Denis Urubko wollte bei minus 50 Grad ganz nach oben

Ganz allein am K2: Extrembergsteiger scheitert am zweithöchsten Gipfel der Welt

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An Seilen gesichert: Der Pole Denis Urubko scheiterte bei dem Versuch, alleine im Winter den zweithöchsten Berg der Welt, den K2, zu besteigen. 

Islamabad. Bergsteiger sind Grenzgänger. Aber so verrückt wie Denis Urubko war selten einer. Der Pole wollte im Alleingang den K2, den zweithöchsten Berg der Welt,  besteigen. Er scheiterte.

Professionellen Bergsteigern reicht es heutzutage nicht mehr, den Gipfel eines hohen Berges zu erreichen. Es muss zugleich ein neuer Rekord aufgestellt werden. So auch bei einem polnischen Bergsteigerteam. Die 13-köpfige Gruppe um den Leiter Krzysztof Wielecki versucht derzeit den zweithöchsten Berg der Welt, den K2, zu besteigen. Gelungen ist dies schon vielen Bergsteigern, doch nie im Winter.

50 Grad minus und Windgeschwindigkeiten von 150 Stundenkilometern sind am K2 im Februar keine Seltenheit. Die Besteigung des Berges bei solchen Wetterbedingungen lebensgefährlich. Auch deswegen wird der K2 unter Bergsteigern auch „Savage mountain“ genannt, brutaler Berg.

Im Basiscmap fiel vergangenes Wochenende die Entscheidung, die Route zu ändern und mit dem Aufstieg noch zu warten, berichten mehrere Medien, darunter Spiegel Online. Der Pole Denis Urubko war mit dieser Entscheidung jedoch nicht einverstanden. Es kam zum Streit und zum Bruch. Urubko machte sich allein auf den Weg hinauf auf die 8611 Meter hohe Bergspitze. Ohne Funkgerät, ohne Teamunterstützung, ohne zusätzlichen Sauerstoff.

„Was Denis tut, ist sehr egoistisch“, schimpfte der erfahrene 68-jährige Expeditionsleiter Krzysztof Wielicki daraufhin gegenüber dem Magazin National Geographic. Es gehe bei dieser Expedition nicht alleine um ihn. Urubko ist für seine Eigensinnigkeit bekannt. Schon vor Expeditionsbeginn hatte er auf seinem Internetblog geschrieben: „Ich werde nicht irgendwo vergebens rumsitzen.“ Zugleich ist der Pole aber auch der erfahrenste Bergsteiger im Team. Als Erster erreichte er den Gipfel des 8035 Meter hohen Gasherbrum II im Winter. Alle 14 Achttausender bestieg er schon ohne Sauerstoff.

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Urubko weiß zudem, dass eine gelungene Alleinbesteigung des K2 im Winter ihm einen Eintrag in die Geschichtsbücher sichert. Bergsteiger, wie der Österreicher Hermann Buhl, dem 1953 allein und ohne zusätzlichen Sauerstoff die Erstbesteigung des Nanga Parbat gelang, werden heute noch als Helden gefeiert.

Doch all die Erfahrung half ihm nicht. Er verlor den einsamen Kampf, musste aufgrund noch schlechter gewordenen Wetterbedingungen am Dienstag umkehren, und erreichte gestern wieder das Team im Basislager auf 5000 Metern. Doch dort wurde der 44-Jährige frostig empfangen. Krzysztof Wielicki erklärte Urubko, dass er nicht mehr länger Teil des Teams sei.

Denis Urubko soll dies nach einem Bericht der britischen Zeitung Times nur mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen haben. Er selbst, so heißt es, wolle nicht mehr hinauf. Da heute der meteorologische Frühlingsanfang ist, könne von einer Winterbesteigung keine Rede mehr sein.

Von Florian Quanz

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