Der ehemalige Dschungelkönig Peer Kusmagk spricht über das Dschungelcamp

Auf dem Thron: Peer Kusmagk (Mitte) gewann die fünfte Staffel von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“. Die Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow gratulierten 2011 als Erste. Foto: dpa

Am Ende der fünften Dschungelcamp-Staffel 2011 wurde der Schauspieler Peer Kusmagk zum „König“ gekrönt. Im Interview erklärt der 38-Jährige, was den Kandidaten bei „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ die größten Probleme bereitet, und verrät seine Favoriten für diese Staffel

In der zweiten Woche im Dschungel fallen auch bei den letzten Kandidaten die Masken. Kann man sich da überhaupt zwei Wochen lang verstellen?

Peer Kusmagk: Es gab in der Vergangenheit Leute, die das geschafft haben. Bei Desiree Nick und Olivia Jones haben wir kaum etwas über den Privatmenschen erfahren, die haben ihre Bühnenfigur gespielt. Man probiert, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Das ist so, wie wenn man die Schwiegereltern kennenlernt. Da will man auch nicht gleich von seinen negativsten Eigenschaften berichten. Aber wenn man dann gemeinsam das erste oder zweite Bier trinkt, rutscht doch mal ein Geheimnis raus, das man nicht teilen wollte. Wenn man im Dschungel - mit Isolationshaft und Mangelernährung gestraft - mit zehn Unbekannten abhängt, hat man auch irgendwann keine Lust und Kraft mehr, sich zu verstellen.

Moderator Daniel Hartwich hat gestern gesagt: Die Zündschnur wird kürzer, je länger man da ist. Stimmt das so?

Kusmagk: Ja, natürlich. Man bekommt nur hundert Gramm Reis am Tag und, die Kandidaten hatten jetzt zwei, drei Tage wirklich sehr wenig zu essen. Da muss man sich zusammenreißen. Winfried Glatzeder schafft das nicht so gut.

Wo sehen Sie die größte Schwierigkeit?

Kusmagk: Mich hat der Hunger den ganzen Tag beschäftigt. Irgendwann habe ich angefangen, Heuschrecken zu frittieren. Für viele ist die Langeweile sehr anstrengend. Das sieht im Zusammenschnitt immer schön aus, aber 23 Stunden am Tag passiert da eigentlich nichts. Was ich erschreckend fand, war, wie diese Masken gefallen sind. Live mitzubekommen, wie bösartig Menschen werden können - bei vollem Bewusstsein, gefilmt zu werden.

Larissa Marolt fokussiert total. Braucht die Gruppe einen gemeinsamen Feind?

Kusmagk: Da bin ich mir ganz sicher. Das ist wie in der Schule. Da gibt es den Coolen wie Mola, der sich ja inzwischen auch enttarnt hat, den Ruhigen wie Marco, eine sexy Maus, die alle scharf finden und es gibt natürlich auch immer einen Außenseiter, auf dem immer rumgehackt wird. Das wird von RTL aber auch dementsprechend besetzt.

Michael Wendler behauptet, er sei durch einen ungünstigen Schnitt schlecht dargestellt worden. Kann das sein?

Kusmagk: Im Endeffekt kann RTL auch nur das schneiden, was da wirklich passiert ist. Es ist eine Unterhaltungssendung, in der die eklatantesten Momente gezeigt und überspitzt dargestellt werden, weil es ja auch Satire ist. Das weiß aber jeder vorher. Kein Cutter schafft es, aus einem warmherzigen Menschen ein Arschloch zu machen.

Vergisst man die Kameras?

Kusmagk: Man ist sich bewusst, dass es die gibt, man sieht sie ja auch. Aber es gibt Momente, da ist man einfach mit was anderem beschäftigt. Als Larissa Winfried heißes Wasser über die Hände gekippt hat, wird der nicht an die Kameras gedacht haben. In diesen Extremsituationen vergisst man die dann doch. Übrigens auch in den Prüfungen.

Womit gewinnt ein Kandidat die Gunst der Zuschauer?

Kusmagk: Das Problem fängt an, wenn man darüber nachdenkt. Der Zuschauer hat ein Gespür dafür, wer sich verstellt. Was er sehen will, ist tatsächliches Reality-Fernsehen. Das Dschungelcamp ist das letzte Format, das tatsächlich die Realität abbildet. Wenn man den Schritt wagt, sich nicht hinter einer Rolle zu verstecken, wird man erfolgreich sein.

Wer schafft das in diesem Jahr am Besten?

Kusmagk: Die Larissa ist ein kleines verzogenes Mädchen vom Land, ich glaube nicht, dass das gespielt ist. Leider ist der Grad zwischen authentisch und autistisch bei ihr sehr schmal. Sehr authentisch ist für mich Winfried. Die beiden machen auf mich den ehrlichsten Eindruck.

Die Gruppendynamik in diesem Jahr ist viel schneller in Gang gekommen, als in den vorangegangenen Staffeln. Wie haben Sie das damals erlebt? 

Das stimmt. Das mag daran liegen, dass die Kandidaten diesmal vorher gemeinsam viel Zeit im Hotel hatten. Da lernt man sich natürlich schon kennen. Bei uns war das so, dass wir hingeflogen und am nächsten Tag direkt ins Camp eingezogen sind. RTL hat in diesem Jahr erstmals alle Namen im Vorfeld bestätigt und dementsprechend gab es viele Interviewanfragen. Wenn man sich erst im Camp kennenlernt, dauert es ein paar Tage, um festzustellen, mit wem man kann und mit wem nicht.

Wir sehen ja nur einen Zusammenschnitt, in dem es wirkt, als wäre den ganzen Tag Trubel. Ist das wirklich so? 

Irgendwann ist man einfach ausgeschlafen. Ich habe dann angefangen zu basteln, aus Sträuchern kleine Hütten oder Schotti, meinem Plüschaffen, einen Käfig gebaut, den Namen meiner Liebsten in den Baum geritzt. Ich hätte mir gern eine Angel gebaut, aber es gab keine Fische im Fluss. Viel zu tun hat man da wirklich nicht. Und wenn zehn Minuten lang gezeigt wird, wie Larissa aus der Hängematte fällt, kann man sich ja vorstellen, wie aufregend der Tag war.

Häufig kommt die Frage auf, ob das alles echt ist. Haben Sie da vorher dran gezweifelt?

Ich hab mich das nicht gefragt. Spätestens wenn man nach 24 Stunden Flug in Australien aussteigt, weiß man, dass alles echt ist. Das ist einfach ein kleines Camp am Ende der Welt im Dschungel.

Wie groß ist nach zwei Wochen die Erleichterung, raus zu kommen? 

Ich mag Natur und Campen und unter freiem Himmel schlafen. Mir haben die äußeren Umstände keine großen Probleme bereitet. Als alle weg waren, wäre ich am Liebsten noch zwei Tage geblieben. Problematisch waren vorher ja eher die anderen Kandidaten.

Zur Person

Peer Kusmagk (38) ist ein deutscher Schauspieler und Moderator. In seiner Heimatstadt Berlin machte er an der Schauspielschule Etage eine Ausbildung. Im Anschluss besuchte er das Lee Strasberg Theatre und Film Institute in Los Angeles und spielte von 2001 bis 2003 in der Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. 2011 gewann er das RTL-Dschungelcamp. Kusmagk lebt mit seiner Freundin Julia in Berlin, wo er in Kreuzberg das Restaurant „La Raclette“ betreibt. 

Von Lasse Deppe

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