Prozess beginnt in New York

El Chapo - brutaler Drogenbaron muss nicht die Todesstrafe fürchten

+
Wegen 17 Anklagepunkten vor Gericht: Heute beginnt der Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán in New York. Als Kopf des Sinaloa-Kartells hat er die USA ein Vierteljahrhundert lang mit Drogen überschwemmt.

Fast zwei Jahre harrt Joaquín "El Chapo" Guzmán nun schon im Hochsicherheitsgefängnis in New York aus. Jetzt beginnt der Prozess gegen den Drogenbaron, über den Netflix eine Serie produziert hat.

New York. Ab heute wird Guzmán, besser bekannt unter seinem Spitznamen „El Chapo“, seine 15 Quadratmeter große, fensterlose Zelle regelmäßig verlassen – als Angeklagter in einem der größten Drogenprozesse der amerikanischen Geschichte.

Die Chancen, dass die USA den mexikanischen Drogenboss auf Lebzeiten hinter Gitter bringen, stehen gut.

El Chapo war Chef des Sinaloa-Kartells

Mit Drogenschmuggel und anderen illegalen Geschäften verdiente der frühere Chef des Sinaloa-Kartells laut Staatsanwaltschaft Milliarden. Im blutigen Drogenkrieg, der in Mexiko auch ohne ihn weiter tobt, gleicht El Chapo einer Jagdtrophäe. Sein weltweiter Ruf lässt sich mit dem des 1993 getöteten Drogenbarons Pablo Escobar vergleichen, dessen ehemaliger Auftragskiller erst kürzlich festgenommen wurde. Die unabhängige Chicago Crime Commission hatte ihn 2013 zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt – ein Titel, den zuvor nur Gangsterboss Al Capone bekam.

El Chapo - auch im Gefängnis ein König

Schon dreimal wurde El Chapo geschnappt und weggesperrt, zweimal entkam er: 2001 flieht er in einem Wäschewagen aus einem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis. Dort führte er durch das Wohlwollen seiner Bewacher acht Jahre lang ein Leben wie ein König – und seine Drogengeschäfte von der Zelle aus weiter. Trotz seiner kriminellen Machenschaften wird El Chapo in seiner bitterarmen Heimat Sinaloa wie ein Heiliger verehrt. Als er 2014 erneut gefasst wird, gehen 2000 Menschen für die Entlassung ihres Arbeits- und Almosengebers auf die Straße.

Video: El Chapo wird wie ein Heiliger verehrt

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Nur 16 Monate dauert seine zweite Haft in Mexiko. Eines Tages verschwindet er aus seiner Gefängnisdusche heraus auf einem Motorrad durch einen kilometerlangen Tunnel, gebaut von seinen Gefolgsleuten. Ein drittes Mal wollten die USA den Mann, den sie für den Großteil des Drogenhandels in ihrem Land verantwortlich machten, nicht entkommen lassen. Als Marinesoldaten El Chapo 2016 nach einer blutigen Schießerei festnehmen, wird er umgehend nach New York ausgeliefert.

Geschworene entscheiden über El Chapo

Zwölf Geschworene sollen nun über sein Schicksal entscheiden. Ihre Namen und Gesichter sollen geheim bleiben – zu groß ist die von El Chapo ausgehende Gewalt, nachdem er mutmaßlich Hunderte Menschen entführen, angreifen und ermorden ließ.

Die Aussichten für den Drogenboss sind düster: Wird er in nur einem der insgesamt 17 Anklagepunkte wie Mord, Folter und Geldwäsche schuldig gesprochen, droht ihm die lebenslange Haft. Die Todesstrafe ist ausgeschlossen, darauf hatten sich Mexiko und die USA verständigt. Lange war nicht klar, ob der 61-Jährige seine Spitzenanwälte überhaupt bezahlen kann. Von den geschätzt 14 Milliarden Dollar (12,2 Milliarden Euro) aus seinen Drogengeschäften fehlt bislang jede Spur.

Beweismaterial gegen El Chapo umfasst 300.000 Seiten Dokumente

Bis ein Urteil fällt, dürfte das Verfahren, das heute mit der Jury-Auswahl eröffnet wird, aber erst nächste Woche mit den Eröffnungsplädoyers offiziell beginnt, etwa vier Monate dauern. Das Beweismaterial umfasst 300.000 Seiten Dokumente, 16 Zeugen werden aussagen, darunter viele ehemalige Gefolgsleute El Chapos.

Unterdessen fließen illegale Drogen weiter von Mexiko in die USA. Und das Gemetzel südlich der Grenze geht weiter. Die Drogenbanden fluten USA mit billigem Heroin - wo über 90 Tote täglich beklagt werden.

Mexiko: Der organisierte Handel mit Drogen

Mexiko gilt als Hauptkorridor für den Drogenschmuggel von Kolumbien in die USA. Schon in den 1980er Jahren professionalisierte sich der Drogenhandel in dem südlich an die Vereinigten Staaten grenzendem Land. Die mexikanischen Behörden stehen in der Kritik, die Drogenkartelle teilweise zu unterstützen.

Im Staat Sinaloa an der Westküste sitzt das Herz des mexikanischen Drogenhandels, vor allem Marihuana und Schlafmohn werden dort angebaut. Laut United States Intelligence Community importierte das Sinaloa-Kartell zwischen 1990 und 2008 mindestens 200 Tonnen Kokain in die USA. Bis zu El Chapos Verhaftung 2014 galt es als mächtigste Organisation im Drogenhandel weltweit.

Um seinen Einfluss zu halten, führte El Chapo einen erbitterten Krieg gegen seine Konkurrenten. Seitdem er 2016 erneut gefasst wurde, versuchen die anderen Kartelle, sich die Vorherrschaft zu sichern – zulasten der Bevölkerung: Mit über 23.000 Tötungsdelikten war 2017 das blutigste Jahr in der jüngeren Geschichte Mexikos. (sgr/mit dpa)

Netflix-Serie: El Chapo und Conrado Sol

El Chapo ist eine US-amerikanische Krimiserie aus dem Jahr 2017. Die Serie ist eine Koproduktion des spanischsprachigen Fernsehsenders Univision und des Video-on-Demand-Anbieters Netflix. Sie thematisiert das Leben von Joaquín „El Chapo“ Guzmán und seines (fiktiven) Gegenspielers Conrado Sol. 

Spannend zum Thema auch: Fünf Millionen Dollar Kopfgeld: Spezialkräfte stellen mexikanischen Drogen-Boss

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.