Immunreaktion vs. „starkes Immunsystem“

Drosten zerlegt Immunsystem-These von „Querdenkern“ - und wird deutlich

Seit Beginn der Corona-Pandemie klärt Virologe Christian Drosten auf und warnt vor den Gefahren des Virus. Nun hat er sich zu sogenannten „Querdenkern“ geäußert.

Berlin – Virologe Christian Drosten, Chef der Berliner Charité, hat anstrengende Monate hinter sich. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 klärt er über die Gefährlichkeit des Virus auf. Seine Forschungsgruppe war maßgeblich an der Entwicklung des weltweit ersten Diagnostiktests für Sars-CoV-2 beteiligt.

Und obwohl Drosten zu den „weltweit führenden Experten im Hinblick auf Coronaviren“ (Fachmagazin Science) zählt, ist er insbesondere für sogenannte „Querdenker“ und Impfgegner:innen ein rotes Tuch. Oder vielleicht insbesondere deshalb, schließlich ist er auch auf Twitter aktiv, um die dort vertretenen Nutzer:innen an seiner wissenschaftlichen Expertise teilhaben zu lassen.

Virologe Christian Drosten: Immunsystem kann man nicht mit Corona-Infektion trainieren

So auch am Mittwochabend, als sich Drosten auf der Plattform erstmals seit 23. Dezember zurückmeldete. „Wer glaubt, durch eine Infektion sein Immunsystem zu trainieren, muss konsequenterweise auch glauben, durch ein Steak seine Verdauung zu trainieren“, schrieb er in einem Tweet – und erhielt dafür nicht nur Zuspruch. Tatsächlich hatte Drosten in seinem NDR-Podcast „Corona Update“ im September gesagt: „Ich will eine Impfimmunität haben, und darauf aufsattelnd, will ich dann aber durchaus irgendwann meine erste allgemeine Infektion und die zweite und die dritte haben.“ 

Damit dürfte er gemeint haben, dass anstatt durch mehrere Booster-Impfungen der Impfschutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung auch durch leichte Corona-Infektionen aufrechterhalten werden könnte. Dadurch würde sich aber am Immunsystem nichts ändern, auch wenn die Immunreaktion des Körpers, also die Antwort des Immunsystems auf Antigene, unterschiedlich gut ausfallen könne.

Virologe Christian Drosten steht seit Beginn der Corona-Pandemie im Fokus der Öffentlichkeit. Als Virologe äußert er sich vor allem zur Erforschung von Sars-CoV-2. (Archivfoto)

Corona: Virologe Drosten wundert sich über Missverständnisse und falsche Vorstellungen

„Immunreaktion vs. ‚starkes Immunsystem‘ ist wie Lernen vs. Intelligenz. Ich kann ein Gedicht auswendig lernen, bin dadurch aber nicht intelligenter geworden. Ich kann eine Infektion überstehen, habe dadurch aber nicht ‚mein Immunsystem gestärkt‘“, erklärte Dorsten auf Twitter. Er sei erstaunt, „wie viele Missverständnisse und falsche Vorstellungen über Infektion, Impfung und Immunität bestehen. Mit etwas mehr Wissen könnten sich viele hier ihre Aggressivität sparen und stattdessen für sich selbst bessere Entscheidungen treffen.“

Christian Drosten nimmt auf Twitter viel Aggressionen wahr

Erst kürzlich hatte sich Christian Drosten dahingehend geäußert, dass er auf Twitter viel Aggression wahrnehme. „Humor habe ich mir auf Twitter völlig abgewöhnt, dabei fallen mir ständig lustige Dinge ein, ich könnte da den Alleinunterhalter machen“, hatte der Virologe vor Weihnachten der Süddeutschen Zeitung gesagt. Er poste daher nur Dinge, die er für informativ halte: „Auf die Antworten schaue ich ehrlicherweise nicht mehr, auch wenn bei denen sicher viele positiv sind.“

Nun könnte er seine Meinung geändert haben. Im jüngsten Thread hat Drosten nämlich angekündigt, in den nächsten Tagen auf einige der „nicht deskrutiven, ehrlich gemeinten Einwände“ einzugehen. (ktho)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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