Waggons entgleisen nach Vollbremsung

20 Todesopfer nach Moskauer Metro-Unglück

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Zahlreiche Verletzte werden nach dem Unglück von Rettungskräften versorgt.

Moskau - Beim schwersten Unfall in der Geschichte der berühmten Moskauer Metro sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen.

+++UPDATE+++

Mitten im morgendlichen Berufsverkehr entgleisten drei voll besetzte Waggons in einem Tunnel. „Mehr als 160 Menschen wurden dabei verletzt“, sagte Viktor Jazuzenko vom russischen Zivilschutzministerium am Dienstag der Agentur Itar-Tass zufolge. Aufnahmen zeigen ein im Tunnel verkeiltes Wrack, aus dem Rettungskräfte nur mühsam eingeschlossene Passagiere bergen konnten. Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde schloss einen Terroranschlag aus. „Es handelt sich allem Anschein nach um eine technische Katastrophe“, sagte er.

Der Zug habe etwa 200 Meter vor der Station „Slawjanski Boulevard“ heftig gebremst, dabei seien die Waggons entgleist, sagte Markin. Er zweifelte an der zunächst verbreiteten Version, dass ein Spannungsabfall den Unfall verursacht haben könnte. Die Energiewerke hätten eine Stromschwankung nicht bestätigt. „Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen. Ein Defekt am Fahrgestell ist ebenso nicht ausgeschlossen wie eine kaputte Weiche.“ Zum Unfallzeitpunkt um 08.39 Uhr (06.39 Uhr MESZ) sei der Zug etwa 70 Kilometer pro Stunde schnell gefahren, sagte Markin. Die Linie bleibe zwei Tage lang geschlossen.

Mit täglich neun Millionen Passagieren gilt die U-Bahn als wichtigstes Verkehrssystem der mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern größten Stadt Europas. Die 1935 eröffnete U-Bahn ist aber renovierungsbedürftig. Die betroffene Strecke wurde erst 2008 gebaut.

Bilder vom Unglücksort

Schweres U-Bahn-Unglück in Moskau

Präsident Wladimir Putin beauftragte Chef-Ermittler Alexander Bastrykin mit der Untersuchung des Unfalls. Telefonisch von einer Brasilien-Reise aus übermittelte der Kremlchef zudem sein Beileid. Regierungschef Dmitri Medwedew nannte den Unfall „tragisch“.

Überlebende berichteten im Staatsfernsehen von Chaos in den Waggons. „Wir stürzten wie Dominosteine“, sagte ein Passagier. „Ich dachte, das ist das Ende“, sagte ein anderer Fahrgast, dem Sanitäter einen Kopfverband angelegt hatten. Rettungskräfte trugen blutende Verletzte aus der benachbarten Station „Park Pobedy“.

"19 Menschen sind bei dem Unfall gestorben, zudem erlag eine Frau im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen", sagte Oleg Salagaj vom Gesundheitsministerium. Insgesamt seien 129 Menschen in Kliniken gebracht worden, einige davon per Hubschrauber. Viele Passagiere erlitten Prellungen und Blutergüsse. Einige Fahrgäste waren zunächst in dem völlig zerstörten Waggon eingeklemmt und mussten von Rettungskräften befreit werden. Insgesamt wurden mehr als 1000 Menschen in Sicherheit gebracht. Mehrere Stationen waren gesperrt.

Bürgermeister Sergej Sobjanin und Zivilschutzminister Wladimir Putschkow eilten an die Unfallstelle und sagten den Opfern Hilfe zu. Hinterbliebene sollen mehr als eine Million Rubel (rund 21.500 Euro) Schmerzensgeld erhalten. Die Justiz eröffnete ein Strafverfahren wegen Verstößen gegen technische Sicherheitsvorschriften. Sobjanin ordnete für diesen Mittwoch öffentliche Trauer in der Hauptstadt an.

2010 waren bei zwei Selbstmordattentaten insgesamt 40 Menschen ums Leben gekommen. Zur Entgleisung kam es dem Radiosender Echo Moskwy zufolge nur 1979 und 2008. Beim bisher schwersten Unfall in der Metro waren 1982 beim Zusammenbruch einer Rolltreppe 15 Menschen gestorben.

dpa

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