EHEC: WHO geht von "neuem Stamm" aus

Hamburg. Die Zahl der Erkrankungen am gefährlichen Darmerreger EHEC hat vor allem in Norddeutschland zugenommen. Die Weltgesundheitsorganisation erklärte unterdessen, verantwortlich für die Erkrankungen sei ein ganz neuer Stamm von E. coli-Bakterien.

"Wir verzeichnen wieder einen deutlichen Anstieg der Erkrankungsfälle durch EHEC und HUS", sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Mittwoch in der Hansestadt. Die Situation bleibe besorgniserregend.

Aktualisiert am 2. Juni um 14.50 Uhr

Auch sei es auf jeden Fall zu früh, um in irgendwelcher Form Entwarnung zu geben. In Niedersachsen nahm die Zahl der Infektionen binnen eines Tages um 30 Prozent auf 344 zu. Die Zahl der Todesfälle stieg bundesweit derweil auf 17.

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Am federführenden HUS-Labor in Münster wird weiter mit Hochdruck daran gearbeitet, das Erbgut des Erregers zu sequenzieren und zu deuten. Mit Ergebnissen sei in Kürze zu rechnen, sagte ein Sprecher. Bereits zu Beginn der Woche hatten die Experten darauf hingewiesen, dass es sich bei dem in Deutschland grassierenden Stamm um ein Hybrid handelt.

Dieser vereint Eigenschaften mehrerer Erreger in sich. Bakterien können untereinander genetisches Material austauschen - über eine Art primitiven Sex. Damit gehen Eigenschaften eines Keimes auf andere über - es kommt zu Mischformen. Diese wurden in Münster auch als Chimären bezeichnet.

Unterdessen erwägt die spanische Regierung rechtliche Schritte gegen die Hamburger Behörden, die im Zusammenhang mit der Epidemie vor Gemüse aus Spanien gewarnt haben. Der stellvertretende Ministerpräsident Alfredo Perez Rubalcaba sagte am Mittwoch in Madrid: "Wir schließen nicht aus, Schritte gegen Hamburger Behörden einzuleiten, die die Qualität unserer Produkte infrage gestellt haben."

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Das  Bundesverbraucherministerium verteidigte hingegen die Warnung vor spanischen Gurken. Die Hamburger Behörden hätten gemäß geltender Vorschriften gehandelt, sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele in Berlin. Angesichts der potenziellen Risiken sei eine schnelle, öffentliche Warnung angebracht gewesen.

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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) reagierte auf die mögliche Schadenersatzklage Spaniens gelassen. EHEC gehöre nicht auf Gurken und sonstige Gemüse, und deshalb seien die in Hamburg eingeleiteten Schritte absolut in Ordnung, sagte Scholz und wies damit die Kritik der spanischen Agrarministerin Rosa Aguilar zurück. Aguilar hatte am Dienstag bei einem Treffen mit EU-Kollegen im ungarischen Debrecen gesagt, dass Spanien auf EU-Ebene Entschädigungen für alle europäischen Landwirte verlangen wolle, die wegen der tödlichen EHEC-Seuche Verluste hätten.

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Weitere Fälle im Ausland

Das EHEC-Bakterium breitet sich auch im Ausland weiter aus. Nach Angaben der EU-Kommission sind aber nur Menschen betroffen, die jüngst in Deutschland waren - oder Deutsche im Ausland. In Schweden starb eine Frau, die zuvor eine Deutschland-Reise gemacht hatte, an dem Darmkeim. Sie ist das erste Todesopfer außerhalb Deutschlands.

In Schweden gibt es nach Angaben der dortigen Behörden etwa 40 bestätigte EHEC-Fälle, in Dänemark erhöhte sich die Zahl der Kranken auf mindestens 14. Aus Norwegen wurde eine Erkrankung gemeldet. Der EU-Kommission lagen zum Teil noch niedrigere Zahlen vor.

Jeder Zweite will vorübergehend auf rohes Gemüse verzichten

In der Schweiz erkrankte eine Frau. Laut EU-Kommission zählten die Behörden in den Niederlanden 7 Verdachtsfälle und in Großbritannien 3 mögliche HUS-Fälle. Auch in Frankreich gebe es 6 Erkrankte. Amerikaner sollen sich ebenfalls mit dem Keim angesteckt haben.

Und wie gehen die Deutschen mit EHEC um? Jeder Zweite will wegen EHEC vorübergehend auf rohes Gemüse verzichten. Rund zwei Drittel haben mit Blick auf den Darmkeim keine erhöhte Angst um ihre Gesundheit. Ein gutes Drittel (36 Prozent) macht sich aber Sorgen, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. Es hatte 1075 Menschen im Alter von mindestens 18 Jahren in Deutschland befragt. (dpad)

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