Moderne Technik bremst Betrüger an Geldautomaten

EC-Datenklau: Was Kunden tun können

+
Achtung bei der Eingabe der Geheimzahl: Mithilfe von Lesegeräten, die heimlich am Automaten angebracht werden, kann diese gefilmt werden.

Es ist eine moderne Variante des Taschendiebstahls: Betrüger spähen Daten von EC-Karten aus, fertigen Duplikate an und versuchen, mit diesen Geld abzuheben oder an Kassen zu bezahlen. Wir erklären, wie man sich schützen kann und was Opfer unternehmen müssen.

Dank moderner Sicherheitstechnik sind die Skimming genannten Fälle nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft zwar auf einem Rekordtief, Entwarnung gibt es aber noch nicht.

Wie funktioniert das Skimming? 

Das englische Wort steht für abschöpfen oder absahnen. Kriminelle montieren heimlich Lesegeräte in den Kartenschlitz des Geldautomaten, die die auf der Karte gespeicherten Daten kopieren. Die Eingabe der Geheimnummer (PIN) wird mit kleinen Kameras gefilmt oder über einen gefälschten Tastaturaufsatz gespeichert. Mit diesen Daten werden Duplikate der Karten erstellt.

Was können Skimming-Opfer tun?

Wer merkt, dass er einen manipulierten Geldautomaten benutzt hat oder wer unzulässige Abhebungen auf seinem Konto feststellt, sollte die Karte sofort sperren lassen. Das geht kostenlos über den bundeseinheitlichen Sperr-Notruf 116 116. Aus dem Ausland muss die 0049 vorgewählt werden oder alternativ 0049 30 4050 4050. Wenn sich im SB-Bereich der Bank ein Servicetelefon befindet, sollte die Bank oder deren Sicherheitsdienst unverzüglich informiert werden, damit nicht noch mehr Kunden in die Falle tappen. Außerdem sollte Strafanzeige bei der Polizei gestellt werden.

Wer haftet bei Skimming-Betrügereien? 

In aller Regel haften die Banken, wenn der Geldautomat oder die Karte manipuliert worden sind. Wenn die Bank vom Kunden Schadenersatz haben will, muss sie laut Urteil des Bundesgerichtshofs beweisen, dass missbräuchlich Bargeld mit der Originalkarte und nicht mit einer gefälschten Kopie abgehoben wurde. Für die Originalkarte hat der Besitzer eine Sorgfaltspflicht, er darf sie nicht zusammen mit einer Notiz der Geheimzahl aufbewahren.

Wie kann man sich vor Skimming-Betrügereien schützen? 

Bei der Eingabe der Geheimzahl sollte die Tastatur mit der anderen Hand abgedeckt werden. Die meisten Skimming-Attacken wehrt man so ab, denn die versteckten Kameras können die Nummerneingabe dann nicht filmen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass andere Kunden dem Geldabhebenden nicht über die Schulter schauen können und Diskretionsabstand halten. Niemals eine Geheimzahl am Türöffner des SB-Bereichs eingeben. Keine Bank verlangt hier eine PIN, sollte diese gefordert werden, wurde der Türöffner manipuliert. Außerdem sollten regelmäßig die Kontoauszüge überprüft werden. Schließlich sollte das Limit für Auslandsabhebungen niedrig festgelegt und nur bei eigenen Urlaubsreisen wieder erhöht werden.

Welche Technik hilft gegen Skimming? 

Alle 94 Millionen Girocards, die 60 000 Geldautomaten und die 720.000 Bezahlterminals in Deutschland sind mit so genannten EMV-Chips ausgestattet. Das ist eine Art Minicomputer, der Datensätze verschlüsselt und die Karten bei Gebrauch auf Echtheit überprüft – sowohl an Bankautomaten als auch beim Einkauf. So wird Missbrauch weitgehend verhindert.

Was bedeutet das für die Betrüger?

Sie können duplizierte Karten nur noch in Ländern benutzen, die die EMV-Technik an Bankautomaten in Terminals noch nicht verwenden. Betrugsfälle gemeldet wurden vor allem aus Brasilien, Sri Lanka, Indonesien, Indien und den USA.

Wie viele Skimming-Fälle gibt es? 

Sie sind durch die EMV-Chips deutlich gesunken. Der Schaden lag im ersten Halbjahr 2014 bei 1,4 Millionen Euro – 84 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (8,4 Millionen Euro Schaden). Bundesweit wurden von Januar bis Juni dieses Jahres 84 Automaten manipuliert.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.