EHEC: Tonnen von Gemüse landen im Müll

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Viele Salatköpfe, Tomaten und Gurken finden keinen Abnehmer und landen auf dem Müll.

Bremen - Viele Bauern bleiben auf ihrem Gemüse sitzen. Nachdem am Donnerstag die Nachfrage von Salatköpfen, Gurken und Tomaten um 15 Prozent zurückging, landete tonnenweise Gemüse auf dem Müll.

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Die Bauern im Norden Deutschlands werfen wegen des EHEC-Erregers tonnenweise Salatköpfe, Tomaten und Gurken auf den Müll. Obwohl spanische Importgurken als ein Träger des gefährlichen Darmkeims EHEC identifiziert worden sind, seien die Verbraucher auch bei deutschem Gemüse noch sehr skeptisch. “Allein in Niedersachsen haben fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert“, sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland am Freitag in Bremen. Deutliche Absatzeinbrüche meldet unter anderem auch die Erzeugergenossenschaft Landgard mit 700 Gemüsebetrieben am Niederrhein.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

“Die Bauern trifft es enorm hart, wenn die Verbraucher für einige Tage auf das frische Gemüse verzichten“, sagte Johannes Funke vom Bauernverband in Berlin. Der Branchenverband hofft, dass der Markt sich schnell normalisiert. Bis zu 15 Prozent weniger Tomaten und Gurken seien am Donnerstag abgesetzt worden, berichtete Landgard- Sprecherin Andrea Kirchhoff am Freitag in Straelen.

Mit großer Sorge verfolgen die rheinischen Obst-und Gemüsebauern die Auswirkungen der EHEC-Krise. Ein paar Tage könne der fehlende Absatz bei Tomaten und Gurken überbrückt werden. “Aber wenn es nächste Woche so weitergeht, wird es ernsthafte Schäden geben“, meinte Verbandssprecher Peter Muß. Es könne sein, dass Salat untergepflügt werden müsse, weil die Ware nicht gekauft werde.

In Niedersachsen sind viele Bauern bereits gezwungen, das geerntete Gemüse wegzuschmeißen. Andere ließen das Gemüse auf den Feldern und pflügten es unter, sagte Boese. Er fordert deshalb ein klares Statement von der Politik: “Es muss gesagt werden, dass deutsches Gemüse keimfrei ist.“ Auf den Bodenseeinsel Reichenau läuft der Gurken-Absatz - allerdings nur verhalten. Dort werden seit Ende März Salatgurken geerntet.

“Wir spüren aber keine Hysterie bei unseren Kunden“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse-Vertriebs-Genossenschaft, Christian Müller. Er hat täglich viele Kundenanfragen abzuarbeiten: Von Betreibern von Wochenmarktständen bis hin zu Lebensmittelketten haben zahlreiche Abnehmer der Ware Fragen zum Gemüse der Genossenschaft.

EHEC-Erreger: Spanien warnt vor Verdächtigungen

Spanien hat derweil nach dem Fund von EHEC-Erregern an Salatgurken aus davor gewarnt, spanische Agrarprodukte global unter Verdacht zu stellen. “Wir dürfen uns nicht auf dem Gebiet von Spekulationen bewegen“, sagte der Staatssekretär im Madrider Agrarministerium, Josep Puxeu. Es stehe keineswegs fest, ob die Gurken bei der Herstellung in Spanien mit dem Erreger befallen worden seien. Vielmehr sei es durchaus möglich, dass es auf dem Transport oder bei der Verarbeitung in Deutschland zu einer Kontaminierung gekommen sei.

“Wir dürfen ein Problem, das punktuell an einer Stelle aufgetreten ist, nicht verallgemeinern und nicht einen ganzen Exportsektor, ein ganzes Land oder mehrere Länder an den Pranger stellen.“ Die spanischen Gesundheitsbehörden leiteten Untersuchungen ein, um herauszufinden, wo die Erreger ihren Ursprung hatten.

Dazu setzten sie sich mit zwei Agrarbetrieben in der südspanischen Region Andalusien in Verbindung, aus denen die kontaminierten Gurken stammen könnten. Diese waren vom Hamburger Hygiene-Institut als Träger des Erregers identifiziert worden

dpa

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