Kannibale Jan O. jammert vor Gericht 

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Jan O. im Gerichtssaal.

Göttingen - Der mutmaßliche Mörder zweier Jugendlicher im niedersächsischen Bodenfelde sieht sich selbst als Opfer. Sein bisheriges Leben habe er in seiner Aussage am Dienstag oft als “Katastrophe“ bezeichnet.

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Das sagte der Nebenkläger-Anwalt Carsten Ernst nach der nicht-öffentlichen Vernehmung des 26-Jährigen vor dem Landgericht Göttingen. Vieles, was Jan O. vor Gericht geschildert habe, sei bereits bekannt gewesen. “Aber je mehr Details preisgegeben werden, desto mehr rundet sich das Bild ab, von jemandem, der schwer gestört ist“, sagte Ernst. Der Angeklagte hat in einem schriftlichen Geständnis bereits gestanden, im November vergangenen Jahres in Bodenfelde die 14-jährige Nina erstochen und fünf Tage später den 13-jährigen Tobias erwürgt zu haben. In dem 19-seitigen Geständnis, das er mehrere Monate nach den Taten in der Haft schrieb, schildert er grausame Details seiner Verbrechen und räumt auch kannibalische Handlungen ein.

Angeklagter schämte sich

Für die persönliche Aussage am Dienstag, die sich zunächst nur auf den Lebenslauf des Angeklagten bezog, war die Öffentlichkeit auf Wunsch des Angeklagten nicht zugelassen. Sein Anwalt Markus Fischer deutete nach der Vernehmung an, dass er diesen Wunsch aus Scham geäußert habe. “Es ist ihm schon vieles peinlich“, sagte Fischer. Schwerpunkt der Aussage sei die Rolle von Jan O. innerhalb seiner Familie gewesen. Dabei habe der Angeklagte im Grunde das bestätigt, was auch seine Mutter am vergangenen Freitag vor Gericht geschildert hatte, sagte Fischer. “Er war immer der Kleine“, sagte Fischer.

Die Mutter hatte von zerrütteten Familienverhältnissen und vor allem einem gestörten Verhältnis zwischen Jan O. und seinem Vater berichtet. Zu den Taten war Jan O. am Dienstag zunächst noch nicht befragt worden. Ein Gutachter soll aber vermutlich am nächsten Verhandlungstermin Anfang Juni Aussagen zu dem schriftlichen Geständnis des Angeklagten machen.

Nina war “zurückhaltend“

Zuvor war am Dienstag auch kurz die Mutter der getöteten Nina, die den Prozess als Nebenklägerin verfolgt, als Zeugin vernommen worden. Sie beschrieb ihre Tochter als zurückhaltendes Mädchen. Ein Urteil wird es vermutlich am 27. Juni geben.

dapd

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