„Kein anderes menschliches Unterfangen hat jemals...“

Was hat der Corona-Lockdown gebracht? Studie mit überraschendem Ergebnis

Der Lockdown in der Corona-Pandemie war hart, und die Auflagen gelten teils weiterhin. Aber auch mit Wirkung?

  • Die von den Ländern ergriffenen Gegenmaßnahmen gegen das Coronavirus haben viel bewirkt.
  • Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus Großbritannien
  • Forscher äußern allerdings auch Kritik an der Methodik der Untersuchung.
  • Hier die Sars-CoV-2-Fakten*, die Corona-News aus Deutschland sowie die bundesweite Fallzahlenkarte*.

London - Wie lange dauert die Maskenpflicht*? Wann und wo darf man Urlaub machen? Wann öffnen die Kitas komplett? Die Corona-Maßnahmen* verlangen den Menschen weltweit einiges ab. Aber, zu dieser Überzeugung ist nun ein Forscherteam* gekommen, sie haben positive Auswirkungen. Das Ausmaß der Wirkung ist nach den Ergebnissen der Forscher enorm: Der großangelegte Lockdown* habe allein in elf europäischen Ländern bis Anfang Mai womöglich etwa 3,1 Millionen Todesfälle verhindert und eine Kontrolle des Pandemie-Verlaufs ermöglicht. Das berichten Forscher um Seth Flaxman vom Imperial College London in Großbritannien nach der Analyse der Todesfallzahlen im Fachmagazin „Nature“.

Coronavirus-Lockdown: „Kein anderes menschliches Unterfangen hat jemals...“

In einer zweiten Studie berichtet ein Forscherteam, dass die Maßnahmen in den sechs von ihnen betrachteten Ländern bis zum 6. April rund 530 Millionen Infektionen verhindert hätten. Die Wissenschaftler hatten den Infektionsverlauf bis zu diesem Stichtag in China, Südkorea, Italien, Iran, Frankreich und den USA analysiert und stellen ihre Ergebnisse ebenfalls in „Nature“ vor. „Ich denke, kein anderes menschliches Unterfangen hat jemals in so kurzer Zeit so viele Leben gerettet“, sagte Studienleiter Solomon Hsiang von der UC Berkeley (USA).

Experten in Deutschland raten zu einer vorsichtigen Interpretation der Zahlen. „Das ist ein erster Aufschlag, der wichtig auch in der politischen Debatte um künftige Maßnahmen und deren Lockerungen ist“, sagte der Statistiker Gerd Antes von der Universität Freiburg in einer ersten Stellungnahme. „Schaut man sich die Zahlen an, sieht man, dass sie eine enorme Schwankungsbreite haben - das verdeutlicht die Unsicherheiten, die mit solchen Analysen einhergehen.“

Kritik an Corona-Maßnahmen-Studie: Starben Menschen an oder mit Covid-19?

Grundsätzlich sei es vernünftig, zur Analyse des Pandemie-Verlaufs auf die Todeszahlen* zu schauen, da die Infektionsraten zu sehr davon abhängen, wie viel in einem Land getestet wird. Aber die Zahlen der Todesfälle brächten eigene Schwierigkeiten mit sich, zum Beispiel, weil nicht immer klar ist, ob jemand an oder mit Covid-19* gestorben ist.

Die Forscher um Flaxman hatten für ihr Modell die erfassten Covid-19-Todeszahlen der EU-Gesundheitsbehörde ECDC zugrunde gelegt und den Verlauf der Infektionszahlen und der Reproduktionsrate* rückblickend ermittelt. Sie verglichen den Einfluss der Lockdown-Maßnahmen bis zum 4. Mai mit einem Szenario, in dem die Reproduktionszahl seit Beginn der Pandemie unverändert blieb. So ermittelten sie, wie viele Todesfälle ohne Maßnahmen wahrscheinlich vorgekommen wären.

Coronavirus: Was brachte der Lockdown? Zweifel an Studie

Der Ansatz habe einige Schwächen, sagen auch die Forscher. So könnten Todesfälle zu Beginn der Pandemie übersehen worden sein. Zudem gebe es bei der Meldung von Todesfällen Unterschiede zwischen Ländern und im Verlauf der Zeit. Schließlich könne es zu Verzögerungen bei der Meldung von Todesfällen kommen. Die Forscher versuchten dies so gut wie möglich in ihrer Auswertung zu berücksichtigen, etwa indem sie Daten mehrerer Ländern zusammen analysierten.

Zu Beginn der Pandemie habe die Reproduktionszahl im Schnitt aller Länder bei 3,8 gelegen. Zehn Infizierte steckten also im Mittel 38 weitere Menschen an. In allen Ländern sei die Reproduktionszahl infolge der ergriffenen Maßnahmen auf unter 1 gesunken. Das Ergebnis decke sich mit Untersuchungen in einzelnen Ländern.

Die Entwicklungen zum Thema „Coronavirus in Deutschland“ ab dem 31. Mai können Sie hier nachlesen. 

dpa/frs

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Peter Kneffel

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