EHEC-Gurken in Mecklenburg-Vorpommern?

Schwerin - In Mecklenburg-Vorpommern wurden in drei Proben von Gurken unterschiedlicher Herkunft möglicherweise Hinweise auf den EHEC-Erreger gefunden.

“Wir sind auf diese Gurken im Zusammenhang mit der Auswertung der Fragebögen von erkrankten Patienten gestoßen. Insofern kann ein Zusammenhang mit der Erkrankung bestehen“, sagte Verbraucherminister Till Backhaus (SPD) in Schwerin. Die Gurken wurden im Einzelhandel und in Gaststätten sichergestellt.

Für eine Bestätigung sind aber weitere Untersuchungen notwendig, wie das Verbraucherschutzministerium am Sonntag in Schwerin mitteilte. Die Ergebnisse werden nicht vor Mitte nächster Woche erwartet.

Mehr EHEC-Opfer in Deutschland

Die Zahl der EHEC-Toten in ganz Deutschland ist am Wochenende auf zehn gestiegen. Alle Opfer stammten aus Norddeutschland. Von den rund 80 Patienten liegen 4 Kinder und 14 Erwachsene auf der Intensivstation. Insgesamt haben 30 HUS-Erkrankte keine Nierenfunktion mehr, wie Prof. Jörg Debatin, Vorstandschef des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE), berichtete. Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1200 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert, in Hamburg bis Samstag 467.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bekräftigte am Sonntag die Warnung vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten und Salat. In einer Emnid-Umfrage für das die "Bild am Sonntag" gaben 58 Prozent der Befragten an, derzeit auf ungekochte Gurken, Tomaten und Salat zu verzichten. Bundesregierung, Länder und Behörden wollen die Ausbreitung des Darmkeims an diesem Montag in einem Spitzentreffen in Berlin beraten.

“Die Lage ist ausgesprochen ernst“, sagte Prof. Debatin, “Wir werden weitere Menschen verlieren.“

EHEC breitet sich in der EU aus

In Österreich wurden bislang zwei deutsche Urlauber positiv auf den EHEC-Erreger getestet, in den übrigen Ländern gab es keine Hinweise auf Erkrankungen. In Schweden verzeichneten die Gesundheitsbehörden bislang 36 EHEC-Fälle, von denen zwölf einen schweren Verlauf genommen haben. In Dänemark wurde bei elf Menschen eine Infektion diagnostiziert, die bei fünf eine schwere Darminfektion, das sogenannte Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS), verursacht habe.

Keine Hinweise auf kontaminierte Gurken in GB

Die britische Gesundheitsbehörde erfasste bislang drei EHEC-Erkrankungen bei deutschen Staatsbürgern. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass die möglicherweise mit den Erregern kontaminierten Bio-Gurken in Großbritannien vertrieben worden seien, teilte die britische Behörde für Nahrungsmittelsicherheit mit. EU-Sprecher Frederic Vincent sagte am Sonntag, dass der Betrieb zweier als Ursprungsort der betroffenen Gurken ausfindig gemachter Gewächshäuser in Spanien eingestellt worden sei. Das Wasser und die Erde würden nun analysiert, um herauszufinden, ob die Kontamination dort oder woanders erfolgte. Die Ergebnisse der Untersuchung würden für Dienstag oder Mittwoch erwartet, sagte er.

Die spanische Regierung teilte mit, dass zwei Gurkenproduzenten aus dem Süden Andalusiens untersucht würden. Gesundheitsministerin Leire Pajín sagte am Freitag, die Regionalregierung Andalusiens habe in Zusammenarbeit mit den nationalen, den deutschen und den EU-Behörden strenge Maßnahmen ergriffen, die das Verbrauchervertrauen wiederherstellen sollen. “Wir müssen ganz klar machen, dass es in Spanien noch keine einzige Person gibt, die bislang mit dem Erreger infiziert wurde“, sagte sie.

dpa/dapd

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