Ticken die Leute noch ganz richtig?

Der traurige Fall Küblböck: Warum haben die Menschen kein Herz mehr?

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Seitdem er sich 2012 von einer Immobilien-Unternehmerin adoptieren ließ, heißt Daniel Küblböck offiziell Daniel Kaiser-Küblböck.

Es gibt kaum noch Hoffnung, dass der "DSDS"-Star Daniel Küblböck die Kreuzfahrt im Atlantik überlebt hat. Aber wieso machen manche Witze über seinen mutmaßlichen Selbstmord? Ein Kommentar.

Aktualisiert am 11. September: Ganz offensichtlich ist etwas Schreckliches passiert mit Daniel Küblböck, aber sprachlos machen einen auch die Reaktionen auf das Verschwinden des ehemaligen "DSDS"-Stars von einem Kreuzfahrtschiff und seinen mutmaßlichen Tod im Atlantik. Die Suche nach ihm ist mittlerweile eingestellt. Im Internet schreiben Leute weiterhin Sachen wie: "Ein medial toller Abgang. Einfach irgendwo hinhängen kann ja jeder." Und: "Die armen Fische. Klimawandel, Ölpest, Überfischung und jetzt auch noch das. Denen bleibt auch nichts erspart." Und: "Ich dachte, er ertrank bereits 2004 an Gurkenwasser."

Zur Erinnerung: Küblböck (33) hatte sich seinen Platz im öffentlichen Gedächtnis nicht nur durch seinen dritten Platz 2003 in der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" gesichert, sondern auch durch die Tatsache, dass er nicht singen konnte, sowie einen Verkehrsunfall: Einmal war er mit seinem Auto in einen Gurkenlaster gerammt. Und nun, wo er sein Leben vielleicht auf tragische Weise beendet hat, machen komplett empathielose Menschen schlechte Witze über Gurkenwasser.

Dieses Video stammt nicht von hna.de, sondern von der Plattform Glomex.

AfD-Sympathisanten kommentieren Küblböck

Solche Geschmacklosigkeiten passen in eine Gesellschaft, die immer mehr verroht. Als sich der Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke 2009 vor einen Zug warf, sagten viele, dass jetzt alles anders werden müsse. Auch in der Öffentlichkeit solle man behutsamer mit Menschen umgehen. Von den guten Vorsätzen ist nicht viel geblieben. Nationalspieler Ilkay Gündogan wird wegen eines Fotos, das der Mittelfeldspieler längst bereut hat, immer noch von den eigenen Fans ausgebuht. Für die Bundeskanzlerin Angela Merkel werden Galgen gebastelt. Und selbst im Alltag fühlt man sich bisweilen wie unter Tieren. Zuletzt sah man im Kaufhaus zwei Seniorinnen, die aufeinander einprügelten - die eine hatte die andere versehentlich angerempelt.

Manche sagen, das Internet sei an allem schuld. Aber man kann ein Medium nicht dafür verantwortlich machen, dass die Menschen austicken. Eher spricht einiges dafür, dass die Menschen in der vermeintlichen Anonymität ihr wahres Ich zeigen.

Auffällig ist zudem, dass das Verschwinden Küblböcks von vielen AfD-Sympathisanten kommentiert wird. "Wo bleiben denn die Flüchtlingsrettungsschiffe?", fragt einer. Jemand anders fordert weitere Selbstmorde: "Man kann nur hoffen, dass das unter den gutmenschelnden Gratismutkünstlern Schule macht, um von den täglichen Einzelherzversagen abzulenken."

Die AfD ist wie das Internet: Man kann nicht Alexander Gauland dafür verantwortlich machen, dass die Menschen austicken. Aber viele trauen sich jetzt Sachen zu sagen, die man besser nicht einmal denkt.

Es gibt kaum noch Hoffnung, dass Küblböck, der zuletzt über Mobbing an einer Berliner Schauspielschule geklagt hatte, wieder lebend auftaucht. Einer seiner Fans erinnert sich darum an früher: "Ich weiß noch, wie er damals zur ersten DSDS-Staffel komplett lebensbejahend mit seiner Gitarre singend in den Raum getänzelt ist und alle ihn direkt ins Herz schlossen." Wieso haben so viele Menschen kein Herz mehr?

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