„Unser Leben verlagert sich nach innen“

Corona-Inzidenz in Deutschland steigt am fünften Tag in Folge - Virologe warnt vor dem Winter

Mehr Corona-Tests in Deutschland sind positiv, und das am fünften Tag in Folge.
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Ein Testzentrum in Sachsen: Mehr Corona-Tests in Deutschland sind positiv, und das am fünften Tag in Folge.

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen auch am fünften Tag in Folge. Ein Virologe warnt vor dem Winter und noch höheren Inzidenzen.

München - Die Zahlen steigen weiter: Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland* ist am fünften Tag in Folge angewachsen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen mit 72,7 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 70,8 gelegen, vor einer Woche bei 66,1 (Vormonat: 74,7).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 8682 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.05 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert bei 7612 Ansteckungen gelegen.

17 weitere Menschen sind den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden an Corona verstorben. Vor einer Woche waren es 24 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.373.789 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.147.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 94.618.

Münchner Virologe Keppler: „Unser Leben verlagert sich nach innen“

Dass die Zahlen in den kommenden Monaten noch weiter in die Höhe gehen, glaubt Oliver Keppler, Leiter der Virologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Unser Leben verlagert sich nach innen“, sagte der Wissenschaftler auf Anfrage. Das von manchen Fachleuten befürchtete Zusammentreffen einer vierten Corona-Welle mit einer gleichzeitigen großen Grippewelle hält Keppler aber für unwahrscheinlich.

Oliver Keppler, Leiter der Virologie an der LMU, warnt vor dem Winter: „Unser Leben verlagert sich nach innen“.

Im Münchner Gesundheitsministerium heißt es: „Auch das Wetter hat uns in den vergangenen Wochen im Kampf gegen die Corona-Pandemie geholfen: Es war überwiegend freundlich, und es herrschten oft recht warme Temperaturen.“ Deshalb hätten sich viele Menschen im Freien getroffen, wo die Infektionsgefahr wesentlich geringer sei als in Innenräumen.

Zu einer Verschärfung der Maßnahmen rät Keppler aber nicht: „Grundsätzlich müssen wir in dieser Phase der Pandemie in verschiedenen Bereichen Lockerungen versuchen, um zu sehen, was gut vertretbar ist und wo man noch Hygienemaßnahmen oder Testungen zur Absicherung beibehalten muss.“

Keppler verwies auf die „gute Impfquote - das ist der zentrale Baustein - viele Genesene, eine hochwertige Testinfrastruktur und ja, auch ein gutes Verständnis der Übertragungswege des Virus. Situationsbezogene Schutzmaßnahmen zählen natürlich auch dazu.“ Damit meinen Mediziner etwa den von den meisten Menschen bislang beibehaltenen Verzicht auf das Händeschütteln.

Ein Grund zur Sorglosigkeit solle nach Kepplers Überzeugung nicht bestehen: „Alle Personen, denen die Ständige Impfkommission auch in früheren Jahren die Grippeimpfung empfohlen hat, sollten sich wie zuvor impfen lassen.“ Dazu zählen unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Vorerkrankte und medizinisches Personal. (cg mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Karl Lauterbach (SPD) kritisierte am Donnerstag bei Maybrit Illner, dass die mangelnde Kommunikation über die Datenlage bei der Impfquote Verschwörungstheorien nähre.

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