Maßnahmen „brandgefährlich“?

Coronavirus: Experte Kekulé warnt bei „Hart aber fair“ vor „deutschem Ischgl“ - und fürchtet lange Pandemie

Der Pandemie-Experte Alexander Kekulé bezeichnet die Maßnahmen einzelner Bundesländer als „brandgefährlich“ - und hat Gedanken zum Sommerurlaub.

Update vom 19. Mai: In der aktuellen Ausgabe von „hart aber fair“ (ARD) verpasst Virologe Alexander Kekulé all jenen einen herben Dämpfer, die aufgrund der Corona-Lockerungen* nun glauben, es könnte dieses Jahr noch etwas mit einem „normalen“ Sommerurlaub werden. Erst stuft Kekulé die Pandemie so ein: „In einem Jahr ist das noch nicht vorbei!“. Und als Moderator Frank Plasberg fragt, „Wie schnell könnte aus Sylt oder Usedom oder Rügen ein neues Ischgl* werden?“ kommt wie aus der Pistole geschossen: „Das geht leider ganz schnell.“ 

Dazu bräuchte es nur einen Hochansteckenden in einer Gesellschaft, die sich in einem geschlossenen Raum aufhält - wie vermutlich damals in Ischgl. „Der kann es dann schaffen, an einem Tag 50 Weitere zu infizieren“. Doch dann liefert Kekulé einen Lichtblick: „Wir sind auf der anderen Seite auch klüger geworden“, räumt er ein. 

Man wisse nun, dass es ein geringeres Risiko bedeute, in südlicheren Reisezielen Lokale zu besuchen -  „mit einem gewissen Abstand, und die Leute sitzen an der frischen Luft im Warmen abends draußen“, erklärt Kekulé. „Das ist viel ungefährlicher als der kleiner Frühstücksraum einer Pension“. Anders sehe das in geschlossenen Räumen aus. „Es kommt nicht so sehr darauf an, ob das in Deutschland oder in Österreich oder sonstwo ist - sondern was man da macht.“ 

Coronavirus: Virologe Kekulé kritisiert Lockerungen der Bundesländer

Erstmeldung vom 18 Mai:  Berlin - Alexander Kekulé zählt aktuell zu den gefragtesten Talkshow-Gästen. Der Pandemie-Experte ist wie so viele Kollegen in der Corona-Krise in den Fokus gerückt. Sein Wissen ist gefragt - von Fernsehanstalten wie von Politikern.

Doch die aktuellen Lockerungsmaßnahmen in einigen Bundesländer heißt der Virologe keineswegs gut. Vielmehr bezeichnet er sie als „brandgefährlich.“

Coronavirus: Alexander Kekulé kritisiert fehlende Vorbereitung

Dabei hatte Kekulé Mitte März noch selbst für eine vorsichtige Rückkehr in den Alltag plädiert. Allerdings nur unter ausreichender Vorbereitung der Maßnahmen. Die ist aus Sicht des Experten jedoch nicht geschehen. Öffnen und wieder schließen, wenn’s nicht klappt, ist seiner Ansicht nach keine Lösung. Das Konzept könne die lange Zeitspanne bis zur Entwicklung eines Impfstoffes nicht überbrücken. Bereits im Herbst rechnet Kekulé zudem mit einem erneuten Anstieg der Covid-19-Erkrankungen auf der Nordhalbkugel.

Dass bis dahin ein Impfstoff parat stehe, sei utopisch, schreibt der Virologe in einem Gastbeitrag in der „Zeit“. Sogar die Schätzung von 18 Monaten sei optimistisch und nicht gewiss. Ihm zufolge beruhen fünf von sechs Impfstoffkandidaten, die derzeit klinisch getestet werden, auf unbekannten, experimentellen Wirkmechanismen. Dennoch ist sich der Virologe der Tragweite einer Isolierung bewusst. Weshalb er gegenüber dem britischen Telegraph unmissverständlich erklärt, dass Ausharren keine Option sei.

„Wir können nicht auf einen Impfstoff warten und für weitere sechs bis zwölf Monate im Lockdown-Modus leben. Wenn wir das tun würden, würde unsere Gesellschaft und unsere Kultur zerstört“, sagt er.

Coronavirus: Alexander Kekulé erklärt sein Konzept und kämpft für Volkstests

Doch wie sieht eine in den Augen des Virologen gute Lösung aus? Kekulé schlägt diesbezüglich das Prinzip „Smart Distancing“ vor. Risikogruppen werden besonders geschützt. Dies beinhalte auch die sonst im Krankenhaus verwendeten FFP2-Masken. Der Rest der Bevölkerung soll in der Öffentlichkeit auf „Volksmasken“ zurückgreifen. Aufkeimendes Infektionsgeschehen solle konsequent nachverfolgt werden. Schnelltests sollen für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Dafür wirbt Kekulé momentan auch in zahlreichen Talkshows. Seine Auftritte wähle er aber mit Bedacht aus. „Ich nehme nur Einladungen an, wenn es etwas Wichtiges zu sagen gibt. Jetzt gerade kämpfe ich für einen 'Volkstest'“, erklärt er.

Aus Sicht eines anderen Experten könnte das Virus sogar von alleine verschwinden. Er erkennt ein Muster.

In einer ARD-Sendung beantwortet Außenminister Heiko Maas Fragen der User - die letzte wird im Internet zerrissen.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD Mediathek

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