Interview mit erstem Coronavirus-Fall

Er war der Erste: Bayer spricht über das Leben im Krankenhaus: „Habe Kühlschrank voller Corona-Bier“

Im Interview spricht der Coronavirus-Patient über seine Zeit im Münchner Klinikum-Schwabing. (Symbolbild)
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Im Interview spricht der Coronavirus-Patient über seine Zeit im Münchner Klinikum-Schwabing. (Symbolbild)

Der erste Fall des Coronavirus in Deutschland kam aus Stockdorf bei München. Der Mann, der als erster Infizierter gilt, hat jetzt über die Zeit im Krankenhaus gesprochen.

  • Das Coronavirus beherrscht seit Monaten weltweit die Schlagzeilen.
  • Der deutschlandweit erste Fall kam aus dem bayerischen Stockdorf.
  • Jetzt hat der Mann über die Zeit im Krankenhaus gesprochen.

Update vom 4. März, 11.50 Uhr: Gegenüber der Augsburger Allgemeinen hat der deutschlandweit erste Corona-Infizierte jetzt berichtet, wie er die Zeit im Krankenhaus verbracht habe. Demnach habe er von seiner Firma, also Webasto, ein Puzzle mit 1000 Teilen bekommen. 

„Weil ich so viel Zeit hatte, erwies es sich dann aber als gute Idee. Nach zwei Tagen war ich damit fertig“, erzählte er. Während der 18 Tage isoliert im Krankenhaus habe der Patient mit seiner Familie und seinen Arbeitskollegen per Videoschaltung Kontakt gehalten. Sein Freundeskreis gehe indes humorvoll mit der Erkrankung um: „Ich habe jetzt den ganzen Kühlschrank voller Corona-Bier und auch Shirts mit entsprechendem Schriftzug darauf,“ sagte er gegenüber der Zeitung.

Lesen Sie auch: Vor sechs Monaten kam das Coronavirus in Deutschland an. Ein Mitarbeiter der Firma Webasto bei Starnberg infizierte sich mit dem Coronavirus zuerst. Nun macht er eine beunruhigende Aussage.

Er war der erste Infizierte: Bayer spricht über das Coronavirus

Erstmeldung vom 28. Februar 2020

Seit Wochen ist das Coronavirus* weltweit in den Schlagzeilen. Ende Januar 2020 wurde der deutschlandweit erste Infizierte gemeldet - im bayerischen Stockdorf. Er hatte sich bei einer chinesischen Frau in seiner Firma Webasto angesteckt. Sie brachte das Virus nach Bayern und das Thema endgültig in die deutschen Medien. In einem Interview mit dem Radio-Sender Bayern 1 berichtet der Infizierte, der mittlerweile wieder gesund und entlassen ist, über die Zeit von der Diagnose bis zur Entlassung aus dem Schwabinger Krankenhaus*.

Coronavirus: Erster Infizierter in Deutschland spricht über Virus - so geht es ihm heute

Es war Ende Januar diesen Jahres, als die Meldung von Coronavirus-Infizierten in Deutschland für Schlagzeilen sorgte. In der Autozulieferer-Firma Webasto steckte eine Frau* aus China, die zu Besuch in der Firma war, Mitarbeiter an. Der erste Infizierte, der in dem Interview anonym bleibt, erzählt von dem Verlauf der Krankheit. Demnach war er etwa eine Stunde lang mit der Chinesin in einem Meeting und hatte dabei keinerlei Krankheits-Sympthome bei der Frau feststellen können: „Es gab ein kurzes Händeschütteln, aber die Kollegin war auch nicht krank. Also, ich hab nicht gesehen, dass sie irgendwie geschnieft und gehustet hat oder irgendwelche Krankheitserscheinungen hatte. Für mich war sie komplett gesund.“

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Lesen Sie dazu: Sind Corona-Infizierte schon ansteckend, bevor sie selbst etwas merken? Wie schnell man sich das Virus einfangen kann, zeigt eine Studie zu den ersten Fällen bei Webasto in Starnberg - mit ernüchterndem Fazit.

Video: Erste Corona-Infektion in Deutschland - Pressekonferenz im bayerischen Gesundheitsministerium 

Mittlerweile gibt es einen neuen Coronavirus-Fall in Bayern. In Deutschland bereiten sich Menschen in Anbetracht eines Ausbruchs des Virus schon auf Zukunfts-Szenarien vor. Auch in Baden-Württemberg gibt es neue Infizierte - der Ursprung liegt demnach in München*.

Erster Coronavirus-Fall in Deutschland: Bayer erzählt von Verlauf und Symptomen der Krankheit

Weiter erzählt der Mann, dessen Chef bei Markus Lanz im ZDF über die Zeit mit dem Coronavirus gesprochen hat, dass das besagte Meeting am Montag stattgefunden hatte. Erst am darauffolgenden Freitag stellte er dann ein Halskratzen fest, in der Nacht auf Samstag sei dann Fieber dazugekommen. Bedingt durch die Jahreszeit schenkte der Betroffene dem Ganzen jedoch keine besondere Aufmerksamkeit. Erst als er hört, dass die chinesische Frau mit dem Coronavirus, das diese Sympthome aufweist*, infiziert sei, läuten seine Alarmglocken: „Am frühen Morgen habe ich erfahren, dass bei dieser Kollegin, mit der ich Kontakt hatte, tatsächlich der Coronavirus nachgewiesen worden ist. Danach bin ich dann sofort zu meinen Hausarzt gefahren, der mich ans Tropeninstitut weitergeleitet hat.“

Webasto-Mitarbeiter mit Corona infiziert: Mann in Münchner Klinikum eingeliefert worden

Weiter berichtet der Mann gegenüber Bayern1, dass er nach der Information eigenständig mit seinem privaten Pkw in das Münchner Klinikum Schwabing gefahren sei. Dort sei die Diagnose dann gemacht worden. „Mir kam das alles sehr surreal vor. Die Situation hat man sich natürlich nicht ausdenken können. Warum muss ich jetzt der einzige Patient oder die einzige Person in Deutschland sein, die diesen Virus hat? Warum muss ich jetzt der Erste sein, der das hat?“ Für den Mann beginnt somit eine schwierige Zeit in Quarantäne.

Quarantäne wegen Coronavirus: Webasto Mitarbeiter spricht über die Zeit mit der Krankheit

Demnach wurde der Mann in ein Einzelzimmer gebracht, konnte aber nicht über Symptome klagen. Im Gespräch erzählt er, dass es ihm komplett gut ging. Lediglich die Langeweile, das Vermissen seiner Familie und die Monotonie hätten ihm sehr zu schaffen gemacht. „Es war ein sehr, sehr langweiliger Alltag,“ so der Mann. Entgegen diverser TV-Berichte kann der Infizierte nicht bestätigen, dass das medizinische Personal nicht in den Schutzanzügen zu ihm kam, die man in Berichten teilweise zu sehen bekommt: „Natürlich haben sie sich eine richtige Atemschutzmaske aufgezogen und so eine Art Maler-Anzug getragen. Und Handschuhe, mehr aber auch nicht.“

Coronavirus: Webasto-Firmenzentrale in Stockdorf öffnet wieder

Coronavirus in Bayern: Webasto-Mitarbeiter spricht über seine Zeit in Quarantäne

Mittlerweile ist der Mann wieder entlassen worden, darf aber weiterhin nicht in die Firmenzentrale in Stockdorf, da noch sehr strenge Regularien herrschen. Demnach muss das Virus erst vollständig aus seinem Körper weg sein, was zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Fall ist, auch wenn er nicht mehr ansteckend sei. Menschen, die Angst haben sich mit dem Virus anzustecken, rät er: „Ich würde erst mal allen raten, ruhig zu bleiben. Es ist natürlich ein neuer Virus, das ist bekannt. Es ist aber nicht so schlimm wie die Grippe. Also das ist wirklich eine Art Erkältung. Das Schlimme ist, man kann den Virus nachweisen und dann ist man abgestempelt. Das muss man einfach hinnehmen. Wenn man keine Vorerkrankungen hat, dann wird es auch nie schlimm werden.“

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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