Deutscher klappert Weltstädte im Luftschiff ab

Deutscher fliegt im Luftschiff um die Welt

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Haimo Wendelstein fliegt im Luftschiff um die Welt.

New York. Einst waren Zeppeline weltweit die Botschafter Deutschlands. Heute ist es, wenn auch etwas bescheidener, ein Luftschiff voll heißer Luft, das das „D“ durch die Welt trägt. Haimo Wendelstein klappert in diesem Jahr ein halbes Dutzend Weltstädte ab.

Auf den Flugplätzen der Welt ist Haimo Wendelstein immer der langsamste - und der am meisten fotografierte. Der 55-Jährige aus dem baden-württembergischen Stockach am Bodensee fliegt, pardon: fährt, ein Luftschiff, dessen Füllgas ziemlich langweilig ist: Luft. Wendelstein ist einer der wenigen Luftschiffer auf der Welt, die nur mit heißer Luft ihren Hunderte Kilo schweren Flugapparat in die Lüfte bringen. So ist er derzeit auf dem Erdball unterwegs.

„So ein Luftschiff ist schon etwas Besonderes. Das zieht Menschen auf der ganzen Welt an, egal auf welchem Kontinent“, sagt Wendelstein. Im Mittelpunkt zu stehen liegt ihm nicht, aber wenn beispielsweise in der Dritten Welt Hunderte Menschen zum Landeplatz gelaufen kommen, freut ihn das doch. „Das Luftschiff ist einfach ein sehr sympathisches Fluggerät, nicht so aggressiv wie ein Hubschrauber. Es ist brummt leise vor sich hin, ist majestätisch und langsam und einfach irgendwie freundlich.“

Dieses Image will die Bayer AG, die die Spezialhülle des Luftschiffs hergestellt hat, nutzen. Das Leverkusener Unternehmen schickt Wendelstein derzeit um die Welt, um auf seinen 150. Geburtstag werbewirksam aufmerksam zu machen. „In Sydney und Johannesburg waren wir schon, es kommen noch Tokio, Rio und einige andere“, sagt Wendelstein in New York. „Es ist schon faszinierend, wenn man der Freiheitsstatue aus 30 Metern ins Gesicht schauen kann. Auf Augenhöhe!“

Der Luftschiffkörper ist dreimal so groß wie ein Linienbus, die Gondel darunter kleiner als ein Ford Fiesta. Vier Leute passen rein, die Passagiere hinten haben zwei große Gasflaschen direkt vor sich. „Wenn jemand zaghaft ist, verweise ich immer darauf, dass das hier das sicherste Luftfahrzeug der Welt ist“, sagt der gebürtige Nordrhein-Westfale Wendelstein und klopft auf den Metallrahmen der Gondel. „In einem Luftschiff mit Heißluft ist noch kein Mensch zu Schaden gekommen.“ Fallen Motor oder Brenner aus, sinke das Luftschiff einfach langsam zu Boden. Und selbst ein Quadratmeter großes Loch in der Hülle sei kein Problem, ist sich der 55-Jährige sicher.

Im Grunde funktioniert das Luftschiff wie ein Heißluftballon: Die Hülle wird aufgeblasen, dann wird der Inhalt mit einem Doppelbrenner auf gute 100 Grad Celsius erhitzt. So wird die Luft leichter und trägt die 220 Kilo schwere Hülle empor und nimmt die 270 Kilo schwere Gondel gleich mit. Gerade einmal 40 Kilometer die Stunde schafft das Luftschiff, aber normalerweise tuckert es mit Tempo 20 dahin - bessere Radfahrergeschwindigkeit. „Aber es geht ja auch nicht um Strecke“, sagt Wendelstein genießerisch, „es geht um das Schweben“.

Der Unterschied zum Heißluftballon ist, dass das Luftschiff nicht einfach im Wind treibt. Es fährt selbst und kann gesteuert werden. Weil in der Hülle nur Luft ist, darf es zudem fast überall starten und landen und kann dann in einem Container verpackt werden. Mit dem reisen Wendelstein und seine Helfer nun um die Erde. Dabei ist auch seine Frau; ballonbegeistert, aber ohne Pilotenlizenz.

Und so sorgen sie auf den Flughäfen für Aufsehen. Wendelstein hat wegen seiner Geschwindigkeit Vorfahrt - zumal sein Luftfahrtzeug nun wirklich nicht zu übersehen ist. „Aber immer wieder kommt es vor, dass uns der Tower anfunkt“, sagt er. „Dann sagen die Fluglotsen: „Fahre doch mal eine Runde um uns herum. Wir wollen alle ein Foto machen." (dpa)

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