Interview mit Moderator  Weinert: „Die Hessenschau verbindet das Land“

Damals sah das schick aus: Anfang der 90er bildete Holger Weinert (rechts) mit Uwe Günzler (von links), Barbara Siehl, Lutz Weber und Birgit Kolkmann das „Hessenschau“-Team. Foto: hr

Kassel. Am Sonntag wird die erfolgreichste Sendung des Hessischen Rundfunks 50 Jahre alt. Wir sprachen mit dem Moderator Weinert (59). Als Holger Weinert 1986 seinen ersten Auftritt in der „Hessenschau“ hatte, wurde er pitschnass.

Der Journalist stand auf einem Markt in Büdingen, es regnete, und kurz bevor er auf Sendung ging, entwässerte ein Marktbeschicker seine Plane direkt über ihm. „Das war wie eine Taufe für mich“, sagt Weinert, der seit einem Vierteljahrhundert das Gesicht des 30-minütigen Regionalmagazins ist.

Herr Weinert, Ihre Wettergedichte am Ende der „Hessenschau“ sind legendär. Wissen Sie schon, mit welchem Vers Sie sich in der Jubiläumsausgabe am Sonntag verabschieden?

Holger Weinert: Nein, ich moderiere erst wieder in der nächsten Woche. Ich schreibe die Gedichte auch immer erst nachmittags. Seit zwölf Jahren geht das so. Angefangen habe ich, als unser Redakteur Gerd Bauer sagte, ich solle am Ende mal eine Bauernregel bringen. Zwei Wochen lang habe ich das durchgehalten. Dann habe ich angefangen, Zweizeiler zu schreiben, später Vierzeiler. Nur einmal musste ich darauf verzichten: Die Sendung war so voll, dass keine Zeit mehr blieb.

Als die „Hessenschau“ vor 50 Jahren startete, gab es das Bundesland gerade einmal 15 Jahre. Das neue Magazin sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Hat die „Hessenschau“ für eine hessische Identität gesorgt?

Weinert: Absolut, ihr Beitrag dazu ist nicht zu unterschätzen. Die „Hessenschau“ hat das Land, das am Anfang nicht so recht zusammenpasste, verbunden wie der Hessentag. Das spüren wir, wenn wir unterwegs sind. Egal wo ich hinfahre, überall gucken die Leute. Dieses Jahr haben wir mit 18,2 Prozent Marktanteil den besten Wert seit 1991 erreicht. Ich denke, die Menschen schauen uns nicht nur wegen der Informationen, sondern weil wir ihr Leben begleiten. In unserer Serie „Dolles Dorf“, in der wir aufs Land fahren, zeigen wir nicht nur die Feuerwehr, sondern die Menschen und erzählen, wie sie ihr Leben meistern.

Was machen Sie anders als andere Regionalmagazine wie „buten un binnen“ von Radio Bremen, für das Sie bis 1986 gearbeitet haben?

Weinert: Als ich damals aus Bremen nach Frankfurt kam, fühlte ich mich, als sei ich in die Steinzeit zurückversetzt worden. Während bei „buten un binnen“ schon mit Videobändern gearbeitet wurde, war hier noch alles auf Film. Und die Einspieler bestanden oft ausschließlich aus Pressekonferenzen. Heute sind die Beiträge auch filmisch sehr gut. Und manchmal wagen wir mehr als andere. Einmal haben wir eine Weihnachtsgans gerettet. Im Gedenken aller Gänse, die für unseren Weihnachtsbraten das Leben lassen müssen, holten wir sie ins Studio. Und als Ulrich Zimpelmann die Nachrichten verlas, latschte sie auf einmal hinter ihm durchs Bild. Mittlerweile sind wir wieder nachrichtlicher geworden. Etwas mehr Infotainment wäre mir persönlich sogar lieber.

Nordhessische Zuschauer klagen häufig, der HR schaue zu sehr auf das Rhein-Main-Gebiet. Ist die „Hessenschau“ eine „Südhessenschau“?

Weinert: Nein, der Ballungsraum wird zwar bisweilen als erdrückend empfunden. Gemessen am Bevölkerungsanteil ist Nordhessen jedoch sehr gut repräsentiert. Zudem sollten Sie im Norden keine Komplexe kriegen. Optisch finde ich Nordhessen viel schöner als die südhessische Pampa. Südlich von Frankfurt ist so ziemlich jeder kleine Ort verhunzt. Da sehnt man sich nach Orten wie Wettesingen bei Breuna.

Hessenschau: täglich, 19.30 Uhr, HR. Vom 2. bis 6. Januar gibt es ein Wiedersehen mit ehemaligen Moderatoren und Machern. Am 9. Januar, 21.45 Uhr, moderiert Jörg Bombach im HR „Das große Hessenschau-Quiz“.

Zur Person

Holger Weinert wurde am 29. Oktober 1951 in Berlin geboren. Der Pastorensohn studierte Theologie und Kulturwissenschaften. Nach einem Volontariat arbeitete er für den „Weser-Kurier“ und Radio Bremen. Seit 1986 ist er für den HR tätig („Holgers Waschsalon“). Der 59-Jährige wohnt mit seinem Lebenspartner in Offenbach. (mal)

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