Ein ungewöhnlicher Vergleich: Impressionismus versus Expressionismus

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Die „Badende mit blondem, offenen Haar“ (links) ist ein bekanntes Gemälde des Impressionismus von Pierre-Auguste Renoir (1903). Ein ähnliches Motiv wählte Max Pechstein mit dem Bild „Sitzendes Mädchen“ (rechts) von 1910, das dem Expressionismus zugeschrieben wird.

Bilder aus Impressionismus und Expressionismus hängen zum ersten Mal in der Alten Nationalgalerie in Berlin nebeneinander. Dabei entdeckt der Betrachter mehr Gemeinsamkeiten, als er erwarten würde. Den Katalog zu der Ausstellung präsentiert der Hirmer Verlag.

Faszination für Badende

Die Wellen wogen, die Gischt schäumt. Junge nackte Männer stürzen sich ins Meer. Während sie auf dem Öl-Gemälde „Badende Knaben“ von Max Liebermann aus dem Jahr 1902 nur von hinten zu sehen sind, bildet Ernst Ludwig Kirchner sie elf Jahre später auch von vorne ab.

Im Katalog „Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende“, der im Hirmer Verlag erschienen ist, stehen sich die beiden Kunstwerke direkt gegenüber. Bei Liebermann sind die Wellen zwar aufgewühlt, die Wogenkämme und Figuren bilden jedoch eine Linie – ein typisches Merkmal der Impressionisten. Im Gegensatz dazu ist das Gemälde „Badende am Strand“ des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner weitaus dynamischer. Es ist kein Horizont mehr zu erkennen, die Pinselstriche sind grob, die Formen kantig und die Proportionen ungewöhnlich.

Gewagter, aber gelungener Vergleich: Impressionismus versus Expressionismus

Die beiden Gemälde unterscheiden sich stilistisch voneinander, weisen jedoch überraschend viele Gemeinsamkeiten auf. Die Künstler suchen sich ähnliche Motive, zum Beispiel die Stadt oder abendliche Vergnügen. Sie malen jetzt in der freien Natur anstatt in ihrem Atelier. Die sichtbaren Pinselstriche lassen die Kunstwerke unfertig wirken und stehen im krassen Gegensatz zum feinen und perfekten Schönheitsideal der Klassik.

Impressionismus und Expressionismus verstehen sich jeweils als Aufbruch in die Moderne. Dabei distanzieren sich die deutschen Expressionisten klar von den französischen Impressionisten. Sie feiern ihren neuen Stil als eindeutige Kunstwende.

Ausstellung und Katalog betonen die Gemeinsamkeiten

Mit diesem Vorurteil räumen die Ausstellung „Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende“ und der begleitende Katalog grundlegend auf. Im direkten Vergleich bedeutender Werke erkennt der Betrachter die Parallelen und Unterschiede der beiden Kunstrichtungen auf Anhieb. Die Gemälde sind nicht chronologisch angeordnet, sondern thematisch sortiert. Dadurch treten Gemeinsamkeiten, Einflüsse und Kontinuitäten in den Vordergrund.

Edvard Munch, Edgar Degas, Otto Dix, Auguste Renoir, Max Liebermann, Camille Pissarro – die Auswahl an impressionistischen und expressionistischen Künstlern ist inspirierend. Neben den Abbildungen ihrer Gemälde liefert der Katalog interessante Hintergrundinformationen zu Entstehung und Rezeption der einzelnen Werke, den wichtigsten Merkmalen der beiden Kunstrichtungen sowie ihrem historischen Kontext.

Der Katalog mit seinen 156 Farbdrucken der bekanntesten Künstler aus Impressionismus und Expressionismus gibt einen umfassenden Überblick über beide Epochen. Die thematische Anordnung nach Badeszenen, Vergnügen, Beziehungen und Interieur ermöglicht Kunstkennern und Laien, eigene Verknüpfungen und Assoziationen zu entwickeln.

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