Morgen ist es wieder soweit

Deutsche im Schoko-Nikolaus-Wahn

Bonn - Die Schoko-Nikoläusin war ein Flop, doch die traditionelle männliche Variante ist hierzulande nach wie vor ein millionenfacher Verkaufsschlager - mit einem klaren Geschmacks-Favoriten.

144 Millionen Schokoladen-Nikoläuse und -Weihnachtsmänner haben in Deutschland in diesem Jahr die Produktionsbänder für das laufende Weihnachtsgeschäft verlassen, wie eine Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ergab. Sie haben jetzt ihren großen Auftritt: An diesem Freitag ist Nikolaus.

Zwei Drittel der süßen Männer bleiben den Angaben zufolge in Deutschland. Das macht rein rechnerisch gut einen Schokoladenmann für jeden Deutschen. Ein Drittel gehe ins Ausland, sogar bis nach Australien, Japan oder Indien.

Der wohl kleinste Schoko-Nikolaus ist ein zehn Gramm-Happen für zwischendurch, der wohl Größte hat ein „All you can eat“-Format von 500 Gramm. Die Größenvielfalt ist nach Angaben des Verbands eine Entwicklung der vergangenen zehn Jahre. Egal wie groß, die Figur aus Vollmilchschokolade bleibt der absolute Favorit. Nur jede Fünfte ist nach Schätzungen eine Zartbitter-Ausführung.

Auch einen weiblichen Nikolaus hat sich die Schokoladenindustrie mal ausgedacht. „Aber der Verbraucher kauft in der Weihnachtszeit traditionelle Produkte“, sagt die Sprecherin der Deutschen Süßwarenindustrie, Solveig Schneider. Der weibliche Schoko-Nikolaus ist gegessen, wohl ein für alle Mal.

Zipfelmütze oder Bischofsmütze? Was Kindern in der Regel völlig egal ist, macht das Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken seit 2002 zum ernsten Thema. Mit der Initiative „Weihnachtsmannfreie Zone“ macht sich das Werk generell für den Heiligen Nikolaus stark. Also für die Bischofsmütze. Der Heilige soll auf keinen Fall mit dem erfundenen Weihnachtsmann verwechselt werden.

Auf zwei vergleichenden Steckbriefen der Initiative schneidet der Weihnachtsmann mit seiner Zipfelmütze relativ schlecht ab: Schnöde Kunstfigur der Werbeindustrie. Die Süßwarenbranche bietet beide Nikolaus-Varianten an und lässt die Käufer entscheiden.

Der Schoko-Nikolaus mit der Bischofsmütze zieht die Verbindung zum Heiligen Nikolaus von Myra (Türkei) (um 280 - um 345). Er gilt als Patron unter anderem der Kinder, Schiffsleute und Feuerwehrleute. Er erinnert daran, an den Nächsten zu denken.

Egal ob Weihnachtsmann oder Nikolaus, in der Produktion sind beide gleich: beides Hohlkörperfiguren - „geschleudert und gedreht“, wie Verbandssprecherin Solveig Schneider erklärt. Die Schokolade wird in einen Hohlkörper gegossen. Durch Drehen und Schleudern überzieht die Schokolade die Wände und wird im laufenden Prozess immer wieder abgekühlt.

Und dann natürlich die unvermeidliche Frage, was denn mit den übrig gebliebenen Nikoläusen ist. Die tauchen im Frühjahr nicht als Schoko-Osterhasen auf. „Das ist ein Märchen“, sagt Schneider. Das wäre auch ein Verstoß gegen das Lebensmittelrecht. Die Übriggebliebenen werden preiswerter verkauft, gehen an Tafeln oder andere caritative Einrichtungen - ganz im Sinne des Heiligen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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