Kennt keine falsche Bescheidenheit

Comedian Matze Knop zwischen Porsche und Rolex: "Ich habe die dicke Hose an"

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Protzen statt klotzen: Das scheint das neue Motto von Comedian Matze Knop zu sein. Sein neues Bühnenprogramm heißt „Diagnose dicke Hose“. Es handelt vom protzigen Lebensstil zwischen Porsche und Rolex – aber nicht nur.

Im Interview spricht Knop auch über den ernsteren Hintergrund seines Programms, mit dem er am Samstag im Hotel Reiss in Kassel zu sehen ist.

Wir lernen von Kindheit an, dass wir uns in Bescheidenheit üben sollen und jetzt stellen Sie die „Diagnose dicke Hose“. Was soll das denn jetzt? 

Matze Knop: Es geht um falsche Bescheidenheit. Ich fordere: Damit muss Schluss sein! Alle wissen besser, wie man sich verhalten sollte – das finde ich Quatsch. Man muss auf das hören, was einem Herz und Kopf sagen. Das ist der ernstere Hintergrund des Programms. Die Midlife-Crisis fängt im besten Fall im Kindergarten an.

Sie haben wieder die Figur „Supar Richie“ dabei. Das erinnert an Zeiten, in denen Sie neben den Boybands wie den Backstreet Boys und NSYNC auf dem Titel der Bravo waren.... 

Knop: Ja, Richie passt zum Programm wie Arsch auf Eimer. Aber ich vermisse diese Zeit nicht. Ich habe damals gar nicht gewusst, wie groß der Erfolg eigentlich war. Ich war für etwa fünf Jahre ein kleiner Star und konnte es nicht genießen.

Jürgen Klopp und Pep Guardiola sind jetzt Trainer in England. Gehen Ihnen damit zwei Paraderollen verloren? 

Knopp: Bei Guardiola ist es schon so, weil Manchester City nicht der traditionellste Verein ist. Bei Klopp sehe ich das anders: Der war beliebter als Guardiola und Liverpool ist ein absoluter Traditionsverein – so ähnlich wie Borussia Dortmund. Der Klopp bleibt.

Sie haben Klopp auf Englisch parodiert und zusätzliche Fans auf Facebook und Youtube gewonnen. Funktioniert der deutsche Humor doch in England? 

Hier geht es zur Facebook-Seite von Knop

Knop: Beim Fußball ist der Humor allgemeingültig. Da sind die Regeln in England dieselben wie in Deutschland. Es gibt die Pressekonferenzen, die Interviews, die gelbe und die rote Karte. Das funktioniert im Fußball besser, als in anderen Bereichen.

Gibt es im Fußball die besten Typen, oder warum parodieren Sie vorwiegend Sportler? 

Knop: Fußball ist die schönste Nebensache der Welt und mein Ding, seit ich vier Jahre alt bin. Außerdem sind bei vielen Politikern die Verträge kürzer als bei Fußballspielern. Und: Fußball ist heute eine Unterhaltungsbranche. Es geht auch um die Dinge, die neben dem Platz passieren. Was trägt die Spielerfrau? In welche Disko geht der Star? Hat Ronaldo eine neue Unterbuxe. Das macht es spannender.

Falls Sie doch einen Politiker parodieren, dann einen mit dicker Hose – Donald Trump? 

Knop: Unabhängig von den politischen Entscheidungen, ist er vom Habitus hervorragend geeignet. Meine größte Sorge ist, dass er uns Michael Wendler wieder nach Deutschland zurückschickt. Bis jetzt hat er es nicht getan, so schlimm kann er nicht sein.

Also alles ein großer Spaß? 

Knop: Comedy ist auch eine Möglichkeit, um ernste Themen aufzuarbeiten - es hat was sehr Psychologisches.

Wie entscheiden Sie, wen Sie parodieren? 

Knop: Es muss jemand sein, der polarisiert. Jemand mit Ecken und Kanten. Ein Spieler von Bayern oder Dortmund ist eher dran, als einer von Freiburg oder Hessen Kassel.

Sind Sie an einer solchen Person schon mal verzweifelt? 

Knop: Christoph Daum ist mir immer entwischt. Er war in Köln Trainer, ich hatte die Nummer drauf und die Perücke schon fertig, da wechselte er in die Türkei. Dann kam er nach Frankfurt – ich habe die Perücke wieder rausgeholt. Doch dann lief es ganz schlecht, er wurde entlassen und ich packte die Perücke wieder in den Schrank. Ich fände es gut, wenn er Bundesliga- oder Nationaltrainer würde.

Wie lange trainieren Sie für eine Rolle? 

Knop: Zwischen zwei und sechs Wochen. Ich übe die Stimme, dann wird die Perücke gemacht. Wenn jemand wie Felix Magath selbst nicht lustig wirkt, muss ich rausfinden, was ihn lustig macht oder was ich ihm mitgebe, damit er lustig wird.

Haben Sie nach all den Jahren noch Angst vorm Blackout? 

Knop: Ich habe vorm Blackout keine Angst. Hätte ich einen, würde es das Publikum nicht merken, weil im Programm vieles spontan passiert.

Das klingt sehr selbstbewusst. Haben Sie auch öfter mal die dicke Hose an? 

Knop: Auf jeden Fall habe ich auch mal die dicke Hose an! Ich leihe mir zum Beispiel einfach einen Sportwagen und fahre vor. Auch wenn die Leute dann doof gucken und sagen: Jetzt fährt der aus dem Fernsehen auch noch einen Sportwagen.

Also geht es doch ums Materielle... 

Knop: Man könnte auch einfach mal eine Woche nichts machen. Ich nehme mir die Freiheit, die ich brauche - für mich. Das wünsche ich jedem. Es ist das Schönste, einfach mal zu sagen: Scheiß drauf, ich mache heute, worauf ich Lust habe. Egal, was die anderen von mir erwarten. Natürlich, ohne jemanden zu verletzen.

ZUR PERSON: 

MATZE KNOP

Geboren:

Matthias „Matze“ Knop (42 Jahre), wuchs in Lippstadt auf.

Ausbildung: 

Knop hat Journalistik studiert und Hörfunkredakteur hat er auch gelernt.

Karriere:

Berühmt wurde er mit seiner Figur „Supar Richie“. 1998 bekam er eine Goldene Schallplatte für die Single „Suparichie“. Er parodiert unter anderem Trainer aus der Bundesliga. In seinem Programm geht es nicht nur um Fußball: „Die Damen können gerne kommen und gehen zufrieden nach Hause.“ Er arbeitet auch als Moderator.

Privates: 

Über sein Privatleben ist nicht viel bekannt. „Ich mache es wie Franz Beckenbauer: Viel reden, wenig erzählen“, sagt Knop dazu.

Knop mit neuem Programm in Kassel:

„Diagnose dicke Hose“, Matze Knop, Samstag, 28. Januar, Hotel Reiss, Werner-Hilpert-Straße 24, Kassel, HNA-Kartenservice: 0561/203 204.

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