Gladbecker Geiselgangster

Degowski soll in drei Jahren freikommen

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Am 18.08.1988 überfielen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner eine Bank und nahmen zwei Geiseln.

Arnsberg - Der Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski kann nach 25 Jahren im Gefängnis jetzt mit Haftlockerungen zur Vorbereitung seiner Entlassung rechnen.

„Die schrittweise Vorbereitung kann durch zunächst begleitete, später unbegleitete Ausgänge und anschließend die Verlegung in den offenen Vollzug mit der Möglichkeit von Hafturlaub erfolgen“, erklärte das Landgericht Arnsberg in einem am Freitag bekanntgemachten Beschluss. Es verwies auf die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters Norbert Leygraf, dass die Vorbereitung auf eine Entlassung etwa drei Jahre dauern werde.

Die Richter legten sich aber nicht auf ein Datum fest. Degowski kann jederzeit einen neuen Entlassungsantrag stellen. Eine sofortige Freilassung komme aber nicht in Frage, „da derzeit davon auszugehen ist, dass von Dieter D. weiterhin eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht.“ Das Gericht fügte in dem Beschluss zu Degowskis Antrag auf Freilassung hinzu, dass der 57-Jährige „bei einer unvorbereiteten Entlassung ins soziale Randmilieu abrutschen könnte, in dem die Gefahr weiterer schwerer Straftaten besteht“.

Michael Skirl, der Leiter der Justizvollzugsanstalt Werl, in der Degowski sitzt, will zunächst abwarten, bis der Beschluss des Landgerichts rechtskräftig ist. „Dann werden wir unverzüglich die Umsetzung der Aufträge des Gerichts einleiten“, sagte er.

So lief das Gladbecker Geiseldrama ab

Gladbecker Geiseldrama
In diesem Gebäude begann das Geiseldrama am 16.08.1988. Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski überfallen gegen 8 Uhr morgens die Filiale der Deutschen Bank und nehmen zwei Geiseln. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Die Gangster fordern 300.000 Mark und einen  Fluchtwagen. Ein lediglich mit einer Unterhose bekleideter Polizist übergibt ihnen das Lösegeld. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Einen Tag nach dem Banküberfall kapern die Entführer einen Linienbus in Bremen. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Bei einem Stopp an der Raststätte Grundbergsee gelingt es der Polizei, Rösners Freundin Marion Löblich zu überwältigen. Degowski erschießt daraufhin den 15-jährigen Emanuele de Giorgi. © dpa
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Mit dem Bus fahren sie über die holländische Grenze, wo es der Polizei gelingt, fast alle Geiseln zu befreien. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Degowski bedroht an der Autobahnraststätte auch die Geisel Silke Bischoff mit seiner Waffe. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
In einem von der Polizei bereitgestellten BMW fahren die Entführer mit den zwei Geiseln Silke Bischoff und Ines Voitle zurück nach Deutschland. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Während der Irrfahrt gibt Rösner dem Reporter Peter Wüst ein Interview. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Silke Bischoff  steht während der gesamten Fahrt unter Todesangst. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
In der Innenstadt von Köln wird das Auto der Entführer von Journalisten und Schaulustigen belagert. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Mit einer Waffe in der Hand fordert der am Steuer des Fluchtfahrzeugs sitzende Hans-Jürgen Rösner die umstehenden Journalisten und Passanten auf, den Weg frei zu machen. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Den Journalisten wird später vorgeworfen, die Arbeit der Polizei gravierend behindert zu haben. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Ein Sondereinsatzkommando der Polizei beendet das Geiseldrama. Die Polizisten rammen das Fluchtfahrzeug auf der A3 bei Bad Honnef. Danach kommt es zu einer wilden Schießerei. Ines Voitle kann sich retten; die 18-jährige Silke Bischoff wird von einer Kugel aus Rösners Pistole tödlich getroffen. Die Geiselnehmer werden überwältigt. © dpa
Gladbecker Geiseldrama
Die Polizei geht bei der Spurensuche gründlich vor. Später werden die Geiselnehmer vom Landgericht Essen zu einer lebenslänglichen Haft verurteilt. Rösner und Degowski sitzen auch heute noch hinter Gittern. Dieter Degowski hat einen Antrag auf vorzeitige Entlassung gestellt. © dpa

„Die Kammer hat keinen genauen Entlassungszeitpunkt vorgegeben“, betonte Landgerichtssprecherin Dorina Henkel. Die Vollzugsbehörden müssten die Entwicklung abwarten. „Nur wenn die Vorbereitung optimal läuft, kann Dieter Degowski tatsächlich mit einer Entlassung auf Bewährung rechnen.“

Degowski hatte vor 25 Jahren mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner eine Bank in Gladbeck überfallen. Bei der anschließenden Flucht durch mehrere Bundesländer erschoss Degowski einen Jugendlichen, eine junge Frau starb durch eine Kugel aus Rösners Waffe. Außerdem starb ein Polizist bei dem Einsatz. Das Landgericht in Essen hatte die beiden Männer 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt. 2001 war zudem festgelegt worden, dass Degowski frühestens 2013 zur Bewährung entlassen werden könnte.

dpa

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