Wissenschaftliche Studie

Coronavirus: Grippeimpfung könnte vor erhöhten Covid-19-Zahlen schützen - doch Forscher rätseln

Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Übertragung des Coronavirus durch die Grippe erhöht. Eine Impfung könnte daher dieses Jahr „essentiell“ sein.

  • Aktuell hat Deutschland die Ausbreitung des Coronavirus* trotz steigender Fallzahlen scheinbar im Griff.
  • Das könnte sich mit der kommenden Grippewelle jedoch ändern. Forschungen zur Ansteckungsgefahr* zeigen, dass sich die Corona-Übertragung verdoppeln könnte.
  • Wissenschaftler vermuten, dass eine Impfung gegen Grippe auch vor Covid-19 schützen könnte.

Berlin - Im März erreichte die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt. Auch die entscheidende Corona-Reproduktionszahl* überschritt damit vielerorts einen kritischen Wert. Durch den Einsatz diverser Maßnahmen sanken die Zahlen jedoch gegen Ende des Frühlings. Die Maskenpflicht, zeitweilige Kontaktverbote und allen voran der Lockdown sorgten dafür, dass die Corona-Ampel* wieder auf Grün stand.

Wissenschaftler gehen jetzt jedoch davon aus, dass dies nicht die einzigen Gründe für sinkende Corona-Infektionszahlen ab April und Mai waren. Ein mathematisches Modell des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin (MPI) und des Instituts Pasteur in Paris zeigt, dass möglicherweise auch sinkende Fälle von Grippe-Erkrankungen die Eindämmung des Coronavirus begünstigt haben könnten. Das würde bedeuten, dass mit Einsetzen der Grippesaison, die laut Robert-Koch-Institut* etwa Anfang Oktober beginnt, auch die die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 wieder steigen könnten.

Coronavirus: Übertragungsgefahr von Covid-19 durch Grippe erhöht - Impfung dieses Jahr umso wichtiger

Vor einer zweiten Corona-Welle* warnen Experten und Politiker schon lange. Virologen wie Christian Drosten forderten bereits Maßnahmen gegen eine zweite Welle im Herbst. Sobald es kälter wird, halten sich auch wieder mehr Menschen in Innenräumen auf, wodurch die Infektionsgefahr steigt - so die Annahme. Durch die Grippe könnte sich diese Gefahr laut Studie des MPI sogar noch erhöhen. Die Wissenschaftler gehen sogar von einer Verdopplung der Übertragung des Coronavirus durch die Influenza aus, wie das Institut in einer Pressemitteilung bekannt gibt.

In ihrem Modell verglichen die Forscher die ersten Monate der Corona-Pandemie in vier europäischen Ländern mit unterschiedlich starker Ausbreitung von Covid-19: Italien, Spanien, Norwegen und Belgien. Besonders Spanien wird durch das Coronavirus erschüttert. Aufgrund der täglichen Zahlen von Neuinfektionen besteht in dem Land auf der iberischen Halbinsel Grund zur Sorge. Madrid kündigte daher drastische Maßnahmen an.

Eine Impfung gegen die Grippe könnte laut Wissenschaftlern vor dem Coronavirus schützen.

Berücksichtigt wurden bei der Studie des MPI zum einen Krankheitsparameter wie die Generationszeit - also die Dauer bis ein Erkrankter eine weitere Person ansteckt. Zum anderen bezogen die Forscher auch die staatlichen Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in den jeweiligen Ländern ein. Letzteres wurde anhand des von der Universität Oxford entwickelten Stringenz-Index im Modell abgebildet. Mit Werten von 1 bis 100 stellt dieser die Härte der jeweiligen Maßnahmen dar.

Mithilfe dieser mathematisch „nachgebauten“ Corona-Pandemie, wie sie in der Mitteilung des MPI genannt wird, konnten die Wissenschaftler zeigen, dass sich die Coronavirus-Übertragungsrate durch die Grippe um das 2,5-fache im Durchschnitt erhöht hat. Woran genau dies liegt, dafür haben die Wissenschaftler bislang jedoch keine Erklärung.

Ein Grund könnte sein, dass Grippe-Erkrankte das Coronavirus mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf andere übertragen. Eine andere Möglichkeit: Menschen, die sich mit der Influenza infiziert haben, könnten anfälliger für Covid-19 sein. Zumindest letzteres scheint nach Ansicht der Wissenschaftler durchaus realistisch - erst kürzlich fand man in Laborstudien heraus, dass Grippeviren die Anfälligkeit für Covid-19 beim Menschen erhöht.

Grippeimpfung zum Schutz vor Coronavirus - Influenza erhöht Übertragungsgefahr

Aufgrund ihrer Ergebnisse gehen die Wissenschaftler davon aus, dass eine Grippeimpfung für die kommende Influenza-Saison ab Oktober „essentiell" sein könnten. Derweil wird in deutschen Laboren unter Hochdruck an Tests und einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht*. Mithilfe von letzterem hofft man darauf, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Erste Testpersonen der deutschen Impfstoff-Studie haben den Wirkstoff bereits erhalten.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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