Trotz harten Urteils: Akte Diren noch nicht geschlossen

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Tatort Missoula: Der Hamburger Austauschschüler Diren war in diese Garage eingedrungen und dort vom Besitzer erschossen worden. Foto: Chris Melzer/Archiv

Hamburg/Missoula (dpa) - Verwandte und Freunde des in den USA getöteten Hamburger Austauschschülers Diren D. haben mit gemischten Gefühlen auf die hohe Strafe für den Täter reagiert. Das Gericht in Missoula im US-Bundesstaat Montana hatte Markus K. zu 70 Jahren Haft verurteilt.

Frühestens 2035 kann er einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. Markus K. hatte Diren im April 2014 erschossen, nachdem dieser nachts in seine Garage eingedrungen war.

Geschlossen ist die Akte Diren D. damit noch lange nicht. Die Verteidigung kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen. Und auch Direns Familie gibt sich damit nicht zufrieden. Sie strebt einen zusätzlichen Zivilprozess um Schadensersatz an, wie ihr dafür engagierter Rechtsvertreter David Paoli der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Klage sei bereits eingereicht.

In Hamburg reagierte Direns Familie mit Erleichterung. "Meine Mama hat geweint", sagte Direns Schwester Basak. Bei der Familie in Hamburg waren während der Verkündung des Strafmaßes an die hundert Verwandte und Freunde. "Wir hatten eine Gebetsrunde für Diren und für einen Onkel, der vor einem Jahr gestorben ist."

Im Internet habe sie einen Livestream gefunden. "Als die 70 Jahre verkündet wurden, haben sich viele gefreut", sagte Basak. "Aber irgendwie waren es doch gemischte Gefühle. Wichtig ist, dass der Mann im Gefängnis ist und keine anderen Menschen gefährden kann", setzte Basak hinzu. "Der ist doch nicht normal im Kopf."

Direns Freund und Mannschaftskamerad beim Fußball-Club SC Teutonia von 1910, Deniz Ercin, sagte, das Strafmaß sei in Ordnung. "Eigentlich war es mir aber egal. "Wichtig war, dass der Schütze verurteilt worden ist", ergänzte der 17-Jährige. "Wir denken immer noch oft an Diren, in der Schule und in der Mannschaft."

Der Leiter von Direns Schule in Hamburg-Altona, Ulf Nebe, sagte, viele Schüler hätten befürchtet, dass die in Montana geltende "Castle Doctrine" den Täter schützen würde. Die Regel erlaube zum Schutz des eigenen Hauses auch tödliche Gewalt. "Jetzt sind wir erleichtert", sagte Nebe nach einem Treffen mit Schülern aus Direns Jahrgang.

"Bei manchen Schülern war durchaus Genugtuung zu spüren." Der Täter habe zwar das Leben Direns zerstört, aber eben auch sein eigenes, beschrieb Nebe die Meinung der Schüler. Inzwischen habe sich auch die Angst einiger Eltern gelegt, ihr Kind ins Ausland zu schicken. "Es war ein tragischer Einzelfall", sagte der Pädagoge.

Die Geschworenen in dem Prozess kamen zu dem Schluss, Markus K. habe Diren in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet. Hintergrund seien vorangegangene Einbrüche ins Haus der Familie gewesen. Die Verteidigung plädierte auf Notwehr. Richter Ed McLean widersprach jetzt dieser Darstellung: "Sie haben nicht ihr Zuhause beschützt, Sie waren auf der Jagd."

Der Hamburger Anwalt der Familie, Andreas Thiel sagte: "Für die Familie war immer das Wichtigste, dass der Täter verurteilt wird. Sie wissen, dass keine Strafe hoch genug ist, um Diren zurückzubringen."

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