Elfjähriger sagt gegen seinen Vater bei der Mafia aus

Florenz. Ein elf Jahre alter Junge, Sohn eines Mafiabosses, sagt freiwillig über Strukturen und Geschäfte der ´Ndrangheta aus. Die Mutter hatte sich bereit erklärt, mit der Justiz zu kooperieren, um ihre Kinder zu schützen.

Er kann mit Waffen umgehen, kennt die Zusammensetzung von Drogenpäckchen, weiß, wie man Schutzgeld kassiert und kennt die Hierarchie des Clans. Und doch ist es kein Mafioso, sondern ein elfjähriger Junge aus Piano di Gioia Tauro im Süden Italiens, der all sein Wissen nun der Staatsanwaltschaft mitteilen will. Sein Vater ist Gregorio Malvaso, der Boss eines Arms des Belloco-Clans, der im vergangenen Oktober verhaftet wurde.

Bereits im Juni hatte sich die Mutter des Jungen und Lebensgefährtin Malvasos, Annina Lo Bianco, bereit erklärt, mit der Justiz zusammenzuarbeiten und ihr Wissen über die Clans mitzuteilen. Ihr Motiv: Sie will ihre Söhne vor der ´Ndrangheta (siehe Hintergrund) schützen und verhindern, dass sie in die Mafia eingebunden werden.

Einfühlsam vernahm die Staatsanwältin Giulia Panato den Jungen. Der zeigte sich vollkommen kooperativ und berichtete, was er seit seinem siebten Lebensjahr gesehen und gehört hatte. Genaue Details über Drogen und Waffenverstecke im Elternhaus gab der Junge ebenso bekannt wie die Telefonliste der Mafiosi: Er zeigte der Staatsanwältin sein Handy, das noch vor kurzem der Vater genutzt hatte. Darauf war ein komplettes Telefonverzeichnis der Clanmitglieder.

Belloco gehört zu den einflussreichsten Clans des südlichen Festlands. Außer mit Drogen, Pistolen und Sturmgewehren wird auch mit Kriegstechnik in Krisengebieten gehandelt. Auch der landwirtschaftliche Vertrieb wird kontrolliert: eine Million Tonnen Obst und Gemüse, mehr als 9000 Beschäftigte und 400 Firmen von der Agrarwirtschaft über Transport bis hin zum Kistenbau stehen unter der Kontrolle der Clans. Zusammen bilden sie ein Wirtschaftsimperium, das nach Behördenangaben jährlich 50 Milliarden Euro umsetzt.

Aussagen aus dem Kern der Clans, wie sie nun Mutter und Sohn tätigen, bedeuten für die kalabresische Mafia eine große Gefährdung. Dass sie und auch der Elfjährige sich in Lebensgefahr begeben, dürfte beiden bewusst sein. Denn die Clans fackeln nicht lange, Augen- und Kronzeugen zu beseitigen. Dennoch glaubt die Mutter, dass die Aussage der richtige Schritt ist. „Meine Söhne sollen nicht so enden, wie ihr Vater, der eine Gefahr für die Gesellschaft ist“, erklärte Annina Lo Bianco.

Hintergrund: Das ist die ‘Ndrangheta 

Die ’Ndrangheta ist eine Vereinigung der Mafia in Kalabrien, dem südlichen Teil des italienischen Festlandes. Der Aktionsradius der ’Ndrangheta ist jedoch weit größer und umfasst Europa, Amerika und Australien. Die wichtigsten Einnahmequellen sind Drogenhandel und Müllentsorgung. Die Wurzeln der Organisation gehen auf Rebellen und Räuber im 19. Jahrhundert zurück. Die Ermordung von sechs Menschen im Jahr 2007 in Duisburg zeigte, dass die ’Ndrangheta auch in Deutschland aktiv ist. (yeu)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.