Ernährung

Für echte Kuhmilch braucht es keine Kuh mehr - jetzt gibt es Milchprodukte aus dem Labor

Echte Milch gibt es jetzt auch aus dem Labor - Kühe braucht es dafür nicht.
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Echte Milch gibt es jetzt auch aus dem Labor - Kühe braucht es dafür nicht.

Es gibt Milchersatzprodukte in Hülle und Fülle - doch an den Geschmack von Kuhmilch kommen sie bislang nicht heran. Ein US-Unternehmen will das ändern - mit Kuhmilch ohne Kuh.

Berkeley - Milchprodukte sind bei vielen Menschen lange nicht mehr so beliebt wie sie es noch vor zehn Jahren waren. In Cafés wächst die Auswahl an Alternativen zu Kuhmilch* und auch die Supermarktregale füllen sich mit veganem Ersatz für Käse, Sahne, Joghurt oder Eis. Die Palette der Lebensmittel, auf denen die Ersatzprodukte basieren, ist groß: Sie reicht von Hafer bis Mandel, von Soja bis Kokos, von Erbse bis Reis. Wer sich schon einmal durchprobiert hat, der merkt: Für so manches Kuhmilchprodukt gibt es einfach noch keinen zufriedenstellenden Ersatz.

Genau diese Erfahrung machte der Bioingenieur Ryan Pandya 2014. Er habe sich gerade entschieden, vegan zu leben und sei eines Tages 30 Minuten zu einem der wenigen Bagel-Shops in Boston gefahren, der veganen Frischkäse anbot. „Stattdessen stieß er auf einen dünnflüssigen Ersatz, der die Konsistenz und den Geschmack von geschmolzenem Plastik hatte“, heißt es auf der Website von Pandyas Unternehmen Perfect Day. Frustriert von der Erfahrung habe er angefangen zu recherchieren, warum aus Kuhmilch so viel besserer Frischkäse wird als etwa aus Sojamilch. Auf dieser Mission tat sich Pandya mit Perumal Gandhi zusammen, ebenfalls Bioingenieur und damals frustrierter Veganer. Somit entstand das Unternehmen, das heute unter dem Namen „Perfect Day“ Kuhmilch ohne Milch von Kühen vertreiben will.

Kuhmilch ohne Kuh: DNA macht es möglich

Doch wie funktioniert das? Pandya und Gandhi wollten nach eigenen Angaben herausfinden, was Milch zu Milch macht. Das Ergebnis ihrer Recherche: Vor allem die Proteine in der Milch tragen dazu bei, dass Milchprodukte so cremig und unvergleichlich sind. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Kaseine und Molkenproteine. Natürlich sind in Kuhmilch viele weitere Bestandteile enthalten - schließlich handelt es sich um Muttermilch, die den Kälbern für die Entwicklung notwendigen Nährstoffen mitgeben soll -, die jedoch laut Perfect Day für den typischen Milchgeschmack entbehrlich sind.

Mithilfe der DNA von Kühen können auch andere Organismen die Proteine herstellen. Perfect Day hat sich dafür Mikroflora ausgesucht, genauer gesagt Pilze. In diese Mikroorganismen wird das genetische Material eingeführt, wodurch sie die tatsächlichen Proteine produzieren können - „identisch zu dem, was Kühe produzieren“. Die Mikroflora wiederum ernährt sich laut Perfect Day pflanzenbasiert. Daher kommt am Ende zwar Milch heraus, die auf der DNA von Kühen basiert und dieselben Proteine enthält, allerdings war keine Kuh daran beteiligt. Die Labor-Milch wird in großen Gärtanks herangezüchtet.

Umwelt würde von Kuhmilch aus dem Labor profitieren

Laut Perfect Day genießen die tierproduktfreien Milchproteine bei der US-amerikanischen Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) den Status „Generally Recognized as Safe“ (generell als sicher anerkannt). Zudem befinden sich in dem Produkt keine Laktose, Cholesterin, Hormone oder Antibiotika, was in Kuhmilch zu finden ist. Das Unternehmen betont auf seiner Website zudem die Vorteile für Umwelt und Klima, die die Herstellungsmethode mit sich bringe. „Wenn Lebensmittelhersteller in den USA (und infolgedessen ihre Kunden - jeder, der Milchprodukte isst) bei der Herstellung ihrer Produkte auf das tierproduktfreie Molkeprotein von Perfect Day umstellten, könnten wir 246 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermeiden“, sind die Macher überzeugt.

Das entspreche derselben Ersparnis, wie wenn jährlich 53 Millionen weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs wären. Denn das Unternehmen will nicht etwa selbst Milch und Co. in die Supermarktregale bringen, sondern sich mit Herstellern zusammentun, die ihr Protein statt Kuhmilch für die Produkte nutzen sollen. Der Ansatz, genetisches Material in andere Zellen einzuführen, damit es Proteine in großer Menge produziert, ist im Übrigen nicht neu. Beispielsweise kam 1982 gentechnisch hergestelltes Humaninsulin auf den Markt und die Technik wird für Medikamente und Vitamine genutzt. (ial) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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