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Deutsche Bahn: Warum es trotz Corona-Risiko keine Reservierungspflicht gibt

Ein Zug der Deutschen Bahn fährt in einen Bahnhof ein.
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Immer wieder beschweren sich Fahrgäste darüber, dass Abstände in den Zügen der Deutschen Bahn nicht eingehalten werden (Symbolbild).

Die Corona-Zahlen steigen wieder an. Und in den Zügen der Deutschen Bahn (DB) zeigt sich ein gewohntes Bild. Abstände werden nicht immer eingehalten.

  • Manch einer forder daher eine Reservierungspflicht für die Reise mit der Deutschen Bahn (DB).
  • Diese lehnt der Konzern allerdings ab.
  • Umstritten ist auch, wie hoch das Corona-Infektionsrisiko in den Zügen tatsächlich ist.

Kassel - Sei es im Feierabendverkehr oder in Fernzügen - dicht an dicht sitzen die Menschen nebeneinander. Und nicht jeden Fahrgast der Deutschen Bahn dürfte das freuen. Zu groß ist die Sorge, an Corona zu erkranken. Außerdem hält sich nicht jeder Reisende an die eigentlich obligatorische Maskenpflicht. Doch woran liegt das tatsächlich, dass bei der DB selten Abstände eingehalten werden?

Aktuell gibt es keine Reservierungspflicht bei der Deutschen Bahn. Diese könnte nämlich gewährleisten, dass der 1,5-Meter-Abstand zwischen den Reisenden automatisch eingehalten wird. Klaus Müller, Bundesvorstand der Verbraucherzentralen fordert deshalb eine solche Pflicht. Allerdings solle diese kostenlos sein.

Deutsche Bahn: Reservierungspflicht, damit Abstände eingehalten werden

„Neben der Maskenpflicht ist Abstand einfach das Beste, was wir zurzeit tun können“, sagte Müller der dpa. In Zeiten von Corona dürften Züge nicht voll gedrängt sein. Die Deutsche Bahn lehnt eine solche Reservierungspflicht allerdings ab. „Unsere Kunden schätzen die Flexibilität“, sagte Vorstandschef Richard Lutz dazu.

Im Wettbewerb mit dem Flugzeug möchte das Unternehmen den Kunden ermöglichen, auch spontan zu buchen.  „Denn das ist der große Vorteil gegenüber dem Flugzeug, diesen Vorteil möchten wir im Sinne der Fahrgäste auch nicht aufgeben, sagte Achim Strauß, Konzernsprecher der Deutschen Bahn.

Damit Abstände eingehalten werden: Reservierungspflicht bei der Deutschen Bahn gefordert

Über das Buchungssystem möchte man vermeiden, dass die Züge zu voll werden. Laut Lutz verteilt das Personal die Gäste in den Zügen, um Abstände zu ermöglichen. Doch das geht nicht jedem weit genug. Christian Jung, Bahnexperte der FDP, fordert hingegen ebenfalls eine Reservierungspflicht. Die Deutsche Bahn hätte genug Zeit gehabt, um ein Hygiene-Konzept für stark ausgelastete Züge zu entwickeln.

Umstritten ist auch, wie hoch das Risiko in den Zügen der Deutschen Bahn tatsächlich ist, an Corona zu erkranken. Die DB selbst hat dazu eine Studie veröffentlicht. Demnach seien Mitarbeiter keinem größeren Risiko ausgesetzt, zu erkranken. Grund dafür sei auch der Luftaustausch durch die Klimaanlage. Nicht untersucht wurde in der Studie allerdings, wie häufig sich Fahrgäste mit dem Virus infizieren.

Deutsche Bahn: Studie aus China belegt, dass geringer Abstand Corona-Infektionsrisiko erhöht

Die Klimaanlagen fallen im Sommer immer wieder aus. Markus Hecht, Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge an der TU Berlin, sagt, dass die mangelnde Zuverlässigkeit der Anlagen ein „riesiges Problem“ sei. Laut einer Studie aus China sei der geringe Abstand hingegen ein Problem, vor allem, je länger die Fahrt dauert.

Das erhöhe das Risiko einer Infektion. „Das ist eine bemerkenswerte Studie, weil sie wirklich groß angelegt und wertvoll ist“, sagt Gérard Krause, Epidemiologe vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Durch die Studie sei der Zusammenhang zwischen dem Abstand der Sitzplätze und dem Corona-Infektionsrisiko in Zügen der Deutschen Bahn belegt. Gerade die Maskenpflicht sei daher notwendig. Doch sie wird nicht immer durchgesetzt. (Von Moritz Serif)

Auch in der Region regt sich Unmut. Reisende aus Kassel beschweren sich über die Deutsche Bahn, weil viele Reisenden die Masken nicht richtig tragen.

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