auf Krankenhäuser fokussiert. "5250 Pflegebedürftige sind im Zusammenhang mit Covid-19 verstorben", erklärt der Vorstand Eugen Brysch in einer Stellungnahme. "Diese Zahl ist zutiefst erschütternd und macht deutlich, wo Corona am heftigsten wütet. Damit werden die internationalen wissenschaftlichen Studien auch für Deutschland bestätigt."

In der ambulanten und stationären Pflege sollten Vorsorge-Testungen vorgenommen werden - sowohl bei den Pflegebedürftige als auch bei den Pflegekräften, betont Brysch. "Es wird Zeit, dass die Pflege endlich von der Politik in den Blick genommen wird."

Mitteilung der Uni Bremen

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