Ausstellung des Österreichers Erwin Wurm macht es möglich

Einmal ein Kunstwerk sein

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Er macht sich zum Kunstwerk: Ein Statist lässt sich am Eingang des Frankfurter Städel-Museums für die skurrile Werkserie „Wurm: One Minute Sculptures“ wie ein Hund an die Leine legen.

Frankfurt. Mitmach-Museen gibt es jede Menge. Dass aber Besucher selbst zum Kunstwerk werden, verdanken sie Erwin Wurm. Seine „One Minute Sculptures“ gibt’s jetzt im Frankfurter Städel-Museum.

Einen Schuh ausziehen und wie ein Telefon ans Ohr halten. Hose runter, Arme in die Beine stecken und Hände hoch. Im weiten Pulli als hellblaues Kunstwerk auf einem Sockel still stehen – wer für 60 Sekunden ein Kunstwerk sein will, muss schon eine kleine Hemmschwelle überwinden. Vor allem, wenn man – etwa einen Abflussreiniger balancierend – neben den größten Meisterwerken aus 700 Jahren Kunstgeschichte liegt.

Das Städel hat den österreichischen Künstler Erwin Wurm (59) eingeladen, das gesamte Haus plus Garten mit seinen „One Minute Sculptures“ zu „wurmisieren“, wie Städel-Direktor Max Hollein sagt. Wurms Kunst sei „radikal“ und „subversiv“, die bisher umfassendste Neudefinition, was eine Skulptur ist.

Info

Die Ausstellung ist bis zum 13. Juli im Städel, Schaumainkai 63, zu sehen. 

www.staedelmuseum.de

Ob die Gurken Kunst seien, fragten Besucher gestern beim Vorab-Termin. Nein, diesmal waren sie zum Essen und sollten sich nicht in Nase oder Ohren gesteckt werden. Drei Plastikflaschen und einen Schrubber hingegen hat nicht die Putzkolonne zurückgelassen. Die Handlungsanweisung auf dem Sockel besagt, dass ein Mann und eine Frau die Gegenstände zwischen ihren Körpern in der Balance halten sollen. „Organisation von Liebe“ heißt das Werk.

„Ich bin ein Feind des Heroischen in der Kunst, weil ich glaube, dass Pathos die Menschen klein macht.“

Schon Mitte der 1990er-Jahre hat Wurm mit seinen „One Minute Sculptures“ angefangen. Ein Video der Red Hot Chili Peppers machte seine Ideen 2003 populär. Mittlerweile gibt es mehr Nachahmer, als Wurm recht ist: auf Laufstegen, Werbeplakaten, in Fußgängerzonen und CD-Covers.

Schafft Skulpturen mal anders: Erwin Wurm

Am Dienstag gaben sich Statisten die Blöße, den Kopf in einen Abfalleimer zu stecken. Wie viele reale Museumsbesucher sich als Kunstwerk versuchen, bleibt abzuwarten. Es gebe da gewisse kulturelle Unterschiede, sagt Wurm: In den USA und Japan stünden die Menschen Schlange dafür, in der Schweiz mache fast nie einer mit. Und in arabischen Ländern habe er immer das Gefühl, gleich werde er verhaftet.

Dass die Sockel und Handlungsanweisungen zwischen Alten Meistern und Klassikern der Moderne stehen, findet Wurm besonders schön. Er liefert sogar eine „Theorie der Malerei“: Der Besucher fixiert mit Stirn und Händen drei farbige Putzlappen auf einer weißen Leinwand. „Ich bin ein Feind des Heroischen in der Kunst“, erklärt Wurm, „weil ich glaube, dass Pathos die Menschen klein macht.“

Es geht ihm aber nicht nur um Humor, sondern um Tieferes: Am Eingang des Städel könnten sich Besucher eine Leine um den Hals legen und sich selbst als Hund abgeben. Das sei vor allem eine Übung in Demut, „bis man geläutert genug ist, um das Kunstwerk zu betrachten.“ (dpa)

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