Die Zigarre – ein uraltes Genussmittel erobert die Welt

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Die einzelnen Schichten der Zigarre werden von einem erfahrenen Zigarrenroller in sorgfältiger Handarbeit aufgebaut.

Die Zigarre, eines der ältesten Genussmittel überhaupt, hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie hat die Alte und Neue Welt wirtschaftlich eng verbunden, lange bevor man von Globalisierung sprach. Passionierte Zigarrenraucher sind sich einig, dass sie mit einer bodenständigen „Virginia“ oder gar einer echten „Habana“ Oasen der Ruhe und Entschleunigung in der Hektik des Alltags schaffen – getreu dem Motto „Genuss statt Konsum“.

Der Weg der Zigarre von den Mayas bis zu uns

Die Geschichte der Zigarre reicht bis zu den Mayas und den Azteken zurück. Schon die Ureinwohner Mittelamerikas kannten Tabak als Rauschmittel: Ihre Priester und Häuptlinge rauchten zigarrenähnliche Produkte – wahrscheinlich, um bei religiösen Ritualen mit den Göttern in Kontakt zu treten. Christoph Columbus schließlich lernte als erster Europäer den Tabak auf Kuba kennen. Als im 16. und 17. Jahrhundert neue Kolonien in Nordamerika entstanden, brachten britische Soldaten und Seefahrer die Zigarre aus Kuba mit. Dort wurde der Tabak jedoch erst rund 200 Jahre später in großem Stil angebaut.

Im 19. Jahrhundert verbreitete sich das Rauchen von Zigarren auch in Europa und die Zigarrenherstellung wurde ein wichtiger Industriezweig. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Zigarre ein beliebtes Genussmittel, wurde dann allerdings zunehmend von der Zigarette verdrängt.

Heute konzentriert sich die Tabakproduktion vor allem auf die Länder Mittel- und Südamerikas wie Kuba und Honduras sowie auf Asien mit Indonesien, den Philippinen und der Insel Sumatra, die für ihre besonders hochwertigen Zigarren bekannt sind. In Deutschland werden jährlich etwa 1,2 Milliarden Zigarren und Zigarillos geraucht.

Einlage, Umblatt, Deckblatt – eine Zigarre entsteht

Eine Zigarre ist nicht einfach nur Tabak, sondern besteht aus mehreren Lagen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind und den jeweils typischen Geschmack ausmachen. Die getrockneten und fermentierten Tabakblätter im Inneren der Zigarre, die sogenannte Einlage, werden von einem Umblatt festgehalten. Einlage und Umblatt bilden den Wickel oder die Puppe. Das Deckblatt ist ein besonders hochwertiges und passgenau geschnittenes Tabakblatt, das den Wickel umschließt. Am Deckblatt wird schließlich die Banderole oder Bauchbinde befestigt, auf der die Sorte und Manufaktur verzeichnet sind.

Schon beim Tabakanbau steht fest, wozu welche Pflanzen oder Pflanzenteile bestimmt sind. Zwischen der Ernte des Tabaks und der Auslieferung einer fertigen Zigarre können mehrere Monate bis Jahre liegen. Nach der Trocknung folgt die Fermentation, eine Art Gärungsprozess der Tabakblätter und die Reifung, die sich entscheidend auf den Geschmack des Tabaks auswirkt. Eigens dafür zuständige Sortierer stellen die Zigarren nach Farben zusammen. In einer qualitativ hochwertigen Kiste liegt immer die dunkelste rechts am Rand und die hellste ganz links. Noch viel mehr Detailinformationen liefern Spezialseiten wie zum Beispiel http://www.zigarre.org.

Das Zigarrenrauchen als Ritual für den besonderen Moment

Seit Mitte der 1990er Jahren erlebt die Zigarre weltweit eine Renaissance. Angefangen hat es in den USA, als Rauchen in der Öffentlichkeit per Gesetz verboten wurde. Zigarrenliebhaber suchten einen Ausweg und mieteten exklusive Lokale, wo sie sich demonstrativ dem Rauchen hingaben. Zigarren kamen wieder in Mode und wurden zum Kult. In Raucherclubs, speziellen Bars und gehobenen Restaurants frönen die Aficionados, wie die Zigarrenliebhaber genannt werden, mittlerweile auch bei uns ihrer Leidenschaft.

Das Rauchen wird oft wie ein Ritual zelebriert, wobei der Genuss im Vordergrund steht. Der Zigarrenraucher nimmt sich Zeit und „pafft“ eine Zigarre oft über Stunden hinweg. Zunächst wird ein Loch in das Kopfende der Zigarre geschnitten, durch das der Rauch in den Mund ziehen kann. Dies ist vor allem bei den hochwertigen handgemachten Zigarren nötig. Auch das Anzünden erfolgt nicht einfach mit dem Feuerzeug, sondern an einem glimmenden Holzspan durch langsames Drehen der Zigarre. Erst wenn sich ein leichter Aschering gebildet hat, kann der Rauchvorgang beginnen. Die Zigarre wird dann nur bis zum letzten Drittel geraucht, das als Filter dient. Sie wird auch nicht ausgedrückt, sondern man legt sie an den Rand des Aschenbechers und lässt sie von selbst ausgehen.

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