Pilotprojekt in NRW

Kampf gegen Eichenprozessionsspinner: Großstadt geht gegen Giftraupe vor - mit kurioser Waffe

Die Raupe ist eine Plage, ihre Gifthaare können Allergiker töten. Jetzt kämpft eine Großstadt in NRW mit einer kuriosen Waffe gegen den Eichenprozessionsspinner.

  • Der Eichenprozessionsspinner wird in Deutschland zur Plage.
  • Die Haare der Giftraupe können bei Allergikern zum Tod führen.
  • Die Stadt Hamm (NRW) bekämpft den Eichenprozessionsspinner mit einer ungewöhnlichen Methode.
NRW/Hamm - Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Der Klimawandel mit milden Wintern und warmen Frühjahren schafft bei uns gute Lebensbedingungen für die Schmetterlingsart, die eigentlich in Südeuropa beheimatet ist.

Eichenprozessionsspinner

Wissenschaftlicher Name:

Thaumetopoea processionea

Ordnung:

Schmetterlinge

Familie:

Zahnspinner

Das Problem am Eichenprozessionsspinnersind die giftigen Haareder Raupe. Jede Raupe trägt etwa 600.000 davon. Die Haare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Auch wenn sich die Raupen bereits gehäutet und zu harmlosen Faltern geworden sind, bleiben Millionen der Haare in den Nestern zurück.

Eichenprozessionsspinner: Hamm (NRW) kämpft gegen die Plage

Bei Berührung mit der menschlichen Haut führen die Haare des Eichenprozessionsspinnerszu stark juckenden Hautausschlägen. Am Auge löst das Gift schmerzhafte Bindehautentzündungen aus. Werden die Härchen eingeatmet, lösen sie Atemnot, Asthma-Anfälle oder einen potenziell lebensgefährlichen allergischen Schock aus.

Die Haare des Eichenprozessionsspinners können zu allergischen Schocks führen. Hamm in NRW kämpft jetzt mit einer kuriosen Methode.

Was wurde nicht schon ausprobiert, um den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen: Feuer, Gift, Spezialsauger, natürliche Feinde wie Schlupfwespen, Wanzen, Raupenfliegen, der Kuckuck oder der Pirol - oder die Chemiekeule mit Pflanzenschutzmitteln wie Diflubenzuron, um die Bäume vor Befall zu schützen. 

All diese Wege, vor allem die Giftmethode beim Einsatz gegen die Schädlinge, haben Nachteile. Vor allem: Niemand sollte den Eichenprozessionsspinner ohne Hilfe eines Experten bekämpfen.

Eichenprozessionsspinner: Pilotprojekt in Hamm (NRW)

Eine Großstadt in Nordrhein-Westfalen (NRW) geht jetzt einen neuen und ungewöhnlichen Weg, um die Eichenprozessionsspinner-Plage zu bekämpfen. Das Pilotprojekt in Hamm bei Dortmund* setzt auf eine erotische Mogelpackung und eine besondere Form der Verhütung, wie WA.de* berichtet.

An einer Baumreihe werden an den Eichen Ampullen aufgehängt, aus denen ein Duft strömt, der die Sinne der Falter betört. Es ist der Stoff, mit dem die Weibchen ihre Männchen anlocken.

Eichenprozessionsspinner: Duftstoff soll Falter verwirren

Das Prinzip hinter dem Verwirrspiel ist einfach: Im echten Falterleben verströmen die weiblichen Eichenprozessionsspinnersogenannte Pheromone, um die männlichen Tiere anzulocken. Nur so finden die beiden zueinander und können sich paaren.

In den Eichen in Hamm verströmen nun viele kleine Ampullen diesen weiblichen Pheromonduft. Nach einigen Wochen, so der Plan, duftet der ganze Baumbestand danach, und die Männchen des Eichenprozessionsspinners flattern orientierungslos durch den olfaktorischen Irrgarten und finden nicht zum Weibchen, weil für sie eben alles nach Lust riecht.

Eichenprozessionsspinner: Weniger Raupen 2021?

Verwirrmethode wird dieses Prinzip genannt und im Weinbau bereits seit 1985 im Kampf gegen den Traubenwickler praktiziert. In Hamm soll mit dieser Methode verhindert werden, dass im nächsten Jahr (2021) die Population des Eichenprozessionsspinners wieder größer wird.

Oliver Schmidt-Formann, Leiter des Umweltamtes der Stadt Hamm (NRW): „Weniger Paarung bedeutet weniger befruchtete Eier und somit auch weniger Raupen, die die reizend wirkenden Brennhaare ausbilden.“ Jetzt sei die beste Zeit, die Pheromon-Kapseln in den Bäumen anzubringen, sagt Marion Jacoby von Wald & Holz NRW. „Die Raupen verpuppen sich Anfang Juli und entwickeln sich dann zu den Faltern.“

Eichenprozessionsspinner: Kommunen schauen auf Pilotprojekt in Hamm

Direkt nach dem Schlüpfen könnte sich der Eichenprozessionsspinner bereits paaren. In ihrem Duft-Baum ist dies aber nicht mehr möglich, weil er kein Weibchen findet.

In Hamm läuft dieses Pilotprojekt zum ersten Mal, und auch andere Kommunen blicken gespannt, ob sich an den dortigen Eichen im kommenden Jahr weniger Eichenprozessionsspinner ansiedeln. Ist es erfolgreich, dann könnte die Methode ein Weg sein, um künftig die Populationen zu verringern. - *WA.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Daniel Karmann/dpa

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