Bundesweites Verbot von Rockerklubs rückt näher

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Wie gut sind die Kontakte der Rockerbanden zur Polizei?

Berlin -  Ermittlern zufolge verdichten sich die Hinweise auf deutschlandweite Verbindungen krimineller Rockerbanden. Brisant: Die Klubs haben anscheinend beste Verbindungen zur Polizei.

Nach Razzien in mehreren Städten wächst der Druck auf kriminelle Rockerklubs in Deutschland. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will ein generelles Verbot prüfen. Voraussetzung dafür ist eine bundesweite Organisationsstruktur der Klubs. Hinweise darauf mehrten sich zuletzt. “Sollte das der Fall sein, gibt es kein Ermessen mehr, sondern die Pflicht des Bundes, entsprechend auf Bundesebene Verbote auszusprechen“, sagte Friedrich am Freitag zum Abschluss der Innenministerkonferenz in Göhren-Lebbin (Mecklenburg-Vorpommern).

Unterdessen werden brisante Verstrickungen zwischen Rockern und Behörden immer deutlicher. Berlins Polizeivizechefin Margarete Koppers räumte ein, dass Verräter in den eigenen Reihen schon seit längerem ein Problem seien. Ähnliche Fälle wurden auch bei Ermittlungen gegen die Hells Angels in Kiel bekannt.

Noch bevor in der Hauptstadt das Verbot einer Gruppe der Hells Angels durchgesetzt werden konnte, hatte der Klub offenbar davon erfahren und sich kurzerhand selbst aufgelöst. Um überhaupt Beweise sicherstellen zu können, musste die Polizei früher als geplant zuschlagen.

Inzwischen sucht die Fachdienststelle für Polizeidelikte unter Hochdruck den “Maulwurf“. Bislang müsse sie davon ausgehen, dass der Informant aus den Reihen der Polizei stamme, sagte Koppers. “Das ist ein Phänomen, mit dem wir es immer wieder bei größeren Einsätzen zu tun haben.“

Großalarm für Polizei: Hells Angels kommen

Hells Angels
Wer sie nicht kennt: Die Hells Angels sind ein Rocker- und Motorradclub, dessen Mitglieder öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. © dpa
Hells Angels
Die Werte der „Höllenengel“ lauten Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freiheit. © dpa
Hells Angels
Gegründet wurde der Club 1948 in Kalifornien. © dpa
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß.
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß. © dpa
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag.
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag. © dpa
Hells Angels
Vor einem Treffen werden zwei Hells Angels von der Polizei durchsucht. © dpa
Hells Angels
Ein Rocker macht mit seinem Motorrad den „Burn out“. © dpa
Hells Angels
Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
Hells Angels
Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
Hells Angels
Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Europatreffen der Hells Angels mit Kaffeefahrt: Die Mitglieder sitzen in einem Boot, einem so genannten "Auswanderer", um zu der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer überzusetzen. Dort gibt es erst Kaffee und Kuchen. Anschließend beginnt eine Party. © dpa
Hells Angels
Rund 1500 Mitglieder waren mit ihrem Motorrädern zum Europatreffen gekommen. Dafür ist extra ein Gelände in einem Industriegebiet angemietet worden. © dpa
Hells Angels
Hells Angels © dpa
Hells Angels
Eine Kutte der Hells Angels und bei einer Razzia beschlagnahmte Waffen in der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums in Kassel. © dpa
Hells Angels
Nach einer Gerichtsverhandlung haben sich Mitglieder der früher verfeindeten Rockergruppen Bandidos und Hells Angels eine Schlägerei geliefert. Die Polizei hat einige von ihenn verhaftet. © dpa
Hells Angels
Nach der Schlägerei auf offener Straße wurde dieses Mitglied der Hells Angels verhaftet. © dpa
Hells Angels
Hells Angels auf ihren schweren Maschinen. © dpa
Hells Angels
Ein festgenommener Rocker. © dpa
Hells Angels
Die „Kutte“ der Hells Angels. © dpa

Die amtierende Polizeipräsidentin schließt zudem nicht aus, dass auch künftig ähnliche Pannen passieren können. “Ein vollkommen sicheres System wird es leider nicht geben.“ Jedoch werde nun der Umgang mit geheimen Informationen auf den Prüfstand gestellt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gibt den Medien eine Teilschuld für das Durchsickern geheimer Informationen. Auf die Frage nach seinem Vertrauen in die Berliner Polizei und ob Informationen, die nach außen gehen, gestoppt werden müssten, sagte er: “Das gilt auch für die Presse, die immer versucht, Informationen zu bekommen, bevor sie an die Öffentlichkeit gehen sollten.“ Es müsste kritisch hinterfragt werden, ob Veröffentlichungen von Spiegel Online und anderen Medien angemessen waren.

Der Berliner CDU-Innenexperte Peter Trapp rechnet nach dem Verbot der Hells Angels MC Berlin City und deren Unterstützergruppe MG 81 damit, dass die Rocker dagegen juristisch vorgehen werden. “Es geht um Geld und sichergestellte Motorräder“, sagte Trapp. Nach Angaben der Polizei ist ein Einspruch bislang nicht eingegangen. Dafür haben die Rocker noch bis Ende Juni Zeit.

Das Verbot bedeute nicht das Ende der Ermittlungen gegen einzelne Bandenmitglieder, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. “Nun wird in normalen Einzelverfahren weiter gegen die Rocker ermittelt.“ Wann es erste Anklagen geben könnte, konnte er nicht sagen. “Nun ist akribische Polizeiarbeit gefragt.“

Razzien in Berlin und Potsdam

In den vergangenen Tagen war die Polizei in mehreren Städten mit großangelegten Aktionen gegen Rockerklubs vorgegangen. Es gab Razzien in Berlin und Potsdam. Davor ging die Polizei mit rund 1200 Beamten gegen Rocker in Norddeutschland vor.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Rockerszene in Bewegung. Die große holländische Rockergruppe Satudarah will dort Fuß fassen. An diesem Wochenende soll die Gründung des ersten Satudarah-Chapters in Duisburg besiegelt werden. Ein örtlicher Rockerklub habe sich entschlossen, sich Satudarah anzuschließen, bestätigte die Duisburger Polizei am Freitag. Erwartet würden etwa 200 Rocker. In den niederländischen Medien wird Satudarah immer wieder im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität und Dogenhandel erwähnt.

Nach Angaben von Ermittlern verdichten sich die Hinweise auf bundesweite Rockerstrukturen. Auch die Aussage eines Kronzeugen vor einem Kieler Gericht spricht dafür. Demnach soll der Chef der Hells Angels in Hannover, Frank Hanebuth, eine führende Rolle bei der Rockerbande in Deutschland spielen und etwa der Ermordung eines Türken in Kiel zugestimmt haben. Hanebuth hat die Darstellung zurückgewiesen. Die Leiche ist bislang nicht gefunden worden.

Der Kieler Innenminister Klaus Schlie (CDU) bewertetet die Ermittlungen als Erfolg. “So weit waren wir noch nie“, sagte er den “Kieler Nachrichten“. Die Fahnder seien tief in die kriminellen Strukturen eingedrungen und hätten erhebliche Querverbindungen aufgedeckt, bis hin zu Korruptionsfällen in den Behörden.

dpa

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