Von nützlichen Maggiflaschen und unbequemen Taschen

Wir trauern um Butlers: Diese Produkte haben unser Leben bereichert - oder auch nicht

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Ungewisse Zukunft für die 94 Butlers-Filialen - auch in Kassel und Göttingen: Die Einrichtungskette hat Insolvenz angemeldet. 

Die Einrichtungskette Butlers hat Insolvenz angemeldet. Wir erinnern uns an unsere Einkäufe - von hilfreich bis unnütz.

Butlers ist pleite. Die Einrichtungskette hat einen Insolvenzantrag gestellt. Ziel des Schrittes ist aber die Erhaltung des Unternehmens. Zunächst bleiben auch der Online-Shop und die 94 Filialen geöffnet. Fast jeder ist wohl bereits in einen der vielen Einrichtungsläden gelaufen und hat etwas gekauft. Wir erinnern uns an unsere Lieblingsstücke und fast vergessene Fehlkäufe.

Die Tassen als Wand-Deko:

Rebekka Knoll, 28, Online-Redakteurin: Bisher habe ich Tassen geschenkt bekommen, auf Weihnachtsmärkten mitgenommen oder aus alten WG-Beständen geerbt. Bisher waren die meisten meiner Tassen also relativ hässlich. Bis ich ein einziges Mal bei Butlers war und mir dort vier Tassen kaufte: Zwei sind mit roten, zwei mit grünen Blumen bedruckt – sie sind bunt und passen auch noch gut zusammen. Davon war ich sofort so begeistert, dass ich sie an die Küchenwand gehängt hab. Man könnte sie auch sehr gut zum Kaffeetrinken benutzen. Damit meine Wand nicht so leer aussieht, trinke ich aber lieber weiter aus meinem alten Tassenbestand.

Die kuschelige Picknick-Decke:

Kathrin Müller, 40, Producerin: Butlers - eigentlich war das nie so der Laden für mich. Ich bin nicht der Typ, der gerne stöbert. Aber etwas habe ich dann doch mal dort gekauft: eine große, bunte, wunderschöne Picknickdecke. Ich war gerade das erste Mal Mama geworden, der Sommer nahte, und diese Decke war einfach perfekt für Ausflüge mit der Kleinen ins Grüne. Sie war nicht so dünn wie normale Picknickdecken, sondern richtig kuschelig-dick und unten drunter beschichtet, sodass keine Feuchtigkeit durchkam. Meine Tochter und der gleich alte Sohn meiner Freundin haben diese Decke geliebt. Wir hatten sie immer dabei, sie steht für viele schöne Erlebnisse und Erinnerungen aus der Babyzeit. Leider habe ich sie irgendwann sehr lange draußen liegen gelassen. Sie schimmelte. Eine ähnlich gute Decke hab ich nicht wieder gefunden.

Kuschelig und perfekt für Ausflüge: die Lieblingsdecke von Kathrin Müller

Die klitzekleine Maggiwürze:

Sina Beutner, 31, Online-Redakteurin: Schon mein Opa wusste: Zu Nudeln gehört Maggi. Gemeint ist Maggiwürze, die braune Brühe aus der Flasche, der flüssige Geschmacksverstärker in Reinform. Das ist überhaupt nicht gesund, aber sehr lecker. Doch leider sehen das die meisten Restaurants, Kantinen und Mensen anders als mein Opa - fast nirgendwo steht Maggi zum Nachwürzen auf dem Tisch. Die Rettung für jedes trockene Nudelgericht war zumindest während meines Studiums eine Minimaggiflasche im Handtaschenformat – gekauft im Göttinger Butlers. Ein köstlicher Tropfen Kindheit und die Rettung für jedes vegane Biogericht in der Göttinger Mensa. Außerdem ist die klitzekleine Flasche, die genau so aussieht wie eine große, einfach zuckersüß. Da ich es salzig aber einfach noch lieber mag: Bei Butlers gibt’s auch Minisalzstreuer!

Gibt's in groß, bei Butlers aber auch in klitzeklein: Maggiwürze.

Die hässliche Kaffeedose:

Michael Jochimsen, 26, Online-Redakteur: Als leidenschaftlicher Kaffeetrinker muss ich mein Lebenselixier auch in Pulverform gut verstauen. Da ich in meiner Studentenzeit dringend eine (günstige) Dose brauchte, kaufte ich mir eine bei Butlers, ohne sonderlich auf den Stil zu achten - und bin seitdem stolzer Besitzer einer Kaffeedose, welche eine der größten Design-Sünden von Cafés aus aller Welt übernimmt: das Wort "Kaffee" in verschiedenen Sprachen. Als ob sich das deutsche Wort "Kaffee" so sehr etwa vom französischen "café" unterscheiden würde. Mittlerweile wird der Nutzer der Dose übrigens in den verschiedensten Sprachen dieser Welt hinters Licht geführt. Denn den Kaffee verstaue ich schon länger woanders, die Butlers-Dose beherbergt nun Zucker - Pardon, ich meine "sucre".

Die Tasse mit dem Snoopy-Spirit:

Bettina Fraschke, 48, Kultur-Redakteurin: Das Charles M. Schulz-Museum im kalifornischen Santa Rosa ist eine sehr zurückhaltende, äußerst ernste Institution. Sie betreut den Nachlass des begnadeten Zeichners (1922-2000), der mit Charakteren wie Charlie Brown, Lucy und Snoopy mehrere Generationen Cartoon-Fans verzauberte. Und sie versteht - bei allem Humor und aller Menschlichkeit der Figuren, keinen Spaß, wenn es um Plagiate geht. Wenn also Peanuts-Abbildungen irgendwo drauf dürfen - wir sprechen jetzt nicht von Fakes aus Fernost - dann ist gewährleistet, dass alles ganz nah am Original ist. Butlers hat Peanuts-Produkte im Sortiment - was eine Auszeichnung für den Einrichter ist. Meine Teetasse mit dem berühmtesten Beagle der Popkulturgeschichte ist mir deshalb kostbar. Snoopys runde Schnauze, seine Knopfaugen: Schulz’ Zeichenstrich entfaltet, wie stets in größter Einfachheit und Reduktion, seinen bezwingenden Charme. Das gelingt selbst auf dem weißen Porzellan, in völlig artfremdem Zusammenhang. Die einfache schwarze Linie ist eine exakte Kopie seines Bleistiftstrichs, mit unterschiedlich dick aufgetragenem Farbverlauf. Der Spirit "Sparkys", wie bis heute sein Spitzname lautet, lebt selbst auf einem Alltgsprodukt für wenige Euro. Und das Ergebnis ist so herzerwärmend, dass man dem Tag gleich positiver ins Auge sieht.

Der nutzlose Knauf:

Dorothea Backovic, 35, Online-Redakteurin: Der Kauf: Ein runder Schubladen-Knauf. Vermutlich aus Steingut. Vermeintlich war er aus Porzellan. Der Knauf landete in der Einkaufstüte, da ich damals die Ambition hatte, eine bestimmte Schublade im Arbeitszimmer viel schöner zu machen. Das schnöde Weiß des alten Knaufs am Schränkchen sollte einem Königsblau in Schnörkeln weichen. Viele Monate war die Motivation da, das ursprünglich unauffällige Möbelstück zum Unikat zu machen. Doch dazu hätte es Muskelkraft gebraucht - denn der ursprüngliche Knauf saß bombenfest. Keine Chance. Die einst so starke Motivation wurde durch einen sehr schwachen Bizeps in die Flucht geschlagen. Heute liegt der Knauf in der Schublade, die er eigentlich von außen zieren sollte.

Die unbequeme Tasche:

Marie Klement, 32, Online-Redakteurin: Für gefaltete Kleidungsstücke sollte die Reisetasche in Leder-Optik (tatsächlich aus PVC) mit verstärktem Boden und Innenfutter aus Stoff ideal sein. Und zwar "für aktive Männer wie für unternehmungslustige Frauen" (soso). Weniger ideal war allerdings der Trage-Komfort. Der Gurt schnitt ein, die Henkel lagen unbequem in der Hand. Häufiges Absetzen oder Schulternwechseln gehörte also dazu. Das Versprechen ("So sind Ihrer Reiselust keine Grenzen gesetzt") wurde also nur teilweise eingehalten. Trotzdem hat mich die Tasche eine ganze Zeit lang begleitet - bis sie schließlich gegen eine praktischere getauscht wurde. Mit Rollen.

Und so reagiert das Netz auf die Butlers-Pleite:

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