Corona-Impfungen

Impfplan für Deutschland umstritten: Mehr Menschen in kürzerer Zeit impfen – wie kann das gehen?

Derzeit werden Maßnahmen diskutiert, um das Impfverfahren in Deutschland zu beschleunigen. Doch wie können in kürzerer Zeit mehr Menschen geimpft werden? Und zu welchem Preis?

  • Bislang wurden in Deutschland rund 266.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft.
  • Derzeit wird über weitere Maßnahmen diskutiert, um die Umsetzung des Impfplans in Deutschland zu beschleunigen.
  • Bisher haben sich in Deutschland 1.787.410 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Dem RKI wurden bislang 35.518 Personen gemeldet, die in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind. (Stand 05.01.2020)

Seit knapp eineinhalb Wochen wird auch hierzulande gegen das Coronavirus geimpft. Rund 266.000 Menschen haben laut Robert Koch Institut (RKI) bislang in Deutschland eine Corona-Impfung erhalten. Selbst wenn sich nur die Hälfte der Einwohner in Deutschland impfen lassen wollte, würde es noch einige Zeit dauern, bis alle ihre Impfung erhalten haben. Schließlich benötigt es nicht nur eine Impfung, sondern eine zweite Injektion nach 21 Tagen.

Die Aufschreie werden immer lauter: Es wurden bisher noch zu wenig Menschen geimpft, das ganze Prozedere dauert zu lange. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland tatsächlich nur auf Platz 10, was das Impf-Tempo angeht. Die meisten Impfungen wurden bisher in Israel verzeichnet. 7,44 Dosen pro 100 Menschen wurden dort bereits verabreicht. Doch wie kann dafür gesorgt werden, dass auch in Deutschland in kürzerer Zeit mehr Menschen geimpft werden können?

Warum wurden in Deutschland bisher erst so wenige Menschen geimpft?

Warum das mit dem Impfen so lange dauert, wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Einer davon ist, dass die Pharmakonzerne nun teilweise doch vorerst weniger Impfdosen bereitstellen können als zunächst angekündigt. Biontech hat bereits angegeben, dass sie daran arbeiten, die Produktion der Impfdosen zu maximieren.

Dazu kommt, dass der Corona-Impfstoff bei bis zu minus 80 Grad gelagert werden muss. Das ist umständlich, erfordert besondere Maßnahmen, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Einige Impfdosen sind bereits durch Unachtsamkeit kaputt gegangen. Ende 2020 wurde in Großbritannien ein neuer Impfstoff, welcher in Oxford entwickelt wurde, zugelassen. Der Impfstoff des Pharmakonzern AstraZeneca* könnte in diesem Punkt Abhilfe schaffen, denn er kann bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden. Allerdings hat der britische Impfstoff einen Haken: Er ist im Gegensatz zum Biontech Impfstoff nur zu 70 Prozent wirksam.

Der Impfplan: Die Zulassung von weiteren Corona-Impfstoffen in Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im ZDF-Interview mit Marietta Slomka: „Das Ziel ist tatsächlich, dass wir bis zum Sommer jedem ein Impfangebot in Deutschland machen können“. Das hinge laut Spahn allerdings davon ab, ob und wann Deutschland weitere Impfstoffe zulässt. Bislang ist nur der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer in der EU zugelassen.

Derzeit wird darüber diskutiert, auch den Impfstoff des US-Herstellers Moderna in der EU zuzulassen. Weitere mögliche Impfstoffe für die EU sind der britische Impfstoff AstraZeneca und der Impfstoff des deutschen Herstellers Curevac. „Wenn das gelingt, dann werden wir auch da zügig Lieferungen haben“, sagte Jens Spahn. Deutschland hat sich im Rahmen einer EU-Bestellung bereits vorab rund 56,2 Millionen Dosen des Impfstoffes von Astrazeneca gesichert. Ein Termin, wann die EU-Arzneimittelbehörde EMA weitere Impfstoffe freigibt, ist allerdings noch nicht bekannt. Der Bundesgesundheitsminister erklärte dazu: „Wir sind da grundsätzlich optimistisch, weil die Studiendaten sehr, sehr gut aussehen.“

Wie viele Corona-Impfdosen stehen in Deutschland zur Verfügung?

Laut Bundesgesundheitsministerium sollen bis Ende Januar deutschlandweit etwa vier Millionen Impfdosen des Biontech-Impfstoffs zur Verfügung stehen. Das sind pro Woche etwa 670.000 Impfdosen. Die Lieferungen werden nach ihrem Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt. Für das gesamte erste Quartal wird mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen gerechnet. Für das gesamte Jahr bekommt Deutschland von Biontech über 85 Millionen Impfdosen – das reicht in etwa für die halbe Bevölkerung Deutschlands. 

Umstrittener Impfplan für Deutschland: Ausweitung des Abstands zwischen erster und zweiter Injektion?

Laut Handelsblatt geht aus einem internvorliegenden Papier hervor, dass zu möglichen Maßnahmen zur Beschleunigung der Impfungen in Deutschland derzeit auch eine Ausweitung des Impfabstands zwischen der ersten und der zweiten Impfung in Erwägung gezogen wird. Zudem sollen aus den Impfstoffampullen sechs statt wie bisher fünf Impfdosen gezogen werden.

Die Methode ist bisher umstritten. Großbritannien hat sich bereits für die Verschiebung der zweiten Corona-Impfung entschlossen – der Abstand soll nun statt drei Wochen auf bis zu zwölf Wochen ausgeweitet werden. Laut des Bundesgesundheitsministers sollen derzeit Daten und Studien ausgewertet werden, um genauer erörtern zu können, wie zielführend diese Methode ist.

Der Impfplan in Deutschland: Corona-Impfung in sechs Stufen

In Deutschland wurde ein Impfplan bestehend aus sechs Stufen aufgestellt. Bislang sieht der Impfplan in Deutschland wie folgt aus, momentan befinden wir uns noch in Stufe eins:

  • Stufe 1: Menschen über 80 Jahre, Heimbewohner und Beschäftige im Pflegeheim, Mitarbeiter im Rettungsdienst, in Notaufnahmen, auf Corona-Stationen sowie medizinisches Personal mit Kontakt zu besonders gefährdeten Personen, Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich geimpft werden.
  • Stufe 2: Menschen im Alter von 76 bis 80 Jahren, medizinisches Personal mit erhöhtem Infektionsrisiko wie etwa Zahnärzte und Rettungssanitäter, Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung und deren Betreuungspersonal.
  • Stufe 3: Menschen zwischen 71 und 75 Jahren, Personen mit Vorerkrankungen, deren engste Kontaktpersonen, enge Kontaktpersonen von Schwangeren und Bewohner von Asyl- und Obdachlosenunterkünften, medizinisches Personal, das einem moderaten Risiko ausgesetzt ist (etwa Hautärzte und Orthopäden).
  • Stufe 4: Menschen im Alter von 66 bis 70 Jahren, Personen mit Vorerkrankungen und deren Kontaktpersonen, Lehrer, Erzieher sowie Arbeitnehmer, die in der fleischverarbeitenden Industrie oder in Verteilzentren von Paketdiensten arbeiten.
  • Stufe 5: Menschen im Alter von 60 bis 65 Jahren, Beschäftigte bei der Bundeswehr, der Polizei, bei der Feuerwehr, der Abfallwirtschaft und auch Mitarbeiter im öffentlichen Personennahverkehr. 
  • Stufe 6: Alle anderen, die sich impfen lassen möchten.

„Die Herdenimmunität ist das Ziel, das wir erreichen wollen, Richtung Sommer. Aber es gibt ja Zwischenziele“, bemerkte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Auch wenn nicht sofort alle Menschen geimpft werden können, so kann das Infektionsgeschehen dennoch verringert werden und die Risikogruppen immer besser geschützt werden.

„Wenn wir es schaffen, alle über 75 und 80-Jährigen zu impfen, dann nehmen wir der Pandemie einen großen Teil ihres Schreckens“, erklärte Spahn weiter. Das bedeutet vor allem weniger Corona-Tote. In einer Pressemitteilung sagte Jens Spahn außerdem: „Jeder zweite Todesfall mit oder an Corona in Deutschland ist bei einem über 80-Jährigen.“

Rund um das Coronavirus wird auch weiterhin intensiv geforscht. Denn nicht nur die Entwicklung eines Impfstoffs ist wichtig, auch ein Corona-Medikament könnte einen großen Beitrag im Krampf gegen die Corona-Pandemie leisten. Wissenschaftler aus Tübingen* haben nun einen ersten Durchbruch in der Corona-Forschung erzielt. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Dominik Claus/imago-images.de

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