Seelsorger spricht über Trauerfeier

Germanwings: Opfer-Identifizierung dauert noch Wochen

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Blumenmeer vor der Schule in Haltern: Nicht nur die unmittelbar Betroffenen trauern um die Opfer der Germanwings-Katastrophe, die gesamte Öffentlichkeit ist bestürzt.

Köln - Während die Trauerfeier für die  Germanwings-Absturz-Opfer vorbereitet wird, arbeiten Experten mit Nachdruck daran, Licht ins Dunkel der Katastrophe zu bringen - doch das wird dauern.

Als Konsequenz aus der Germanwings-Katastrophe hat die Deutsche Flugsicherung eine Art Fernsteuerung von Flugzeugen vorgeschlagen. In Notfällen könnten Flugzeuge demnach vom Boden aus gelenkt und zur Landung gebracht werden. An einem ähnlichen Projekt hatten Experten schon nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gearbeitet. An diesem Freitag soll im Kölner Dom der Opfer des Germanwings-Absturzes gedacht werden, bei dem vor mehr als drei Wochen 150 Menschen ums Leben kamen.

Identifizierung der Opfer dauert an

Die Identifizierung der Opfer wird noch etwa sechs Wochen dauern. Außerdem will die französische Luftfahrt-Untersuchungsbehörde Bea in den kommenden Wochen einen Zwischenbericht mit dem genauen Flugverlauf veröffentlichen. Rund 80 Prozent der Germanwings-Maschine sind bisher geborgen.

Der Airbus war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Der Copilot soll den Kapitän absichtlich aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine zum Absturz gebracht haben. Das hatten erste Auswertungen der Flugschreiber-Daten ergeben.

Flugsicherung diskutiert Notfall-Systeme

Der Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS), Klaus-Dieter Scheurle, sagte am Mittwoch, die Technik zur Steuerung von Flugzeugen vom Boden aus sei bei Drohnen grundsätzlich vorhanden. Er wolle den Vorschlag in der nationalen Task Force zur Flugsicherheit gründlich diskutieren. Mit einer Umsetzung rechne er allerdings frühestens im nächsten Jahrzehnt, sagte Scheurle.

Man könne an die Ergebnisse des früheren EU-Forschungsprojekts „Sofia“ (Safe automatic flight back and landing of aircraft) anknüpfen, erklärte der DFS-Chef. In dem Projekt war im Simulator bis 2009 getestet worden, wie man ein entführtes Flugzeug vom Boden steuern könnte. Einen Testlauf mit einem realen Flugzeug hatte es aber nicht gegeben.

Die Untersuchungsbehörde Bea - Frankreichs Gegenstück zur deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung - arbeitet unterdessen weiter an der Analyse der Flugschreiber. Derzeit würden die Daten des Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers synchronisiert, sagte eine Sprecherin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. In dem geplanten Zwischenbericht wollen die Experten auf Basis der Blackbox-Daten präzise den Ablauf des Fluges schildern.

Die französischen Ermittler hoffen, die nötigen Analysen zur Identifizierung der Opfer bis Ende Mai abzuschließen, wie der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin der dpa sagte. Hinweise auf ein technisches Problem an Bord gebe es bislang nicht: „Gegenwärtig gibt es keinen Beweis für irgendeinen Defekt“, sagte Robin.

In den französischen Alpen haben Einsatzkräfte bereits 34 Tonnen der abgestürzten Maschine geborgen - das sind rund 80 Prozent des gesamten Airbus-Fliegers. Die Wrackteile seien in einer zentralen Halle in Seyne-les-Alpes nahe dem Absturzort gelagert worden, sagte ein Sprecher der Lufthansa in Marseille. Mit Blick auf die aktuell günstigen Witterungsbedingungen rechnet Lufthansa mit einem Abschluss der Bergungsarbeiten innerhalb von zwei bis drei Wochen. Anschließend soll die Unglücksstelle saniert werden, um Umweltschäden zu vermeiden.

Trauergottesdienst am Freitag

Daneben konzentriert sich Lufthansa weiter auf die Unterstützung der Angehörigen. Dabei gehe es um praktische und finanzielle Hilfe sowie Beratungsangebote, sagte Finanzvorstand Simone Menne nach Lufthansa-Angaben.

In Köln wird in einem ökumenischen Trauergottesdienst der Opfer der Katastrophe gedacht. Dazu werden unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Regierungsvertreter aus Frankreich und Spanien erwartet. Der Gottesdienst wird auch auf Großbildleinwände auf dem Bahnhofsvorplatz und in einer benachbarten Kirche übertragen. Geleitet wird der Gottesdienst vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Unter den rund 1400 Gästen im Dom seien voraussichtlich mehr als 500 Hinterbliebene, teilte die nordrhein-westfälische Staatskanzlei mit. Sie werden von Notfallseelsorgern begleitet. „Wir sind da, um bei Bedarf zu stabilisieren, Orientierung zu geben, zu stärken, so dass Menschen Gesprächspartner finden, wenn sie es denn brauchen“, sagte der Leiter der Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, Uwe Rieske, der dpa.

Die Stadt Haltern am See, aus der viele Opfer stammten, bemüht sich derweil um eine langsame Rückkehr zur Normalität. 16 Schüler und 2 Lehrerinnen des örtlichen Gymnasiums waren an Bord des Flugzeugs. Schulleiter Ulrich Wessel mahnte aber auch, die anderen Opfer nicht zu vergessen. „Mir ist es unangenehm, dass unsere Schule immer zuerst genannt wird“, sagte er der dpa.

Germanwings-Absturz: Chronologie der Ereignisse

Dienstag, 24. März: Die in Barcelona gestartete Maschine mit Ziel Düsseldorf stürzt in den französischen Alpen ab. © dpa
144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder sterben, darunter 75 Deutsche. © dpa
An Bord sind auch 16 Schüler und 2 Lehrerinnen aus Haltern (NRW). Nach dem Absturz treten etliche Germanwings-Besatzungen ihren Dienst nicht an. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Mittwoch, 25. März: Frankreichs Präsident François Hollande fliegt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft über den Unglücksort. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Helfer bergen im abgelegenen Tal bei Seyne-les-Alpes erste Opfer. Die Staatsanwaltschaft Marseille ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Donnerstag, 26. März: Die Auswertung des Stimmenrekorders nährt einen ungeheuren Verdacht: © dpa
Laut Staatsanwalt Brice Robin hat Copilot Andreas L. (27) den Airbus wohl mit Absicht in die Katastrophe gesteuert. Der Pilot sei aus dem Cockpit ausgesperrt gewesen. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Angehörige gedenken erstmals nahe der Absturzstelle der Opfer. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Freitag, 27. März: Die Ermittler geben bekannt, dass bei dem Copiloten zu Hause zerrissene Krankschreibungen gefunden wurden, auch für den Absturztag. © 
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Bundespräsident Joachim Gauck kommt zu einem Gedenkgottesdienst in Haltern. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Lufthansa (hier CEO Carsten Spohr) sagt den Hinterbliebenen eine finanzielle Soforthilfe von jeweils bis zu 50 000 Euro zu. © AFP
Viele Airlines führen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein. © dpa
Samstag, 28. März: Germanwings eröffnet in der Nähe der Absturzstelle ein Betreuungszentrum für Angehörige. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Sonntag, 29. März: Berichte, der Copilot habe an starken psychischen Problemen gelitten, lösen eine Debatte über die ärztliche Schweigepflicht aus. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Montag, 30. März: Es wird offiziell bekannt, dass Lubitz Jahre vor dem Absturz als suizidgefährdet eingestuft und in Psychotherapie war.  © Staatsanwaltschaft Düsseldorf
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
In der Düsseldorfer Soko „Alpen“ beschäftigen sich etwa 100 Ermittler mit dem Absturz. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Experten der französischen Gendarmerie stellen sich darauf ein, dass die Identifizierung der Opfer mehrere Monate dauern kann. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Dienstag, 31. März: Ein Versicherungskonsortium hat laut Lufthansa für die Kosten der Katastrophe 278 Millionen Euro zurückgestellt. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Ein Video aus dem Airbus, das Mitarbeitern der Bild“ und der „Paris Match“ eigenen Angaben zufolge vorgelegen habe, soll Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs zeigen. Die Staatsanwaltschaft fordert die Herausgabe des Videos. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
Die Lufthansa gibt bekannt, dass ihre Verkehrsfliegerschule während der Ausbildung des Copiloten von einer früheren Depression wusste. © dpa
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
1. April: Nachdem die Gendarmerie die Bergung von Opfern an der Absturzzone abgeschlossen hat, konzentrieren sich die Experten auf die Suche nach dem zweiten Flugschreiber. © AFP
Absturz Germanwings-Flug 4U9525
In Haltern kommen erneut viele Menschen zu einem öffentlichen Gedenkgottesdienst zusammen. © AFP
Germanwings, Absturz
2. April: Einsatzkräfte finden den zweiten Flugschreiber der in den Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine. © dpa
Germanwings, Absturz
3. April: Die Auswertung der zweiten Blackbox bestätigt den Verdacht: Der Copilot der Germanwings-Maschine hat den Airbus bewusst in den Sinkflug gebracht und dabei beschleunigt, wie die Analyse des Flugdatenscheibers ergab. Dies teilte die französische Untersuchungsbehörde Bea mit. © AFP
Germanwings, Absturz
5. April: Vor dem Absturz wusste das Luftfahrtbundesamt nach eigener Darstellung nichts über Lubitz' medizinische Vorgeschichte. Die Lufthansa weist den Verdacht zurück, Informationen zurückgehalten zu haben. © dpa
Germanwings, Absturz
7. April: Der Deutsche Fliegerarztverband fordert strengere Untersuchungen von Passagierflugzeug-Piloten. © dpa
Germanwings, Absturz
9. April: Eine Frau soll sich als Angehörige eines Absturzopfers ausgegeben haben, um auf Kosten der Fluggesellschaft nach Südfrankreich zu fliegen. Es wird wegen Betrugsverdachts ermittelt. © dpa
Germanwings, Absturz
13. April: Der Weltpilotenverband Ifalpa kritisiert vorschnelle Schlüsse aus den bisherigen Unfall-Untersuchungen. © dpa

dpa

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