EHEC: Mediziner setzen neue HUS-Therapie ein

Hamburg - Mehrere deutsche Kliniken setzen im Kampf gegen besonders schwere EHEC-Verläufe jetzt auf ein neues Mittel. Ob es wirkt, lässt sich Experten zufolge noch nicht beurteilen.

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Die Ärzte wollen mit einem Antikörper das lebensgefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) stoppen, das nach einer Infektion mit dem Darmkeim auftreten kann. Die Mediziner hoffen, dass Eculizumab gegen das akute Nierenversagen bei HUS wirken könnte. Die neue Behandlung wird etwa in den Unikliniken Hamburg, Hannover sowie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) bei schwerkranken HUS-Patienten angewandt.

Nach Angaben des UKSH-Sprechers Oliver Grieve hat es zwar erste Erfolge gegeben, aber “das Mittel als neues Wundermittel zu bezeichnen, weckt falsche Hoffnungen“. Noch sei unklar, ob die Verbesserungen bei manchen Patienten auf den Antikörper zurückzuführen seien, sagte Grieve am Sonntag.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellen im Fachblatt “New England Journal of Medicine“ die erfolgreiche Behandlung von drei Kindern im Alter von drei Jahren mit diesem Antikörper vor. Die Kinder waren im vergangenen Jahr nach EHEC-Infektionen an HUS erkrankt. Sie litten an Nierenversagen sowie an schweren Störungen des Nervensystems. Innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Infusion, die im Abstand von sieben Tagen zwei- bis viermal wiederholt wurde, habe sich der Zustand der Kinder deutlich verbessert, berichten die Mediziner in der Zeitschrift. “Alle drei Kinder erholten sich und zeigten auch sechs Monate nach der Erkrankung keine Folgeschäden“, teilte die Uniklinik Heidelberg mit. Die Wissenschaftler halten es für unwahrscheinlich, dass sich alle drei Kinder spontan von selbst erholt haben.

“Wir hoffen, dass diese Ergebnisse den akut Erkrankten zu Gute kommen“, sagte der Heidelberger Studienautor Prof. Franz Schaefer. Er geht davon aus, dass auch Erwachsene von einer Therapie mit dem Antikörper profitieren könnten. Im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) bekämen mehrere EHEC-Infizierte mit Komplikationen die Antikörpertherapie, sagte der Nierenspezialist Prof. Rolf Stahl.

Seit Freitagabend werde das Mittel bei schwerstkranken Patienten mit Störungen des zentralen Nervensystems eingesetzt. UKE-Ärzte hatten das Mittel bereits vor einigen Monaten bei einem atypischen, nicht durch EHEC-Erreger hervorgerufenen HUS-Fall angewendet. Eculizumab war dem Fachbericht zufolge auch zur Behandlung einer seltenen Blutkrankheit sowie einer seltenen angeborenen Form von HUS eingesetzt worden.

dpa

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