Über 100 Kilo auf der Waage werden teuer

Dicke zahlen für Flug mit Samoa Air drauf

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Cessna 172 statt Airbus: Mit solchen Modellen fliegt Samoa Air.

Apia/S. Bei der Fluglinie Samoa Air werden Fluggäste nun gewogen. Wer über 100 Kilo wiegt, der zahlt in Samoa künftig kräftig drauf beim Fliegen. Denn die Ticketpreise richten sich nach dem Gewicht. Davon will das Unternehmen nicht nur wirtschaftlich profitieren.

Sondern auch die Gesundheit fördern. Schließlich leiden viele Einwohner von Pazifikstaaten unter Übergewicht.

Während in Amerika manche Fluglinien übergewichtige Menschen dazu zwingen, zwei Sitzplätze für sich zu buchen, hat Samoa nun eine neue „Pay as you weigh“-Politik eingeführt. Ein bisher weltweit einzigartiges System. Zahl soviel du wiegst bedeutet, dass der Preis von Flügen bei der samoanischen Fluglinie Samoa Air künftig nach dem Gewicht des Fluggastes und seines Gepäcks berechnet wird.

„Das ist die fairste Art des Reisens“, sagte der Geschäftsführer von Samoa Air, Chris Langton, dem australischen Radiosender ABC Radio. „Es gibt keine zusätzlichen Gebühren für extra Gepäck oder so etwas – es ist einfach nur eine Pro-Kilo-Basis.“

Da Samoa - wie viele andere Inselstaaten im Pazifik - einen hohen Anteil an  übergewichtigen Menschen in seiner Bevölkerung hat, glaubt Langton, dass die neue Strategie des Unternehmens auch die Gesundheit fördern und vor allem mehr Bewusstsein für das Thema Übergewichtigkeit schaffen könnte. „Sobald man in der Pazifikregion ist, ist das Standardgewicht deutlich höher und das ist in einigen Bereichen ein Gesundheitsaspekt“, sagte Langton.  

Die neuen Buchungsbedingungen fragen das Gewicht des Reisenden und seines Gepäckes ab und die Pro-Kilo-Preise variieren je nach der Distanz, die das Flugzeug zwischen den Inseln des Staates zurücklegen muss. Am teuersten ist beispielsweise eine Reise von Samoa bis nach Amerikanisch-Samoa.

Damit Passagiere nicht schwindeln, werden sie am Flughafen noch einmal zusammen mit ihrem Gepäck nachgewogen. Familien mit kleinen Kinden kommen nach dem neuen System billiger weg, übergewichtige Menschen müssen unter Umständen aber deutlich mehr für ihre Reise bezahlen.

Fettleibigkeit auf den Inselstaaten

Korpulenter als der Durchschnitt: Ein Samoaner neben einer deutschen Touristin.

In Samoa und auf anderen Pazifik-Inselstaaten gibt es so viele Fettleibige wie kaum anderswo in der Welt. In Samoa gelten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 60 Prozent der Frauen als schwer übergewichtig, in Mikronesien sind es 75, in Tonga 78 und auf Nauru 80 Prozent. Der Preis für die Fett-Epidemie ist enorm: Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Zucker, Gicht. Weil kaum einer versichert ist, sterben viele Menschen daran. Jeder vierte sei inzwischen zuckerkrank, sagt Gesundheitsminister Tuitama Talalelei.

Das Problem: "Fettleibigkeit vorzubeugten und zu behandeln ist in den Pazifik-Staaten deshalb schwierig, weil die traditionelle Kultur Körperfülle als Zeichen von Reichtum und Macht betrachtet"", hieß es schon vor zehn Jahren in einem WHO-Bericht zum Thema.

"Essen bringt Status. Beim Essen werden soziale Kontakte gepflegt und wirtschaftliche und politische Allianzen geschlossen - Essen hat einen Platz in der Gesellschaft und gibt kulturelle Identität", sagte Jimaima Schultz, Ernährungsspezialistin von den Fidschi-Inseln bei einem Workshop zu Fettleibigkeit in Samoa. "Pazifik-Bewohner denken bei dick an gesund, gut gepflegt, reich, konkurrenzfähig, in westlicher Denke bedeutet dick dagegen niedriger Status, schlechte Ausbildung, Gier, mangelnde Selbstkontrolle."

 "Unsere Gesellschaft hat viele Schichten, je höher man kommt, desto mehr große Dinner gibt es und desto weniger bewegt man sich - dafür hat man dann andere Leute," sagt Nina von Reiche, die sich mit ihrem Fitness-Studio in Apia besonders an Übergewichtige wendet. "Bei allen Festen von Hochzeiten bis zu Beerdigungen geht es nur ums Essen." von Reiche ist Samoanerin, einer ihrer Vorfahren kam während der deutschen Kolonialzeit Anfang vergangenen Jahrhunderts ins Land. "Dick zu sein gilt immer noch als Statussymbol", sagt sie. (yeu/dpa)

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